Ich habe es niemandem gesagt", erklärt der Architekt und Handball-Profi António Ventura, ein 1,90 Meter großer Mann aus Leça da Palmeira bei Porto. Er ist 29 Jahre alt und erzählt mit Begeisterung, wie er bis zum heutigen Tag zwei Leben nebeneinander führt. Sein Handballtraum ging los, als er fünf Jahre alt war, in einem kleinen Verein namens Cal. Als Kind spielte er immer besser, was schnell den FC Porto aufmerksam machte und zu einem Platz im größten Verein im Norden Portugals führte. Ab diesem Punkt ging es nur nach oben bis zur Nationalmannschaft und der Europäischen Handball-Meisterschaft mit erst 18 Jahren. "Meine Eltern haben immer zugeschaut, wenn ich gespielt habe." Als zweites Kind eines Schlossers wuchs António Ventura in einer Familie ohne große Möglichkeiten auf, die trotzdem alles für den Erfolg des jungen Sportlers gemacht hat.
Der Junge hatte aber etwas anderes vor, als Handballspieler zu werden: Er wollte Architektur studieren, um eine bessere Zukunft mitzugestalten. Ventura wollte allerdings weiter spielen und beschloss, niemandem von seiner Handball-Karriere zu erzählen, was nicht immer leicht war. So konnte er nicht seinen High-Performance-Status, der normalerweise für den direkten Zugang zur Uni und für Privilegien im Studium sorgt, nutzen. Ein Gleichgewicht zwischen beiden Welten herzustellen fiel ihm nicht leicht. Unter anderem musste Ventura auf einen großen Teils seines Soziallebens verzichten, um seinen doppelten Traum zu verwirklichen. "Manchmal bin ich einfach im Bus auf dem Weg zum Spiel eingeschlafen." Er zitiert das portugiesische Sprichwort, das ungefähr "Wer aus Vergnügen rennt, wird nicht müde" lautet.
Außer für den FC Porto spielte er auch bei Águas Santas und ABC Braga, zwei der besten portugiesischen Handballvereine. Mit traurigem Gesichtsausdruck sagt er, dass er am höchsten Punkt seiner Karriere nicht mehr als 1000 Euro mit dem Handball verdient hat und dass er jetzt ungefähr 500 Euro verdient. "Daher der Hochschulabschluss. Manche meiner ehemaligen Teamkollegen bekommen ein Gehalt so niedrig wie 200 Euro." Mit diesem Werdegang ist er kein Einzelfall. "Ich kenne mindestens drei Spieler in den besten Vereinen, die Ärzte sind", sagt er. Handball sei das Beste, um sich von den Alltagssorgen abzulenken. Der Architekt erkennt positive Auswirkungen auf seine Problemlösungs- und Teamfähigkeit wie auf den intensiveren Genuss seiner Freizeit. Er sagt aber auch, dass er vieles anders machen würde, wenn er die Vergangenheit ändern könnte. "Als ich im zweiten Jahr der Uni war, dachte ich, dass mein Studium wichtiger sei als der Handball. Ich lehnte ein Angebot in FC Porto wie auch zu den Qualifikationsspielen für die Weltmeisterschaft ab." Jetzt sagt Ventura, er hätte sein Studium lieber drei oder vier Jahre später abschließen und dafür versuchen sollen, in der Welt des Handballs weiterzukommen.
In der Freizeit geht Ventura oft Speerfischen. Für ihn ist es unmöglich, sich auf dem Sofa vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips vorzustellen. Die doppelte Herausforderung belastet aber sein Sozialleben. Oft muss er Einladungen von Freunden oder der Familie ablehnen, was ihm schwerfällt. "Meine Ex-Freundin meinte, ich hätte keine Zeit für sie. Und sie hatte recht." Er hält Kontakt nur mit zwei, drei engen Freunden aus der Uni. Er spricht ungern über den negativen Einfluss, den ein anstrengender Tag im Büro oder ein verlorenes Spiel auf ihn haben können. Solche negativen Ereignisse gingen von einer Welt in die andere mit. "Manchmal glaube ich, meinen eigenen Charakter verloren zu haben", behauptet Ventura, wenn er über den Unterschied zwischen den beiden Aktivitäten erzählt, von den Gesprächen im Umkleideraum oder am Schreibtisch. Während er sich selbst als einen sorgfältigen Architekten, der gerne in Ruhe arbeitet, sieht, lässt er seine Aggressivität auf dem Platz los. "Ich kenne manche Regeln im Handball gar nicht. Ich mache nur, was mir der Coach sagt, alles andere kommt von selbst."
Während der Spieler in der Architekturwelt das Geheimnis jahrelang gehütet hat, aus Angst, er könnte benachteiligt werden, spürte er die Vorurteile der anderen Seite. Seine Teamkollegen und Trainer hatten manchmal den Eindruck, dass er sich aufgrund des Studiums nicht genügend um den Handball kümmere, was er als unwahr bezeichnet. Für die Zukunft macht sich Ventura einige Gedanken. "Ich will in drei oder vier Jahren Schluss mit dem Handball machen und würde gerne mein eigenes Architekturbüro haben." Trotz allem ist Ventura auf seinen Lebenslauf stolz. "Für die Architektur bin ich António, und im Handball bin ich Ventura."