Nachmittags in Peccia im Tessiner Maggiatal. Am steinigen Ufer des Flusses lodert Feuer in einem selbstgebauten Schmelzofen aus Stein mit einem Tiegel, gefüllt mit erhitzter, dickflüssiger Bronze. Nebenan brät das Essen auf dem Grill. "Packen wir den Behälter mal an!", sagt einer der Männer, der wegen der Hitze einen silbernen Feueranzug und einen gelben Schutzhelm mit Schutzbrille trägt. Die Arbeit ist anstrengend. Es braucht starke Arme, um den schweren Abgussbehälter mit geschmolzener Bronze zu tragen. Bronzeskulpturen zu gießen ist das Hobby von Thierry Burgherr aus Cham bei Zug. Für Bronzeskulpturen hat sich der Mann mit den braunen Augen schon mit 14 Jahren interessiert, als er in der Schule sein erstes Referat über das Thema Bildhauerei machen musste. "Die Bronzezeit in der Geschichte hat mich schon immer fasziniert."
Mit 15 Jahren war sein Idol der italienische Bildhauer Rembrandt Bugatti, auch bekannt als der jüngere Bruder des Automobilherstellers Ettore Bugatti. Daraufhin geriet das Thema einige Jahren in Vergessenheit. Burgherr reiste viel und hatte viele Aufträge im Ausland durch seine wechselvolle Berufskarriere vom Mechaniker zum professionellen Fotografen. Seine erste Ausbildung machte Burgherr als Automechaniker. Vor zwölf Jahren stieß er bei einer Freundin auf Bronzeskulpturen auf dem Kamin. Die Freundin hatte in einem Kurs gelernt, die Figuren selbst herzustellen. Daraufhin besuchte Burgherr ebenfalls Kurse und Weiterbildungen, von der Bildhauerei bis zum Metallgießen. "Ich entwickelte dadurch eine Leidenschaft. Die Grundlagen habe ich im Maggiatal im Tessin an der Scuola di Scultura in Peccia gelernt, wo ich über viele Jahre Workshops besucht habe." Die Bildhauerschule bietet ein großes Kursangebot, viel wird mit Marmor, Metall und anderen Werkstoffen gearbeitet. Thierry selbst gießt nach Lust und Laune Bronzeskulpturen. Dazu fährt er nach Peccia.
Einige wenige Figuren, in der Regel nicht über 15 Zentimeter groß, hat der 60-Jährige verkauft, einige ausgesuchte Stücke in der Familie und an enge Freunde verschenkt. Die meisten Werke stehen in seinem Atelier oder Lager. "Somit steht überall etwas Metall herum." Der Gießer probiert ständig neue Formen und Techniken aus und stößt immer wieder an neue Grenzen. "Vieles erlernte ich auch selbst, durch bloßes Ausprobieren. Die Erfahrung, die man dadurch bekommt, ist nützlich. Bronzegießen ist nicht gerade ungefährlich und eigentlich eher für Profis mit Erfahrung", meint der Besitzer eines Loft-Atelier-Studios. "Daher ist eine Schutzausrüstung Pflicht, für den Fall, dass etwas passieren würde, wenn ich die Bronze erhitze oder eingieße." Dies sollte man nicht allein machen, da der Abgussbehälter zum Eingießen der Bronze schwer zu halten ist und man dafür eine zweite Hand braucht. Daher arbeitet er meist mit Freunden, die ebenfalls erfahren sind.
Im ersten Schritt der Herstellung wird eine Form aus Wachs modelliert. Darauf erstellt man das Gegenstück des Modells mit Gips, das Negativmodell. "Der Gips muss danach gebrannt werden, damit er stabil bleibt, wenn die im Ofen auf mehr als 1000 Grad erhitzte Bronze reingegossen wird. Deshalb muss man auch beim Eingießen besondere Vorsicht walten lassen." Das Abgießen selbst erfolgt im Freien, denn im Atelier selbst wäre das wegen der Hitze zu gefährlich. Nach der Abkühlung, die meist etwa eine Stunde dauert, wird die Gipsform zerstört und die rohe Bronzestatue kommt hervor. Diese kann je nach Geschmack nachbearbeitet werden. "Ich bearbeite die gegossenen Figuren nur noch leicht, da ich sie mit der rauhen Oberfläche des frischen Gusses bevorzuge." Nicht alle seine Ideen funktionieren, öfters geht eine Figur kaputt.
Die Arbeit erfordert Fingerspitzengefühl. "Man muss viel herumspielen und ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann etwas realistisch ist und wo die Grenzen sind." Er benutzt oft den Guss mit Gipsmodellen, beliebt sind aber auch Gussverfahren mit Formen aus Ton oder Abgüsse im Ölsand. In der Industrie wird oft mit einem Spritzguss gearbeitet. "Es ist sehr schade, dass man nicht mehr nach den traditionellen Methoden gießt." Die traditionellen Gusstechniken sind eher für jene, die die Herstellung selbst faszinierend finden und sich nicht nur für die Skulptur interessieren. "Es gibt auch Kunstgießereien, bei denen man seine rohe Form zum Guss abgeben kann", erklärt Burgherr. "Mit den traditionellen Techniken braucht es oft bis zu eine Woche Zeit für die Herstellung von Bronzeskulpturen. Ich gieße oft Formen, die einem Menschen oder einem Tier ähneln. Dabei entstehen per Zufall immer wieder viele witzige Details, die ich selbst sehr bewundere." Es gibt immer wieder Abweichungen in der Farbe von einem dunklen, hellen, grünen bis hin zum glänzenden Gold. Burgherr führt in Cham bei Zug ein Studio als "Fine Art Photography" und macht etwa auf Anfrage hochwertige Porträts. So hat er täglich künstlerisch zu tun.