Als junges Ski-Talent tanzte er um die Stöcke auf internationalen Pisten, heute lässt er als international erfolgreicher Jazz-Musiker die Stöcke auf dem Schlagzeug tanzen. Wie Primoz Roglic, der vom Skispringer zum derzeit weltbesten Radsportler wurde, so musste Zan Tetickovic aus Verletzungsgründen erst den Sport verlassen, um eine andere Karriere zu starten. 1991 wurde Zan Tetickovic in Ptuj geboren. "Ich glaube, dass ich meine ersten Meter auf den Skiern stand, kurz nachdem ich Laufen gelernt hatte. Das ernsthafte Skifahren begann dann mit etwa sieben Jahren und dem Wunsch, das richtig zu können", sagt der Slowene. So schrieb er sich in eine Sportklasse des Gymnasiums Ptuj ein. Sein Trainingsplan war professionell: Gegen 5.15 Uhr aufstehen und eine erste Trainingseinheit absolvieren. Um 9 Uhr zum Unterricht. Je länger seine Karriere dauerte, umso weniger Tage war er in der Schule, sondern in der Schweiz, in Frankreich oder Österreich als Skifahrer.
Videochat mit Zan Tetickovic in der Bibliothek des Gymnasiums Ptuj. Ehemalige Lehrer von ihm kommen zufällig vorbei und unterhalten sich herzlich mit ihm. Zan freut sich, wieder in Kontakt zu sein. Seine Karriere als Skifahrer war auf einem erfolgreichen Weg, da stürzte er gegen Ende des vorletzten Schuljahres bei einem Rennen in Österreich schwer. Die Verletzungen waren schmerzhaft, die psychischen Folgen noch viel größer: "Ich habe mir überlegt, was ich eigentlich mit meinem Leben tun möchte. Will ich mich ständig dieser Gefahr aussetzen und vielleicht scheitern?" So gab er seinem Leben eine andere Richtung. Ganze Nachmittage und Abende übte er Klavier, nahm Unterricht. "Ich hatte großen Widerstand gegen das Üben." Ihn drängte es zum Schlagzeug, "doch das Schlagzeugspielen war damals unmöglich, weil wir in einem Mehrfamilienhaus lebten und ich die Nachbarn belästigt hätte". Als die Familie in ein eigenes Haus zog, ergriff er sofort die Gelegenheit. Er merkte, dass das Schlagzeugspiel etwas war, für das er bereit war, viel zu opfern. "Mit dem richtigen Instrument habe ich die Magie in der Musik gefunden. Danach war das Üben alles andere als ein Problem für mich."
Zan Tetickovic weiß, dass man außer Talent und Fleiß auch Glück braucht, um seine Ziele zu erreichen. "Es ist wichtig im Leben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein - das war auch bei dieser Entscheidung so." Vor elf Jahren traf er in Den Haag den legendären Bassisten Reggie Workman, einen der führenden Professoren der New York University. Der heute 83 Jahre alte Musiker "ermöglichte mir, eine Woche mit ihm in einem Workshop der International Schools of Jazz Association in New York zu verbringen". Das war der entscheidende Türöffner. "Auf Workmans Empfehlung hin bewarb ich mich um ein Vorspielen für ein Diplomstudium an der New School for Jazz and Contemporary Music in New York. Ich erhielt ein Stipendium und begann 2011 mit dem Studium." Die Familie ermutigte ihn, gab ihm nie das Gefühl, dass es für sie schwierig war, ihn ziehen zu lassen. Selbst ein Armbruch, den er sich beim Freizeit-Skifahren zuzog, hinderte ihn nicht. Mit einem eingegipsten Arm und drei Koffern ging er nach New York. Einen Monat später wurde der Gips entfernt, und Zan Tetickovic ließ von da an immer professioneller und erfolgreicher die Stöcke auf dem Schlagzeug tanzen.
Doch mit seinem slowenischen Namen, gesprochen: "Tetitschkowitsch", ist er in der Jazz-Szene zunächst ein Fremder. So muss ein Künstlername her, der leicht zu sprechen und zu merken ist. Aufgrund eines Wortspiels, Zan ist auf Französisch Jean, John die amerikanische Version, kommt es zum Namen "Jean John". Mit zunehmendem Erfolg hat er diesen Namen längst nicht mehr nötig. Heute, mit 29 Jahren, sieht er sich immer mehr als Komponist. Alle seine Werke entstehen auf ähnliche Weise: Zuerst ein langes Frühstück. Dann setzt er sich an einen Tisch, schaltet einen Timer ein und alle Geräte aus, "ähnlich wie früher beim Lernen." Meist verbringt er so vier bis fünf Stunden, dann isst er zu Mittag, wenn er noch Energie hat, probt er noch zwei bis drei Stunden. "Schreiben", sagt der Komponist, "kann sehr einfach sein. Die Inspiration kommt oft an unkonventionellen Orten, dann versuche ich, die Idee so schnell wie möglich am Telefon aufzuzeichnen." Mit dieser Methode hat er Preise gewonnen. Er ist dreimaliger Gewinner des ASCAP Young Jazz Composers Award und erhielt den internationalen Preis für die beste originale Jazzkomposition und unter anderem den Publikumspreis "Jazzon Audience Award 2012" für die beste Aufführung einer eigenen Komposition. Seine Frau lernte er 2017 in New York City kennen, sie beschäftigt sich mit Mode. Gemeinsam reisen sie um die Welt, leben in Barcelona, wo er einen Master-Abschluss in Schlagzeug anstrebt. Sport bedeutet ihm immer noch viel, aber Musik ist sein Leben. Ein weiterer Master-Abschluss in klassischer Komposition steht an, doch es ist nicht sicher, dass er das amerikanische Konservatorium besuchen kann. Die Pandemie wirkt sich auf seine Karriere aus, Konzerte werden abgesagt. "Vielleicht könnte ich auch als Professor für Musik an einer Universität arbeiten. Vielleicht sogar in Slowenien", sagt er fröhlich zum Abschied.