Kleines Glück

Vier Vitrinen, ein Dutzend Kartons unter dem Rechner, mehr als 600 Autominiaturen: So schaut das Arbeitszimmer in der Wohnung von Alberto Correia in Porto aus. Auf dem Tisch liegen Acrylfarben, Pinsel in allen vorstellbaren Größen und Formen und eine alte Kopfbandlupe. Mit einem nostalgischen Blick erzählt er über die Herkunft dieser merkwürdigen Leidenschaft. "Als ich sieben oder acht Jahre alt war, habe ich damit angefangen. Beim Reisen wurde meine Kleidung in meinem Koffer durch meine Spielzeugautos ersetzt", sagt er. "Diese Miniaturen waren damals sehr teuer, fünf Autos waren schon eine anständige Kollektion." 40 Jahre später blühte die Liebe für die Miniaturen erneut auf, und der 77-Jährige entschied, die Kollektion weiterzuführen, aus Bedauern, damit aufgehört zu haben.

 

"Leider spielen die Kinder heutzutage nicht mehr mit Spielzeugautos, sondern mit iPads. Es scheint ein Hobby für alte Männer zu sein." Beim Handeln oder bei Ausstellungsbesuchen habe er Freundschaften geschlossen und auch einige seiner alten Freunde zu diesem Hobby inspiriert. "Ein Freund von mir hatte ein ganzes Stockwerk nur für Miniaturen. Es ist auch tatsächlich so, dass sie keine Spielzeuge mehr sind: Das Detail ist so genau, dass manche echte Kunststücke sind." Mit einem Lächeln zeigt Alberto Correia einen einhaarigen Pinsel, den er für den Kilometerzähler einer 10 Zentimeter großen Miniatur vor Kurzem gebraucht habe.

 

Nachdem er 1997 Ebay entdeckt hatte, beschäftigt er sich mit dem Erwerb und der Restaurierung von Miniaturen, die er später zu verkaufen versucht. Alberto Correia läuft noch alle Märkte in der Nähe von Porto ab, um seltene Exemplare zu finden. Die Arbeit der Restaurierung sei komplexer, als man denkt, und man müsse vorsichtig sein, erklärt der Miniaturenfan: Oft muss er die kleinen Autos unverändert, selbst mit beschädigtem Lack oder lädierten Bauteilen, verkaufen, da Veränderungen stark den Preis senken würden. "Manchmal betrachten die Sammler diesen Schaden einfach als Folge des Spielens. Normalerweise restauriere ich nur die Miniaturen, die ich selbst behalten will." Nach 27 Jahren mit diesem Hobby behauptet Alberto Correia stolz, dass er große Kenntnisse über Miniaturen besitzt. Er braucht nur wenige Augenblicke für einen Tisch voller Autos auf dem Markt von Vandoma, um zu wissen, welche davon wertvoll sind. "Es ist nicht schwer, Verkäufer zu finden, die den Wert der Miniaturen nicht kennen und nur ein Zehntel davon verlangen." Aber schnell zu profitieren sei nicht sein größtes Ziel. Unter normalen Umständen kaufe er eine Miniatur für weniger als zwei Euro, um sie dann für rund 15 Euro zu verkaufen, doch er habe schon einige für über hundert Euro verkauft. "Einmal begegnete ich einem Händler mit mehreren extrem wertvollen Miniaturen, die er für 10 Euro das Stück verkaufen wollte. Ich rannte zum nächsten Geldautomaten und hob alles ab, was ich damals hatte. Mit den ganzen Miniaturen habe ich mehr als 500 Euro verdient." Auch anderes sei wertvoll, wie die Kartons für die Autos, die manchmal teurer als der Inhalt selbst sein können.

 

Correia hat schon Tausende von Abenden mit der Restaurierung oder auch bei dem Aufbau von Miniaturen aus sogenannten Kits verbracht. "Sie funktionieren ungefähr wie Puzzeln, man muss alles zusammenbauen. Wochenlang musste ich an den Rädern eines Autos sitzen, dessen Felgen aus Hunderten von kleinen Drähten bestanden." Dann zeigt er auf ein Paar Miniaturen, die Autos aus den 1890er- und 1900er-Jahren im Maßstab 1 zu 43 zeigen. "Komischerweise will kein Sammler so was." Er selber interessiere sich nicht für Rennwagen, sondern für normale Autos, und suche Miniaturen der ältesten Autos. Die Welt der Miniaturen hat sich stark verändert, hauptsächlich aufgrund des Internets. Früher seien Deutschland, Frankreich und vor allem Großbritannien, Heimat der weltbekannten Dinky Toys, die größten Hersteller gewesen; vor einigen Jahren wurden sie jedoch von asiatischen Herstellern überholt. "Aus meiner Sicht gibt es in Portugal nur noch wenige Sammler, doch in anderen Ländern sieht es anders aus", sagt Correia. Es gibt große Veranstaltungen, wo Sammler weltweit zusammenkommen und ihre Kollektionen ausstellen. Manche davon werden bei Autoshows nebenan organisiert, und bei anderen geht es nur um die Miniaturen. "Alle Sammler sprachen vor allem über die Ausstellungen in Nürnberg, doch da kamen keine Amateure wie ich rein. Nur Profis."

 

Heute interessiert sich Alberto Correia neben Auto- auch für Flugzeugminiaturen. "Doppeldecker, um genau zu sein", erklärt er und zeigt auf eine Replika einer britischen Sopwith Camel der Marke Altaya. Der ehemalige kaufmännische Leiter hat in den vergangenen 27 Jahren schon weltweit Miniaturen verkauft und die am meisten nachgefragten Stücke in seinem Büro gehabt oder verarbeitet. "Meine Generation verschwindet langsam. Ich hoffe, dass die nächste die Welt der Miniaturen weiterleben lässt."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2021, Nr. 168, S. 26 - Tomás Morais Soares, Deutsche Schule zu Porto

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