Wuchtwunder

Das war reiner Zufall", antwortet Peter Rottmann auf die Frage, wie er zum Orgelspielen gekommen sei. Als seine Eltern auf der Suche nach einer Beschäftigung für ihre Söhne waren, um diese kulturell zu bilden, bot ein Arbeitskollege seines Vaters an, ein altes Klavier abzugeben, das bei seiner Großmutter untergebracht wurde. So kam es dazu, dass der heutige Regionalkantor Klavierstunden von einem Musikstudenten aus seinem Heimatort, dem saarländischen Merchweiler, bekam. Das Klavier diente zuvor als Wirtschaftsklavier und wurde vom Wirt selbst nur benutzt, nachdem ein Glas Bier in das Klavier hineingekippt wurde. Peter Rottmanns erstes Instrument war also in einem entsprechenden Zustand.

Dennoch: "Ab dem ersten Klavierunterricht hatte ich einen super Draht zu meinem Klavierlehrer und auch einen Draht zum Klavier - ich war infiziert", erinnert sich Peter Rottmann. Auch wenn der Unterricht streng war, konnte man den Jungen nicht mehr von seinem Instrument trennen, und so spielte er bereits nach zwei Jahren sein erstes Konzert zusammen mit einem Kammerorchester. Vier Jahre Klavierunterricht legten die technischen Grundlagen zum Umstieg auf die Orgel. "Mich hat immer diese Wucht, dieser Klang, diese Vielfalt fasziniert", berichtet er aus seinen Zeiten als Messdiener.

So führte er den Klavierunterricht parallel zum Orgelunterricht fort, wobei ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Instrumenten darin liegt, dass das Klavier zwar über mehr Tasten, die Orgel jedoch über sogenannte Register verfügt, was für ein deutlich breiteres Klangspektrum sorgt. Die Schwierigkeit beim Orgelspiel liegt darin, dass die tiefsten Töne, anders als beim Klavier, nicht mit der Hand, sondern den Füßen erzeugt werden. "Da war für mich klar, du willst Kirchenmusiker werden", beschreibt Rottmann den Moment, als er mit 14 Jahren ein Orgelkonzert im Kölner Dom besuchte. Ab da zeigte sich auch an seinen schulischen Leistungen, dass ihm nun nichts wichtiger war als die Musik. Ein Fach bereitete ihm dennoch besonders großen Spaß, das Maschinenschreiben. Als Pianist hatte er schnelle Finger, weshalb er sogar an einer Meisterschaft teilnahm und saarländischer Vizemeister im Schnellschreiben wurde.

Nachdem er die Hauptschule abgeschlossen hatte, wechselte er zunächst auf eine Handelsschule, um anschließend sein Abitur auf einem Wirtschaftsgymnasium zu absolvieren, da sein Vater sich für ihn eine berufliche Laufbahn im Bereich der Verwaltung gewünscht hätte. Anschließend konnte er sein Studium an der Musikhochschule Saarbrücken beginnen. Von 1980 bis 1988 studierte er dort neben der Kirchenmusik Musikerziehung mit dem Hauptfach Klavier und Orgel. Nachdem er sein Studium mit dem A-Examen, dem heutigen Master entsprechend, abgeschlossen hatte, kam er nach Bad Kissingen, um dort als Regionalkantor und Orgelsachverständiger sowie Leiter des Regionalzentrums für Kirchenmusik zu arbeiten.

Als er 1987 bei seiner Bewerbung auf die Regionalkantorenstelle die Stadtpfarrkirche in Münnerstadt besuchte und sich die Orgel ansah, war er begeistert. "Diese Orgel war genau mein Ding. Ich war gleich vom Klang angetan." Grund dafür war, dass die Orgel über ein französisches Schwellwerk verfügt, was bedeutet, dass in einem Teilwerk der Orgel starke Register in einem geschlossenen Kasten mit Jalousien verschlossen sind, was eine dynamische Klangänderung vom Pianissimo bis zum Fortissimo ermöglicht. Diese Art von Orgel war damals besonders in dieser Region Deutschlands eine Seltenheit.

Peter Rottmann ist nicht nur Kirchenmusiker und Orgelsachverständiger, sondern auch Regionalkantor für die Regionen des Landkreises Bad Neustadt, Bad Kissingen und den Alt-Landkreis Karlstadt. Als Orgelsachverständiger hat er die Aufgabe, sich um jegliche Defekte und Mängel an Orgeln in der Region zu kümmern, diese also zu begutachten. "Der Orgelsachverständige ist das Bindeglied zwischen der Diözese, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Kirchengemeinde und den Organisten vor Ort", beschreibt er seine Tätigkeit. Diese Art von Mittlertätigkeit beschreibt er als die größte Schwierigkeit, die nicht nur eine gewisse Fähigkeit, sondern auch "eine Liebe zur Musik" voraussetzt. Als einer von nach eigenen Angaben rund 60 Orgelsachverständigen in ganz Deutschland übt Peter Rottmann einen eher seltenen Beruf aus.

Zusätzlich ist Peter Rottmann als leidenschaftlicher Chorleiter tätig und betreut drei Chöre: den St.-Maria-Magdalena-Kirchenchor, den St.-Maria-Magdalena-Männerchor und das Ensemble Vokal in Münnerstadt. Mit diesem Vokalensemble wurde er im Luther-Jahr 2017 von der Wartburg-Stiftung eingeladen, um auf der Wartburg das Oratorium "Der Messias" des Komponisten Georg Friedrich Händel vorzutragen, der zufälligerweise am selben Tag Geburtstag hat wie Peter Rottmann.

Einer der Höhepunkte für ihn war die Möglichkeit, ein Konzert auf der größten Kirchenorgel der Welt im Passauer Dom zu spielen, als er dorthin vor zwei Jahren eingeladen wurde. Dieser Superlativ berechnet sich nach der Zahl der Orgelpfeifen. Außerdem hat Rottmann schon in seiner Studienzeit des Öfteren in der Pariser Kathedrale Notre-Dame gespielt: "Das absolut Prägendste ist, nachts an dieser Orgel zu sitzen, in den Kirchenraum zu gucken und dabei Orgel zu spielen", erzählt er begeistert. Natürlich hat die Corona-Krise auch die Kirchenmusiker völlig unvorbereitet getroffen. "Nachdem wir uns von dem ersten Schock darüber, dass etwa 90 Prozent unserer Arbeitsfelder, Kirchenkonzerte, Chorproben, Gottesdienste und kirchenmusikalische Ausbildung, weggebrochen sind, erholt hatten, hat sich jeder von uns in enger Abstimmung mit den Vorgesetzten neue Arbeitsfelder gesucht. Ich arbeite im Moment an einem Herzensprojekt, das ich vor Corona längst nicht so intensiv hätte durchführen können wie im Moment: Es handelt sich hier um eine CD-Produktion mit den zehn schönsten Orgeln der Rhön, wobei jede Orgel durch eine ausführliche klangliche Präsentation auf jeweils einer CD präsentiert wird. Fünf CDs sind schon fertig."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Johanna Friedel

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