250 Kilo an der Wand

Ich bin mal 12 Meter vom Dach gefallen", erzählt Andreas Junglas, Deutschlands bester Ornament-Schieferdecker. Der in Mayen-Alzheim in der Eifel lebende 30-Jährige mit den kurzen, braunen Haaren beendete 2004 seine Dachdeckerlehre als Jahrgangsbester. Seit sieben Jahren ist er mit Leidenschaft als Dachdeckermeister tätig und hat sich auf Schiefereindeckungen spezialisiert. "Immer draußen an der frischen Luft zu sein und einfach ein Handwerk ausüben zu können, bei dem ich mit eigenen Händen etwas Bleibendes schaffen kann, das hat mich schon immer begeistert", schwärmt Junglas.

Schieferornamente werden zur Verzierung von Hauswänden, Dächern oder Innenräumen genutzt. Junglas hat eins seiner Kunstwerke, das 1,25 mal 1,80 Meter groß ist, an der Küchenwand hängen. Im benachbarten Kaisersesch ist sogar eine komplette Hausseite mit dieser Schiefereindecktechnik gestaltet. Junglas fertigt seine Werke nach den individuellen Wünschen seiner Kunden an.

Das vom Aussterben bedrohte alte Kunsthandwerk der Herstellung von Ornamenten aus Schiefer kann man nur noch in wenigen Lehrgängen erlernen. Dreimal hat der Meister an solchen Kursen teilgenommen. 2019 wurde er bei einem Wettbewerb im Rahmen eines solchen Lehrgangs in Köln zu Deutschlands bestem Ornament-Schieferdecker gekürt. Dazu kreierten die Teilnehmer ein selbstgewähltes Schieferornament. So ein Wettbewerb findet jährlich am Ende eines jeden Lehrgangs statt.

Junglas' Affinität zur Natur spiegelt sich in dem Ornament wider, mit dem er gewann. Das Motiv seines Beitrags, der neuseeländische Maori-Farn, dient als Erinnerung an Neuseeland. Seine Lebensgefährtin Kathi Schmitz, der er das Kunstwerk widmete, verbrachte ein Jahr in Neuseeland. "Das Ornament war mit das Anspruchsvollste, was ich bisher hergestellt habe. Es besteht aus acht bis zwölf Schichten Schiefer und wiegt 250 Kilogramm", erklärt er die eindrucksvolle Arbeit. Der Aufwand ist an den vielen filigranen Rundungen, den verschiedenen Formen und Farben zu erkennen. Die Materialien kommen aus unterschiedlichen Gegenden. "Der bunte Schiefer kommt meist aus England, der graue jedoch hier aus Mayen." Der Arbeitsaufwand betrug ungefähr 60 Stunden.

"In ganz Deutschland gibt es vielleicht noch vier, fünf andere, die dieses Kunsthandwerk so gut beherrschen wie ich", berichtet er stolz und fügt selbstbewusst hinzu: "Also mir kann in nächster Zeit eigentlich keiner den Rang des besten Ornament-Schieferdeckers Deutschlands wegnehmen. Mir liegt das Handwerk so gut, weil ich mein Hobby zum Beruf machen kann."

Die Situation ist dennoch nicht einfach, Junglas sagt realistisch: "Damit verdient man richtig viel, nur ist nicht jeder bereit, so viel zu zahlen. Durch die Qualität und Arbeitsdauer sind die Ornamente eben teuer, das ist das Problem. Ich hab in diesem Jahr circa 90 Stück verkauft und habe noch welche in Planung. Im Moment könnte es nicht besser laufen." Für Ornamente in der Größenordnung des Maori-Farns liegt der Preis zwischen 3000 und 3500 Euro.

 

Durch die immer geringer werdende Nachfrage scheint das Herstellen von Schieferkunstwerken aber immer unrentabler und damit das Erlernen dieser speziellen Technik immer unattraktiver zu werden. "Außer mir kann das hier in der Region leider keiner mehr. Mein größtes Projekt war eine Hauswand in Kaisersesch, da hab ich mit vier anderen Dachdeckern über einen Monat für gebraucht. Und das mit zehn Stunden Arbeit jeden Tag." Nach einem Sturz vom Dach musste er kurze Zeit pausieren, da er unter zwei Halswirbel-, fünf Brustwirbel- und zwei Lendenwirbelbrüchen litt. "Ansonsten ist bis jetzt alles gutgegangen. Ich wünsche mir, dass in Zukunft alles so weitergeht wie bisher. Das wäre mein größter Traum."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Lea Wend

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