Mit doppeltem Einsatz

Das Medizinstudium gilt als einer der härtesten und längsten Studiengänge Deutschlands. Trotzdem träumen viele Jugendliche davon, Menschenleben zu retten und selbst ein gutes Leben zu führen. Einer, der die ersten Hürden auf diesem steinigen Weg gemeistert hat, ist der 18-jährige Abiturient Niklas Schuch aus Sachsen. Im Gegensatz zu vielen anderen war es nicht Niklas' Kindheitstraum, einmal Arzt zu werden. Er verfolgte viele Jahre leidenschaftlich die Profi-Torwart-Karriere und nahm dafür viele Hürden in Kauf. Das beinhaltete neben dem Besuch eines Sportinternats in seiner Heimatstadt Thum auch den Umzug nach Karlsruhe. Dort lebte er seit seinem 16. Lebensjahr fern von seiner Familie und seinen Freunden und arbeitete neben seiner schulischen Karriere hart für den Fußball.

Für Niklas bedeutete es, schon früh seinen Tagesablauf eigenständig zu organisieren. Dazu zählten schon im jungen Alter, seine Wohnung in Ordnung zu halten, Wäsche zu waschen, einkaufen zu gehen und mit seinem Geld auszukommen. Bei Niklas führte es dazu, dass er schnell erwachsen und selbständig wurde, trotzdem bereute er diesen Schritt nie. Neben seiner Fußballkarriere wuchs sein Interesse an medizinischen Berufen. Nach seinem Abitur entschied er sich für die Medizin: "Ich könnte jetzt noch ein Jahr weiter Fußball spielen und auf einen Profi-Vertrag hoffen oder aber das Medizinstudium beginnen." Inspiriert und unterstützt wurde er bei seinem Entschluss von seinem Umfeld. "Die Eltern meiner Freundin sind beide Ärzte, dadurch konnte ich schon das ein oder andere mitnehmen."

Voraussetzung sind ein sehr gutes Abitur und im Rahmen des Bewerbungsprozesses auch der Test für medizinische Studiengänge. Dieser ist ein Test, auch TMS-Test genannt, der die Studierfähigkeit der Bewerber rund um ihr Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen prüft. An diesem Test kann man nur einmal teilnehmen. "Der Test ist noch an vielen Universitäten freiwillig und kann einem demnach nur Pluspunkte einbringen, man kann also nichts verlieren", sagt Niklas jetzt entspannt. Ganz so locker ging er jedoch nicht daran. Vier Monate bereitete er sich intensiv darauf vor: "Ich habe versucht die Testbedingungen selber zu schaffen und dann immer wieder Probeübungen gemacht." Auch hier spiegelt sich der Ehrgeiz in seinen Augen, und ein wenig Verärgerung ist spürbar, als er sagt, er sei mit einem schlechten Gefühl aus der Prüfung gegangen.

Danach wartete Niklas gespannt wochenlang auf eine Rückmeldung seiner Bewerbungen. Das Covid-19-Virus trug dazu bei, dass sich die Auswahlprozesse zusätzlich verzögerten. So warteten Niklas und seine Familie rund vier Monate vergebens auf eine Rückmeldung. Ganz hatte Niklas die Hoffnung zwar noch nicht aufgegeben, kümmerte sich aber dennoch um eine sinnvolle Überbrückung eines möglichen Wartesemesters. Entschlossen, seinem Ziel näher zu kommen, trat Niklas ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Notaufnahme an. Nur einige Tage später kam die Mail: Er hat eine Zusage für einen Studienplatz an der Universität Würzburg erhalten.

Die Freude wurde umso größer, als feststand, dass er in Richtung Zahnmedizin gehen würde. Hier begeistert ihn besonders der handwerkliche Aspekt: "Ich hab schon immer gerne mein handwerkliches Geschick auf die Probe gestellt und freue mich darauf, mich auch lange mit einer Sache zu beschäftigen, um zum Beispiel eine Zahnprothese wirklich perfekt für den Patienten zu fertigen."

Voller Enthusiasmus bereitet er sich nun auf den Umzug nach Würzburg vor und sucht bisher vergebens nach einer Wohnung. "Die ersten Wochen werde ich wohl in einem kleinen Hotelzimmer unterkommen müssen." Alles in allem geht er optimistisch an das Studium heran und blickt gespannt auf die zukünftigen Jahre. Den Fußball hat er nicht so ganz aufgegeben und spielt auch weiterhin vertraglich in seiner neuen Heimatstadt: "Andere arbeiten in einem Nebenjob und räumen Regale ein und aus, ich spiele eben Fußball. Wer dabei mehr Spaß haben wird, brauche ich wohl nicht zu erklären, und verdienen tun wir das Gleiche."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Lea Wiesner

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