Politik ist ihr Hobby

Ich bin keine Quotenfrau." Auf diese Feststellung legt Carina Hermann Wert. Und diese Tatsache dürfte sich sowohl auf ihren Beruf als auch auf ihre politische Arbeit beziehen. Die 36-Jährige arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Niedersächsischen Justizministerium in Hannover und ist "Beauftragte für den Haushalt" und damit verantwortlich für die Finanzierung der Arbeit von Gerichten, Staatsanwaltschaften und Justizvollzugsanstalten in Niedersachsen. Aber auch bei der Ausübung ihres "Hobbys" gibt sich die selbstbewusste Frau nicht mit Nebenrollen ab. Carina Hermann ist seit Sommer Vorsitzende der CDU in Göttingen.

Dort studiert jeder vierte Einwohner an der Universität. In diesem Umfeld hat die CDU als Partei einen eher schweren Stand. Hier lebt Carina Hermann mit ihrem Mann, einem Unternehmer. Nach dem Studium wurde sie Richterin am Amtsgericht. 2018 erreichte sie der Ruf der niedersächsischen Justizministerin Barbara Havliza, die Hermann als persönliche Referentin nach Hannover holte. Zusätzlich engagierte sich Carina Hermann in ihrer Freizeit in der Politik. Ihr Interesse daran kam schon während ihrer Schulzeit auf, sie gehört seit 2016 der Ratsfraktion in Göttingen an.

Als Vorsitzende hat sie die Verantwortung für alle inhaltlichen und organisatorischen Aspekte der Aktivitäten des Stadtverbandes: Hermann repräsentiert die Union bei Veranstaltungen, sie bereitet Entscheidungen vor, entwickelt Schwerpunkte der örtlichen Parteiarbeit. Überregional nimmt sie an Kreisverbands- und Bezirksverbandsversammlungen teil. Auf die Frage, ob die Kombination von Ehrenamt und Berufstätigkeit nicht viel Arbeit bedeute, räumt sie ein: "Das ist total viel, das kann man nicht anders sagen. Aber die Politik ist mein Hobby geworden und im Moment mein Haupthobby." Man lerne dabei viel über Menschen und die Zusammenhänge in der Stadt Göttingen. Deshalb nehme sie gerne den Verlust von Freizeit in Kauf.

2019 betrug der Anteil der Frauen im Bundestag 31,3 Prozent. In der CDU ist der Frauenanteil noch niedriger. Von den 246 Abgeordneten sind nur 51 Frauen. In der CDU in Göttingen seien von 416 Mitgliedern 107 Frauen. Trotzdem liegt der Frauenanteil im Vorstand nach Carina Hermanns Angaben bei 44 Prozent. "Es ist wichtig, dass die Frauen besser repräsentiert werden." Dennoch ist sie keine Verfechterin einer Zwangsquote oder eines Paritätsgesetzes. Einerseits sei eine Frauenquote in der Politik verfassungsrechtlich schwierig. Zudem sei die Quote ungerecht für Männer, die sich jahrelang engagiert haben und dann nicht aufgestellt werden, nur weil eine Frau gebraucht wird. Allerdings drückt Hermann klar aus, dass sie sich vor allem im Bundestag mehr Frauen in der Union wünscht. Auf der kommunalen Ebene sähe sie gern andere Formate, moderne Parteiarbeit. Zum Beispiel könnten Meetings über Videokonferenzen abgehalten werden, so dass auch Frauen, die Kinder haben, nicht ins Rathaus vor Ort fahren müssen. Besonders wichtig ist es Hermann dabei, dass Frauen für den gleichen Beruf gleich bezahlt werden. Sie deutet an, dass die Männer in der Partei langsam, aber sicher erkennen, dass Frauen Qualitäten besitzen, die sie nicht haben. "Frauen sind oft kommunikativer, empathischer und können sich ganz anders in Dinge einfühlen." Diese Fähigkeiten könnten Frauen besonders gut in Teams einbringen, weil das ganz andere Dynamiken hervorbringe.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Hannah Matusche

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