Sprachen drücken Identität aus, doch sind das Baskenland, ,,Euskalherria", und seine Geschichte, Kultur und Sprache für viele eine Terra incognita. Baskisch wird in den Gebieten Gipuzkoa, Bizkaia, Álava und Navarra sowie in den Gebieten des Baskenlandes auf französischem Boden Baja Navarra, Lapurdi und Zuberoa gesprochen. Doch hat sie in Frankreich keinen offiziellen Status.
Es ist eine der wenigen nichtindoeuropäischen Sprachen in Europa und die einzige isolierte Sprache Europas, sie ist mit keiner anderen bekannten Sprache verwandt. Baskisch hat sechs Dialekte: vizcaíno, guipuzcoano, alto navarro, navarro oriental, suletino und navarro-labortano. Aktuell sprechen rund 750 000 Menschen Baskisch. Die Benutzung der Sprache war in der Geschichte mehrfach verboten. Francisco Franco versuchte, Spanisch in ganz Spanien durchzusetzen.
Estefana Beobide ist 1934 geboren, hat immer in Bilbao gewohnt und besuchte mit sieben Jahren die Schule, drei Jahre nach Beginn der Diktatur. Sie hat zu Hause immer Baskisch gesprochen und konnte kein Spanisch. "In der Schule hat mich die Lehrerin mit einem Lineal immer geschlagen, wenn ich kein Spanisch sprach", sagt die weißhaarige Frau melancholisch. "1966, als meine Tochter geboren wurde, musste ich sie Maria nennen, weil der baskische Name Miren verboten war." In den 40 Jahren des Franquismus wurde das Euskara dramatisch zurückgedrängt und in vielen Orten überhaupt nicht mehr gesprochen. Auch in Zeiten des Nichtverbotes hatte es einen schweren Stand, galt als unzivilisiert. "Ein häufig benutzter Satz gegen das Euskara war ,Sprich christlich!'", sagt Estefana Beobide. Mit "christlich" war Spanisch gemeint.
1968 stellte Euskaltzaindia, die baskische Sprachakademie, einen Vorschlag von einem gemeinsamen Schrift- und Sprachstandard vor, das Euskara Batua, geeintes Baskisch. Dieser basiert größtenteils auf den zentralen Dialekten des Baskischen. Das führte zu viel Kritik. Auf der einen Seite gab es Menschen, die dachten, dass Batua eine ausgedachte Sprache war, die bewirken würde, dass das "authentische" Baskisch - also die Dialekte - ausstürbe. Auf der anderen Seite unterstützten manche die Position, dass das Batua ja die Dialekte nicht ersetzen, sondern komplementieren soll. Das Überleben der Dialekte sei schließlich durch die Verdrängung durch das Spanische und Französische gefährdet und nicht durch eine gemeinsame baskische Schriftsprache.
Baskisch ist eine agglutinierende Sprache, grammatische Informationen werden durch das Anfügen von Affixen deutlich gemacht. Europäische agglutinierende Sprachen sind zum Beispiel das Türkische, das Ungarische und das Finnische. Das Baskische gilt im Allgemeinen auch als SOV-Sprache, hat also Subjekt - Objekt - Verb, im Gegensatz zum Deutschen, das meist als V2-Sprache mit Verbletztstellung klassifiziert wird, das heißt, die finite Verbform kommt im Hauptsatz an der zweiten Position. Aber in allen Sprachen können verschiedene Konstellationen auftreten, je nachdem um was für eine Satzform es sich handelt.
Im Baskischen gibt es außerdem kein grammatikalisches Geschlecht. Den Unterschied zwischen männlich und weiblich macht man, indem man verschiedene Worte verwendet. Im Baskischen gibt es zum Beispiel vier verschiedene Wörter für Bruder/Schwester, je nachdem ob es nun der Bruder oder die Schwester eines Jungen oder eines Mädchens ist: anaia, Bruder eines Jungen, arreba, Schwester eines Jungen, neba, Bruder eines Mädchens, und ahizpa, Schwester eines Mädchens.
Das Baskische hat 16 Fälle, die in Form von Suffixen an das Nomen oder ans letzte Element eines Nominal-Syntagmas angehängt werden. Das baskische Verb ist berüchtigt für seinen Formenreichtum und komplizierte Konjugation. Es gibt nicht nur die Person des Subjekts im Verb, sondern zusätzlich noch die Person des direkten und des indirekten Objekts und manchmal sogar noch das Geschlecht des Gesprächspartners. Es ist ein Universum für sich.
Nach der Diktatur sprachen viele von der Gefahr, Baskisch könnte aussterben. Deshalb begann die baskische Regierung auf zwei Wegen ihren Gebrauch im Alltag wieder anzukurbeln. Es gibt Sprachmodelle für die Schule, Eltern können wählen, ob und welche Fächer auf Spanisch oder Baskisch unterrichtet werden und was Verkehrssprache ist. Kostenpflichtige Erwachsenenschulen, Euskaltegis, wurden eingerichtet. Dort können Titel erworben werden, die zum Beispiel für eine Bewerbung im öffentlichen Dienst Voraussetzung sind. Jährlich werden etwa 1500 Bücher in baskischer Sprache geschrieben.