Mit Huhn ins Hotel

Hélio Loureiro hat für die besten Fußballspieler der Welt gekocht und musste oft improvisieren

Hélio Loureiro ist 57 Jahre alt und seit mehr als dreißig Jahren Koch. In 20 davon kochte er für die portugiesische Fußballnationalmannschaft, nämlich zwischen 1996 bis 2016. Der Koch einer Fußballnationalmannschaft spielt eine wichtige Rolle. Während der Spielphasen sind jeden Tag fünf Mahlzeiten vorzubereiten: Frühstück, Mittagessen, Snack, Abendessen und ein kleines Mahl vor dem Schlafen, alle werden in den Hotelzimmern serviert. Und es gibt einen Tisch mit Kaffee, Tee, Wasser, Obst und Keksen. "Es ist ein riesiger Job, und vom Frühstück bis zum Abendessen kann man nicht aufhören, da nicht nur die Spieler ernährt werden müssen, sondern auch das gesamte Mitarbeiterteam", sagt Hélio Loureiro.

 

Es kann einige personalisierte Mahlzeiten aufgrund der physischen und ernährungsphysiologischen Besonderheit eines Sportlers geben, aber im Allgemeinen erfolgt die Ernährung der Spieler immer unter Berücksichtigung der traditionellen portugiesischen Gastronomie und der ernährungswissenschaftlichen Standards. In der ganzen Zeit hatte Loureiro keinen veganen oder vegetarischen Spieler. Ungesunde Mahlzeiten, wie Kuchen oder Pommes, gibt es nicht, aber die wollen die Spieler auch nicht, denn "jeder kennt die Bedeutung einer gesunden Ernährung für eine gute Leistung auf dem Feld", sagt Loureiro.

 

Im Dienst des Fußballvereins von Porto im Ausland bei einem wichtigen Spiel war der Koch der einzige Portugiese. Loureiro hatte die traditionelle Hühnersuppe fertig, als er durch das Spiegelbild der Edelstahltür des Kühlschranks bemerkte, dass jemand den Deckel der Pfanne berührte und zum Mülleimer ging, wo er etwas wegwarf. Er tat so, als hätte er es nicht bemerkt, ging diskret zum Mülleimer und fand eine Flasche Pillen, die, wie ein Arzt feststellte, entspannend wirkten. Er entschied sich mit dem Arzt, nichts zu tun und den Spielern zu sagen, dass es keine Hühnersuppe gebe, da sie schlecht geworden sei. "Ich war durch Inkompetenz beschämt, aber wir konnten nicht zulassen, dass dieser Vorfall das Team und die Leitung des Clubs verunsicherte. Erst nach dem Spiel, dessen Ergebnis für uns günstig war, erzählten wir den Vorsitzenden, was geschehen war. Es war mir eine großartige Lektion, immer aufmerksam zu sein."

 

Wichtig ist auch, dass die Spieler eine Mahlzeit haben, die sie an ihre Heimat erinnert. "So wichtig wie die Ernährung des Körpers ist die Notwendigkeit, die Seele zu ernähren, indem wir auf den Tisch die Erinnerungen aus dem Heimatland bringen." Solche Gerichte sind zum Beispiel Seeteufel mit Reis, Seehecht-Filets mit Tomatenreis, Kaninchen in Rotwein, gebratenes Zicklein und der portugiesische typische Kabeljau, der gekocht mit Kichererbsen oder mit Brotkrümeln serviert wird. Für große Turniere wie die Europameisterschaft werden die Menüs mindestens drei Monate im Voraus geplant unter Berücksichtigung der Lebensmittel, die in dem betreffenden Land vorhanden sind oder beschafft werden können. Auch Aspekte wie die Höhenlage der Stadt, in der gespielt wird, die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit werden berücksichtigt. Bei Hitze verbraucht der Körper viel Energie, um die Körpertemperatur niedrig zu halten. Dann gibt es leichtere Lebensmittel, damit nicht zu viel Energie von der Verdauung beansprucht wird. Loureiro hat für einige der besten Fußballspieler gekocht, wie Cristiano Ronaldo, Luís Figo, Deco, Rui Costa oder Vítor Baía. Ronaldos Lieblingsgericht sei Kabeljau "à Brás", das heißt geschredderter Kabeljau mit Kartoffeln und Ei. "Es gab Spieler, die manchmal Besuche in der Küche machten, aber mehr, um zu essen, als, um zu arbeiten. "Ich erinnere mich an Luís Figo, der viel über Gastronomie weiß. Er liebt Magret de Canard, und ich erinnere mich, einmal für uns zwei Kaviar gekauft zu haben."

 

Stress habe es bei der ersten Reise mit der Mannschaft nach Armenien gegeben, zu einer Zeit, in der es in dem Land an Lebensmitteln und anderen Gütern mangelte. Als sie im Hotel ankamen und obwohl sie ihre Bestellungen im Voraus geschickt hatten, war nichts in der Speisekammer, also musste Loureiro im Morgengrauen zum Markt gehen und alles kaufen, was er finden konnte. "Ich brachte in einem alten Lada Truthähne und Hühner zum Hotel, die noch lebten, und ein halbes Schwein."

 

Eine andere schwierige Situation war bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Die Nationalmannschaft war zu einem Fundraising-Dinner eingeladen, mit den Gästen waren es etwa 500 Personen. Loureiro musste kontrollieren, dass die Mahlzeiten der Spieler ihren Ernährungsbedürfnissen entsprachen, was aber nicht der Fall war. Weil ihr Hotel eine Stunde entfernt war, konnte Loureiro per Telefon noch ein Abendessen vorbereiten lassen. Es stellte sich heraus, dass keiner den Rückweg kannte. "Und plötzlich waren wir mitten in einem Ghetto in Johannesburg, in einem Bus voller WM-Fußballaufkleber, mit einem Fahrer, der Angst hatte, und ich, weil das Abendessen noch gemacht werden sollte. Als wir endlich ankamen, war alles bereit, das Hotelpersonal hatte die Anweisungen gut befolgt, aber die Angst und das Gefühl, meine Pflicht nicht erfüllen zu können, waren schrecklich."

 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2021, Nr. 290, S. 26 - Miguel Morais, Deutsche Schule zu Porto

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