Trüffel in der Eifel, dem ehemaligen "Preußisch Sibirien"? Der Klimawandel macht es möglich. Mit der Verschiebung der Temperatur-Grenzen nach Norden bewegen sich auch Funga, Flora und Fauna, die vor wenigen Jahrzehnten noch in mediterranen Sphären beheimatet waren, in die nördlichen Regionen. Zu ihnen gehört die ursprünglich Périgord-Trüffel, Tuber melanosporum, Schwarze Wintertrüffel oder auch Schwarzer Diamant genannt, die Gastronomie, Liebhaber und Köche ins Schwärmen bringt.
"Die Suche nach Trüffeln in deutschen Wäldern ist verboten", warnt der Pilz- und Heilpilzexperte Michael Riehl. Um Pilzexperte zu werden, muss man mehrere Seminare und Schulungen besucht haben und anschließend eine Prüfung ablegen. Der Grund für das Verbot überrascht den Laien, denn die Trüffel dürfen nur als landwirtschaftliches Produkt kultiviert und angebaut werden. Aber hierzu sind einige wesentliche Hürden zu nehmen: eigener Landbesitz oder Nutzungsrechte und Expertise in Pilzanbau und Trüffelkultur.
"Der Schlüssel zum Sieg ist Geduld", erläutert Michael Riehl, der seit fünf Jahren Trüffelplantagen, deren Standorte geheim sind, pflegt und betreut. Hauptsächlich übernimmt Riehl die Pflege allein, jedoch bekommt er finanziell sowie praktisch Unterstützung von seinen Investoren, die im Gegenzug dafür am Gewinn beteiligt werden. Der 70-Jährige kam durch seine Liebe zur Natur zu den Trüffeln. Die Grundvoraussetzungen sind mit den geologischen, geographischen und den klimatischen Parametern fein abzustimmen. "Trüffel benötigen einen Boden mit einem pH-Wert zwischen 7 und 8 und einen passenden Baumpartner, um perfekt zu gedeihen." Damit ist der Boden leicht basisch, einen derart beschaffenen Boden findet man in Kalksteingebieten. Jedoch kann man diesen auch durch die Zugabe von Kalkschotter künstlich erzeugen, indem man diesen eingrubbert oder einpflügt. "Eine geeignete Plantage wäre idealerweise ein ehemals genutztes Ackerland mit genügend Sonnenstunden und ohne Gefahr von Staunässe", erklärt der pensionierte Sprachendozent. Zuletzt unterrichtete er in Koblenz bei Lane's Language Services Deutsch, Englisch und Französisch. In trockenen Sommern ist zu einer Bewässerungsanlage auf der Plantage zu raten. Zu empfehlen ist außerdem, zwei von den sechs für die Gastronomie interessanten Arten anzubauen.
Dabei handelt es sich einmal um die sogenannte Burgunder-Trüffel, die einen Kilopreis zwischen 400 Euro und 800 Euro erzielen kann, und die Périgord-Trüffel, deren Kilopreis und Marktwert je nach Ernte und Ausbeute zwischen 1200 Euro und 5500 Euro liegt. Die Burgunder-Trüffel benötigt sieben Jahre, um die ersten erntebaren Knollen zu bilden. Die Ernte findet zwischen September und Dezember statt, also vor dem Eintreten von Bodenfrost und Schnee. Die Périgord-Trüffel wird nach etwa zehn Jahren das erste Mal geerntet. Ihre Ernte beginnt im November und endet im Januar. "Auf der geeigneten Fläche werden Baumreihen mit mykorrhizierten Bäumchen gesetzt, die ein bis zwei Jahre alt sind." Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen einem Baum und einem Pilz, dabei hüllt der Mykorrhizapilz, zu dem auch die Trüffel gehört, die äußeren Feinwurzeln des Baumes mit einem dichten Fadengeflecht, dem Myzel, ein. Über diese "Kontaktfläche" tauschen der Pilz und der Baum Nährstoffe miteinander aus. "Der Pilz löst aus dem Gestein Mineralien und kann selbst bei starker Trockenheit aus dem Boden Wasser gewinnen", führt der Experte in die Geheimnisse des Trüffelanbaus ein. Diese Mineralien und das Wasser werden dann über das Myzel an den Baum weitergegeben. Im Gegenzug bekommt der Pilz von seinem Wirt Zucker, da er selbst keine Photosynthese betreiben kann. "So herrscht dort eine Win-win-Situation", erläutert Riehl schmunzelnd. Der junge Setzling, sei es Buche, Eiche, Schwarzkiefer oder Haselnuss, wird schon beim Keimprozess mit Trüffelsporen in Kontakt gebracht und dadurch geimpft, das heißt mykorrhisiert. Somit ist der Setzling bereit, in einer Trüffelplantage eingepflanzt zu werden. Zwischen den Baumreihen befindet sich ein vier Meter breiter Wiesenstreifen, der in der Regel zum Befahren der Anlage mit landwirtschaftlichem Gerät genutzt wird.
"Die Pflege der Anlage ist enorm wichtig, denn auch wenn die ersten Trüffel erst nach fünf Jahren geerntet werden können, muss es bis dahin den Bäumen gutgehen und sie müssen wachsen. Ohne einen starken und gesunden Baum wird auch der Trüffelanbau wenig erfolgreich sein", klärt der Experte auf.
Um die Trüffel zu suchen und zu ernten, nutzte man früher Trüffelschweine. Diese sind mittlerweile durch ausgebildete Trüffelhunde ersetzt worden, da diese ebenfalls das Aroma der Trüffel, das dem Sexualhormon eines Ebers entspricht, riechen können. Der Vorteil der Hunde ist, dass diese die Trüffel nicht selbst fressen, wenn sie diese gefunden haben.
Die Entwicklungszeit kann man nutzen, um Kräuter und Blühpflanzen wie Bärlauch, Brennnesseln oder Löwenzahn zu pflanzen. "Denn diese liegen im Trend bei Anbietern der gehobenen Küche." Um die mediterrane Garrigue-Vegetation nachzuahmen, die der Heimat der Périgord-Trüffel entspricht, können Rosmarin, Lavendel und andere mediterrane Gehölze mit angebaut werden. Diese Kräuter sind ein attraktives Instrument, um Kontakte mit künftigen Kunden zu schaffen. "Kontakte sind das A und O für einen guten Verkauf", sagt Michael Riehl. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt fördert eine Trüffelplantage die Artenvielfalt durch einen gesunden Gehölzmix und ökologisches Management der Anlage, zum Beispiel durch Nistkästen und Ansitzstangen für Raubvögel.
Auf einer Truffière werden keine Pestizide und Chemikalien eingesetzt, wodurch sich Bienenvölker ansiedeln könnten. Beim Informieren über Trüffelanbau sollte man sich von Marktschreiern und unseriösen Marktangeboten, die das schnelle, große Geld versprechen, fernhalten. Wer Trüffelkultivierung geschäftlich betreiben will, braucht Wissen und einen langen Atem. "Denn das Keyword der Trüffel lautet Geduld", wiederholt der Experte, der in Mayen in der Nähe von Koblenz lebt, sein Credo.
Das Thema Klimawandel wurde durch Fridays for Future und andere Demonstrationen präsenter und mit ihnen der Appell: "Pflanzt Bäume, rettet den Planeten!". Dazu sagt Riehl selbstbewusst: "Die Trüffelbauern haben diesen Wunsch bereits erfüllt und leisten einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt."