Die Quartiersmanagerin von Rannungen hilft beim Problemlösen
Beratung, Nachbarschaftshilfe, Verknüpfung der Generationen, altersentsprechende Angebote. Das alles sind Bereiche, für die Nathalie Langer zuständig ist. Seit Juni 2018 ist sie Quartiersmanagerin in Rannungen, einer Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen. "Im Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich denn wüsste, was genau ein Quartiersmanagement ist und was dessen Hauptaufgaben seien. Als ich ehrlicherweise mit 'Ich habe versucht, es übers Internet herauszubekommen, aber nein, konkrete, greifbare Antworten habe ich dort nicht gefunden' antwortete, schmunzelte der Rannunger Bürgermeister Fridolin Zehner und erwiderte: ,Wir auch nicht.'."
Die 35-Jährige hat drei Kinder und wohnt in Poppenhausen, etwa 15 Minuten mit dem Auto entfernt. Jeden Donnerstag macht sie sich auf den Weg in das Dorf, um für die Menschen präsent zu sein. Zwei Stunden haben die Bürger dort die Möglichkeit, sie in ihrem Büro in der Dorfmitte aufzusuchen. Acht bis zehn Bürger kommen in der Woche mit einem Anliegen, zusammen mit Frau Langer versuchen sie eine Lösung für ihr Problem zu finden. Häufig kommen Angehörige älterer Bürger, die sich erkundigen, was sie alles beachten müssen, wenn sie eine Wohnung altersgerecht einrichten wollen.
Auch unabhängig von ihrer Sprechstunde kann man die Quartiersmanagerin jederzeit telefonisch erreichen. Meistens kommen die eher offenen Menschen zu ihr, die gerne reden und neugierig sind, was die Neue so genau macht. "Meine ersten Projekte waren besonders wichtig, damit die Leute sehen, wofür ich da bin." Dabei geht es um "Essen auf Rädern", ein Projekt, bei dem warmes Mittagessen zu den Senioren ins Dorf gebracht wird. Der Dienstleister lieferte nicht mehr. "Ich bin dann auf die Suche gegangen und bei den Maltesern fündig geworden. Die haben ihre Route extra so umgelegt, dass sie Rannungen noch mit reinnehmen können."
Ein aktuelles Thema ist der Bau einer Tagespflege. "Wir haben schon einen Betreiber und einen Bauherrn, aber es gibt noch Fördergelder, die wir gerne beantragen möchten. Dafür muss ein Konzept erstellt werden, und an diesem Konzept knabbern wir grad so ein bisschen, weil es jetzt einmal abgelehnt wurde." Das sei wichtig, weil viele Senioren daheim versorgt werden möchten. Die meisten Projekte sind auf die Senioren ausgerichtet, da Nathalie Langer hauptsächlich dafür zuständig ist, dass diese selbstbestimmt leben und wohnen können. Aber auch Jugendliche sind schon mit ihren Anliegen zu ihr gekommen, nachdem zum Beispiel der ehemalige Jugendtreff im Dorf abgerissen worden ist und zuerst nichts Neues geplant war. Sie hat dann zwischen Jugend und Gemeinde moderiert.
Ein großes Anliegen ist für die Quartiersmanagerin, die Generationen zusammenzuführen. Sie hat zweimal ein Ferienprogramm, bei dem Alt und Jung zusammen Spaß hatten, veranstaltet und plant weitere Projekte. Dabei könnte es darum gehen, dass die Jugendlichen ihr Know-how über Digitalisierung, Handy und Technik an Ältere weitergeben. Corona hat das stark ausgebremst.
"Rannungen war schon sehr weit, dadurch, dass der Gemeinderat einen Arbeitskreis gebildet hatte und sich mit dem Thema Senioren bereits ausführlich auseinandergesetzt hat. Der Arbeitskreis hatte auch schon ein ausführliches Konzept erstellt, auch mit Zielbildung, in welche Richtung das Quartierskonzept dann arbeiten soll." Dadurch, dass es in Rannungen - es hat 1250 Einwohner - eigentlich alles gibt, was für die Senioren wichtig ist, wie Kirche, Hausarzt, Lebensmittelladen, Bankfiliale, Metzgerei, Getränkeläden und auch Seniorennachmittage, war für Nathalie Langer zu Beginn gar keine deutliche Problemlage erkennbar. Die ersten Monate ist sie viel durch den Ort gelaufen, um den Menschen zu begegnen und ins Gespräch zu kommen, hat an den Bürgerversammlungen teilgenommen und auch in Rundschreiben und Presse bekannt gemacht, wer sie ist und was sie macht. Da fast 30 Prozent der Bürger in Rannungen über 60 Jahre alt sind, hat sich die Gemeinde für das Förderprogramm Quartierskonzepte entschieden. Zu Beginn ihrer Dienstzeit hat Nathalie Langer viele Seniorennachmittage besucht. Die Idee für Bänkleswege ist indirekt aus einem dieser Nachmittage entstanden. "Einige Senioren haben sich kurze Wandermöglichkeiten gewünscht. So entstand in einer Arbeitsgruppe die Idee der Bänkleswege." Bei diesem Weg steht spätestens alle 850 Meter, oft schon nach 500 Metern, eine Bank, was Senioren, Kranke oder Familien mit Kleinkindern motivieren soll, rauszugehen und sich zu bewegen. Auch um die Probleme, die viele Senioren mit den Busverbindungen haben, kümmert sich die Quartiersmanagerin.
Nach ihrem Fachabitur hat Langer Wirtschaftspsychologie studiert. Drei Jahre ist sie in einer Beratungsstelle für Frauen tätig gewesen, die es heute nicht mehr gibt. Als Quartiersmanagerin arbeitet sie 19,5 Stunden in der Woche. Der Bürgermeister ist ihr Chef, geplante Projekte spricht sie mit ihm ab. Verpflichtend sind zwei Berichte: ein Zwischenverwendungsnachweis und der Endbericht. Um die Übersicht zu behalten, dokumentiert sie wichtige Telefonate und hat einen Ordner mit den ganzen Projekten erstellt. Ihre Arbeit wird über das Bayerische Staatsministerium für Arbeit, Familie und Soziales gefördert, was für die Gemeinde gut ist, da fast 100 Prozent der Personalkosten dadurch abgedeckt sind. Die 80 000 Euro Fördermittel sind auf vier Jahre angelegt. Die Förderung ist als Anschubfinanzierung gedacht, die Gemeinde soll also den weiteren Fortbestand selbst finanzieren.