Eiskunst am Seil

Von einer drei bis vier Millimeter dünnen Metallkufe vom Eis abzuspringen, sich viermal um die eigene Achse zu drehen, wieder zu landen und alles möglichst elegant und in hundert verschiedenen Variationen - eigentlich unglaublich, dass ein Mensch das kann! Die Deutsche Katja Metzler lebt seit 14 Jahren in St. Gallen und hat ein Gerät entworfen, das Eiskunstläufern die Möglichkeit gibt, diese Rotationen zu üben. Die 39-Jährige war Schwimmerin und hatte nichts mit dem Eiskunstlauf zu tun, bis ihre Tochter damit anfing. Mit acht Jahren ist Emily eine der jüngsten Swiss-Ice-Skating-Läuferinnen und holte schon mehrere erste Plätze im Swiss-Cup. "Durch meine Tochter kam ich auf die Idee des Rotations-Kits. Wenn man, wie sie, Großes will, schaut man, wie es die Großen machen, und die üben ihre Drehungen an einem Seil schwebend in der Luft", erklärt Katja Metzler. Als Emilys Trainerin meinte, dass so ein System gut wäre, kam sie auf die Idee, etwas zu entwickeln, was auch mobil und frei stehend sein sollte. Denn die bestehenden Systeme, "meist Marke Eigenbau aus Russland", wie Metzler sagt, seien alle an einer Decke aufgehängt, die hoch genug und robust sein müsse. Sie aber wollte ein System entwickeln, das man überall hinstellen kann, um unabhängig vom Standort trainieren zu können und nicht auf eine der wenigen Hallen angewiesen zu sein. Mit den Ingenieuren ihrer Metallmechanik-Firma Prontag, die mit zwölf Mitarbeitern und zwanzig CNC-Maschinen Produkte aus allen Bereichen des Maschinenbaus fertigt und bei der ihr Mann der Geschäftsführer ist, entwickelten und bauten sie so ein System. Katja Metzler, die Betriebswirtschaft studiert hat, ist für die Vermarktung, den Verkauf und die Vermietung verantwortlich.

Das Kit ist einfach aufgebaut und erinnert an einen Flaschenzug, was es unter anderem auch ist. Es hat drei Metallbeine, die oben an einem Dreieck befestigt sind. Von oben kommt ein Seil, an dem sich der Eiskunstläufer mit einem Klettergurt, der an einem Kugellager hängt, befestigt. Das Seil verläuft an einem der Beine entlang nach unten, so dass ein Helfer den Trainierenden nach oben ziehen kann. So kann man schwebend in der Luft Drehungen üben, auch wenn man kein Eis zur Verfügung hat. Und das dazu noch viel spezifischer als im normalen Training auf dem Eis.

"Wir achteten besonders darauf, dass man möglichst robuste Materialien verwendet, dass man es leicht auseinandernehmen kann, es aber trotzdem sehr stabil ist und selbst bei 100 Kilogramm Last beim Verwenden während der Drehungen nicht anfängt zu vibrieren oder zu schwingen", erklärt die zweifache Mutter. Die Beine werden durch drei Teile zusammengeschraubt, so dass man die Höhe der Konstruktion innerhalb von nur zwei Minuten von 3,50 auf 2,70 Meter verringern kann. "Innerhalb von nur zehn Minuten kann man es komplett auseinanderschrauben und problemlos in einen herkömmlichen Pkw packen", erklärte Metzler. Durch das 3500 Franken teure Kit lernt man, möglichst gerade Drehungen zu machen. Denn dreht man sich bei einer Pirouette nicht um seinen eigenen Körpermittelpunkt, fängt man an auf dem Eis zu wandern und kommt von seiner Bahn ab. Bei Sprüngen ist es besonders wichtig, perfekt gerade zu bleiben, wegen der kurzen Flugzeit muss man die bis zu vier Umdrehungen umso schneller machen. Für die vier Umdrehungen brauchen Eiskunstläufer nur 0,7 Sekunden. Nur durch eine fast perfekt gerade Körperachse kann man danach wieder auf den dünnen Kufen landen, ohne sich dabei abstützen zu müssen.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Jannis Leitner

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