Stolz und Zuversicht

Im Eingang des Gebäudekomplexes in Oldenburg hallt jeder Schritt nach. In der ehemaligen, auch von den Nationalsozialisten genutzten Kaserne befindet sich heute das Studentenwerk. Studierende aus aller Welt bietet es für einige Semester eine Unterkunft. So auch Ammar Haider Khan aus Pakistan und Kumarahgiri Arunakiri aus Malaysia. "Meine Eltern wollten mich schon immer aus Malaysia raushaben", sagt der 20-jährige Arunakiri heiter. "Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Malaysia ist ein schöner Ort zum Leben, jedoch nicht für die Ausbildung oder Karriere." Das unbeständige Bildungssystem war für die Familie ein Problem. Die akademische Sprache wurde allein in Arunakiris Schulzeit zweimal geändert: Bis zur sechsten Klasse wurde er in Englisch unterrichtet, ab der siebten auf Malaiisch, einige Jahre später war es wieder Englisch. Die Eltern ließen ihn zu Hause von privaten Lehrern unterrichtet.

Mit 17 Jahren kam der Sohn eines Buchhalters und einer Bankkauffrau aus der Hauptstadt Kuala Lumpur nach Deutschland. Das war sein großer Traum: Schon als Siebenjähriger bat er um ein Deutschbuch. Er wollte hier Ingenieurwesen studieren. Jetzt studiert er Engineering Physics mit den Schwerpunkten Lasertechnik und erneuerbare Energien, so wie sein Mitbewohner und inzwischen guter Freund Ammar Haider Khan.

Khans Weg nach Deutschland war nicht so entschlossen. "Ich wollte in die Fußstapfen meines Bruders treten", erzählt der 22-Jährige und kratzt sich nachdenklich am bärtigen Kinn. Sein Bruder Ali begann vor vier Jahren sein Studium in Australien, das von ihrem Vater, einem Wirtschaftsprüfer auf Regierungsebene, finanziert wird. Khan jedoch wollte sich sein Studium selbständig finanzieren, das wäre in Australien nicht möglich gewesen. Er suchte nach Alternativen und belegte vor drei Jahren ein Deutschprogramm an seiner Schule in Islamabad. Man werde viel höher angesehen in Asien, wenn man auf Deutsch studiert hat, und allgemein, wenn man die Ausbildung im Ausland abgeschlossen hat, sind sich die Freunde einig. Sie blicken mit Vorfreude in ihre Zukunft. Ihr Plan ist es, als Ingenieure in der Heimat zu arbeiten und mit schönen Erinnerungen an ihre Zeit hier zurückzudenken.

Während der Duft des Hähnchencurrys, das auf dem Herd köchelt, den Gemeinschaftsraum erfüllt, erinnert sich Arunakiri an die ersten Monate hier. Allein konnte er sich um nahezu nichts kümmern. Mietverträge, Bankkonten, Unterlagen: Überall brauchte der damals Minderjährige die Unterschrift seiner Eltern. Hinzu kam die Sprachbarriere.

Beide berichten, dass sie schnell viel Verantwortung für sich selbst übernehmen mussten. Neben den jährlichen Besuchen in ihrer Heimat telefonieren sie fast täglich mit ihren Familien; Heimweh bleibt in so weiter Ferne nicht aus. Für Khan war der Umzug eine große Herausforderung. Seine Familie hat eine Haushaltshilfe. Jetzt ist er stolz darauf, dass ihm insbesondere das Kochen gut gelingt. Aufgrund von asiatischen Supermärkten und vielen gastfreundlichen Deutschen fühlen sich für Khan die gut 5000 Kilometer nach Pakistan und für Arunakiri die fast 11 000 Kilometer nach Malaysia gar nicht mehr so weit an. Sie fanden ein Stückchen Heimat mitten im europäischen Deutschland.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Ricarda Mehrtens

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