Fasching ist über die Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil des fränkischen Jahresablaufs geworden. Die meisten kennen die fünfte Jahreszeit von Kindesbeinen an. Als Ursprung des heutigen Faschings gelten heidnische Fruchtbarkeitsfeste. Man verkleidete sich und trug schaurige Masken, um mit Krach und Getöse den Winter zu vertreiben. Einige Bräuche wurden im Mittelalter von der christlichen Bevölkerung übernommen. Kalendarisch liegt Fasching direkt vor der christlichen Fastenzeit, in der die Menschen auf Fleisch und Alkohol verzichteten. Der ursprünglich germanische Brauch wurde mit den christlichen Traditionen vermischt und sollte nun die Fastenzeit einläuten. Darauf lässt sich auch das Wort Fasching zurückführen, das sich vom mittelhochdeutschen Wort "Vaschancg" herleitet und ursprünglich "Ausschenken des Fastentrankes" bedeutet. Mit Religion hat das bunte Treiben heute nicht mehr viel zu tun. Lediglich Hexen- und Teufelsmasken erinnern an die historische Entwicklung, schaurig-schöne Masken, die zu gruseligen Fratzen verzogen sind und die Zuschauer erschrecken. In Franken sind die bekanntesten Hexen unter ihnen die Allersberger Flecklashexen. Seit zwölf Jahren studieren sie eigene Tänze ein und treten in der Öffentlichkeit auf. In Franken, erklärt die gebürtige Erlabrunnerin Ines Procter, hätten sie eine besondere Stellung inne; sie treiben ihren Schabernack, wo so manch anderem Künstler die Hände oder gar der Mund "gebunden" seien. Der Faschingsverein Allersberg im fränkischen Seenland wurde besonders durch Auftritte in der Sendung "Fastnacht in Franken" des Bayerischen Rundfunks bekannt, wo sie vor allem durch ihre bunten Kostüme Aufmerksamkeit erregten. Diese sind historisch nachgefertigt und bestehen aus einer handgeschnitzten Hexenmaske und einem Kostüm, das überwiegend aus kleinen quadratischen Stofffetzen gemacht ist. Die Originale sind leider nicht mehr erhalten, da sie in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verlorengingen. Umso wichtiger war es für die Allersberger, eine historisch korrekte Kopie der alten Kostüme anzufertigen. Vor vier Jahren durften sie zum ersten Mal einen ihrer Tänze live vor einem Millionenpublikum aufführen. 2021 nehmen sie zum 29. Mal an der Kultsendung teil. Allein im vergangenen Jahr haben 3,81 Millionen Menschen die Sendung verfolgt. Fränkische und bayerische Politiker nutzen die Sendung, um die eigene Popularität zu steigern. Aber auch "Fastnacht in Franken" profitiert von der Aufmerksamkeit durch die Politik.
Was auf der Bühne so reibungslos funktioniert und mühelos aussieht, ist harte Arbeit. Das Motto lautet "vor der Saison ist nach der Saison", denn die Akteure arbeiten an der Rede und perfektionieren ihre Tänze über das ganze Jahr hinweg. Um aktuelle Themen aufgreifen zu können und der Rede Spritzigkeit verleihen zu können, ist es oft notwendig, in letzter Minute Änderungen vorzunehmen, bevor es auf die Bühne geht. Auch die Tänze sind eine sportliche Höchstleistung, was auf der Bühne elegant und anmutig aussieht, bedarf monatelangen Trainings. Jede Hebefigur, jeder Spagat muss perfekt sitzen. Deshalb trainieren die Tänzer normalerweise mehrmals die Woche das ganze Jahr über. Höchstleistungen erbringen müssen sie nicht nur an Fasching; sie treten auch außerhalb der fünften Jahreszeit in Tanzturnieren gegeneinander an. Die deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport zu gewinnen ist die höchste Auszeichnung, die eine Tanzgruppe erreichen kann. Hierbei wird zwischen Altersklassen, Marsch- und Schautanz unterschieden.
Doch auch so mancher Redner kommt ins Schwitzen, wenn er vor einem Millionenpublikum performt. Seine Leistung auf der Bühne in Veitshöchheim beeinflusst die weitere Karriere stark. Die Rednerin Ines Procter tritt seit sechs Jahren jährlich als "Putzfraa" in der Sendung auf. Die Gefühle, die sie vor und während ihres ersten Auftritts empfunden hat, schildert die 47-Jährige per E-Mail als "aufregend, spannend, einschüchternd, auch bedrückend und selbstzweiflerisch vor dem Auftritt, aber unsagbar glücklich, stolz und ein Stück weit erhaben nach der Show". Inzwischen ist Ines Procter ein fester Bestandteil der Kultsendung. Auf der Bühne performt sie die von ihr selbst geschriebenen Reden mit ihrer frechen Art und einer Leichtigkeit, die das Publikum in Staunen versetzen. "Die Kunst besteht darin, es leicht aussehen zu lassen. Tatsächlich ist enorm viel Arbeit damit verbunden. Die Herausforderung ist in jedem Fall, dass Kreativität nicht abrufbereit ist und man manchmal einen langen Atem braucht, bis einem etwas wirklich Gutes einfällt", erklärt die Rednerin. Vollends perfektioniert sei die Rede erst nach mehrmaligen Auftritten, da man dann merke, was gut ankomme und was eventuell gestrichen werden könne.
Die Fränkin hat sich 2020 als Stand-up-Comedian selbständig gemacht und möchte, soweit möglich, in diesem Jahr auf Tour gehen. Auf die Frage, ob der Erfolg der Fastnachtssendung dazu beigetragen habe, dass ihre Leidenschaft zum Beruf geworden sei, erklärt sie: "Der Erfolg hat dazu beigetragen, dass ich das nötige Selbstbewusstsein ob meiner Arbeit erlangte. Die Hürde aber, dann ein komplettes eigenes Programm darzubieten und somit auch unabhängig von der Fastnacht arbeiten zu können, war noch einmal eine neue Herausforderung, die einige Bedenkzeit und schlaflose Nächte mit sich brachte." Durch ihre regelmäßigen Fernsehauftritte sei eine breitere Öffentlichkeit auf sie aufmerksam geworden, so dass sie viele Anfragen erhielt. Ines Procter hat diesen Schritt gewagt, wenn sie auch von der Corona-Krise "komplett ausgebremst" wurde. Doch sie habe sich nicht unterkriegen lassen und neue Wege für ihre Solokarriere während der Pandemie gefunden, wie zum Beispiel ihren eigenen Youtube-Kanal.
Auch "Fastnacht in Franken" hat eine Alternative zur Live-Sendung gefunden. Die Show fand dieses Jahr ohne Publikum statt. Die Darbietungen der einzelnen Akteure wurden vorher aufgezeichnet, so dass man ein Live-Format umgehen kann. Für die Redner ist es zwar eine Herausforderung, ohne Publikum zu agieren, andererseits kann es aber auch einfacher sein, wenn er oder sie sich nur auf die Kamera konzentrieren muss. Für Ines Procter ist der Erfolg der Sendung in diesem Jahr gewiss. Gerade in dieser Zeit seien viele Zuschauer dankbar für etwas Ablenkung und ein Programm, das sie ihre Sorgen, Ängste und Nöte vergessen lasse. Es erwecke fast den Anschein von Normalität, wenn die Sendung wie gewohnt im Fernsehen laufe. Und das Wichtigste sei, sagt sie, dass wir in dieser Zeit unseren Humor nicht verlieren.