Im Training für die Sauna-Aufgussmeisterschaften
Es ist meine Leidenschaft, alleine mit einem Handtuch Showaufgüsse zu kreieren", erklärt Bademeister Sascha Eßinger, der nicht nur in Elsenfeld Besucher der Saunalandschaft zum Schwitzen bringt, sondern auch in den größten Thermen Deutschlands bei den Deutschen Aufgussmeisterschaften: Auf diesem Niveau werden Aufgüsse gefordert mit innovativen Ideen und einem Wow-Effekt. "Ich wedele mit allem, nicht nur mit dem Handtuch, sondern zum Beispiel auch mit den Socken beim Wäsche aufhängen", fasst Eßinger seine früh entdeckte Leidenschaft zusammen. Vor 19 Jahren trat er nach einer KFZ-Mechaniker-Lehre die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe im Elsenfelder Gemeindebad an. Großes Getümmel im Becken bringt den 38-Jährigen nach seinen Erfahrungen als Rettungsschwimmer im Freibadbetrieb nicht mehr aus der Ruhe.
Seine Freizeit aber verbringt er damit, für den engen Saunainnenbereich aufwendige Showaufgüsse zu kreieren. Nachdem Sascha Eßinger 2018 knapp am Finale der deutschen Meisterschaften vorbeigeschrammt ist, hat er sich für dieses Jahr Großes vorgenommen. "Mein Ziel ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft." Diese erfordert aber einen Treppchenplatz bei den Deutschen Aufgussmeisterschaften, an denen wiederum dürfen nur diejenigen teilnehmen, die in zwei Vorrunden ihr Können unter Beweis gestellt und sich gegen die Konkurrenten durchgesetzt haben. Zudem verlangt der Sport seinen Akteuren eine gute Kondition ab, da in den Saunen durch die hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit extreme Bedingungen herrschen. Regelmäßiges Training ist, um alle Bewegungsabläufe zu festigen und im Wettbewerb erfolgreich zu sein, essenziell. Aber auch Improvisation ist im Hinblick auf den Größenunterschied zwischen der Elsenfelder Saunalandschaft und den Saunen der größten Thermen Deutschlands unvermeidlich.
"Meinen letzen Showaufguss High Moon habe ich im Wohnzimmer nachgebaut und bin mit einer Augenbinde alles durchgegangen", erklärt Sascha Eßinger. Aber auch der Wintergarten des Elsavamars in Elsenfeld eignet sich gut für die Vorbereitung, die sich bei ihm über ein ganzes Jahr erstreckt. Denn zu einer Show gehört nicht nur das reine Wedeln, das dazu dient, die warme Luft im Raum zu verteilen, sondern auch das gekonnte Einsetzen von Musik, Requisiten und Licht-Effekten. Darüber hinaus ist zu beachten, dass der gewünschte Effekt der Wedeltechniken jeden Zuschauer gleichermaßen erreicht und sowohl die Hitzesteigerung als auch der Showeffekt gegeben sind.
Eine Vielzahl an Wedeltechniken sind bekannt, die entweder beidhändig oder nur einhändig ausgeführt werden, deren flüssige Kombination ist eine echte Herausforderung, zumal mehrere Bereiche abgedeckt werden müssen, um eine möglichst gute Bewertung von der Jury zu erhalten. Diese bewertet die Show nach den sechs Kriterien Kreativität, Auftritt des Aufgießers, Wedeltechniken und deren Zusammenspiel, Hygiene, Professionalität, Hitzesteigerung und Einsatz und Verteilung der Düfte. Für jede dieser Kategorien kann man bis zu 100 Punkte erhalten.
Neben aller Kreativität gibt es aber auch No-Gos während eines Showaufgusses. Hierzu zählt das Einsetzen von synthetischen Düften, die im Vergleich zu natürlichen ätherischen Ölen unangenehmer wirken. Zudem führt es zu Punktabzug, wenn ein auf den Boden gefallenes Handtuch verwendet oder ein Zuschauer mit in die Show einbezogen wird. Doch dies passiert Sascha Eßinger garantiert nicht, wenn er mit seinem neuen Thema Criminal in den Qualifikationsrunden, die aufgrund der andauernden Corona-Pandemie auf 2022 verschoben wurden, an den Start geht. Die genaue Handlung bleibt bis dahin noch ein kleines Geheimnis.