Slowenien befindet sich Ende Januar seit drei Monaten in einem zweiten harten Lockdown. Viele arbeiten überwiegend von zu Hause aus, so auch Natalie Kauther und Adrian Pollmann. Am frühen Abend sitzen beide entspannt vor dem Computer. Allerdings trägt Pollmann Hemd, Krawatte, dunkles Jackett und Kauther ein modisches schwarzes Kleid. Es ist ihre Berufskleidung, denn beide sind seit August 2020 abwechselnd die deutschen Botschafter in Slowenien. Adrian Pollmann bis zum 1. April, anschließend seine Frau.
Beide wirken wie ein eingespieltes Team, das sich wie selbstverständlich die Bälle zuwirft. Adrian Pollmann wurde in Frankfurt am Main geboren, Natalie Kauther in Dortmund. Ihr gemeinsamer Lebens- und Berufsweg beginnt 2005 in der Diplomatenschule des Auswärtigen Amtes, damals noch in Bonn. Denn dort hätten die beiden Juristen nicht nur eine Art Schuljahr, mit intensiven Sprachkursen, Fächern wie Politik, Geschichte, Jura, Wirtschaft, besucht, sagt die 46-jährige Diplomatin. "Man lernt dort vor allem auch tolle Kollegen und Kolleginnen kennen und manchmal auch seinen zukünftigen Ehemann oder seine zukünftige Ehefrau."
Mittlerweile hat das Paar drei Kinder, acht, neun und elf Jahre alt. Der 44 Jahre alte Botschafter berichtet, dass er und seine Frau in den vergangenen Jahren "zwar sehr, sehr spannende Jobs hatten, aber auch einfach sehr viel von dem verpassten, was die Kinder gerade erleben". Natalie Kauther ist als Referatsleiterin für Europapolitik, Beziehungen zu den Ländern Europas und des Kaukasus im Bundespräsidialamt zuletzt oft auf Auslandsreisen mit Bundespräsident Steinmeier unterwegs gewesen: "Die Kinder haben sich beschwert, dass sie uns kaum noch sehen. Und da haben wir gemerkt, dass wir was ändern müssen, solange sie noch in dem Alter sind, in dem sie auch Lust haben, mit uns Zeit zu verbringen. So begann dann die Diskussion." Dabei hätten sie das große Glück gehabt, dass das Auswärtige Amt im Rahmen seiner Möglichkeiten Rücksicht auf solche Situationen nimmt und auf ihren Vorschlag, "dass wir uns Posten teilen wollten, sofort eingegangen ist". In Bosnien und Hercegovina waren beide von 2013 bis 2016 schon abwechselnd als stellvertretende Leiter der deutschen Botschaft tätig, ein Modell, das zum Beispiel auch an der deutschen Botschaft in Stockholm und an der Spitze des Generalkonsulats Montreal praktiziert wird.
Dadurch gibt es jetzt zwar mehr Zeit mit den Kindern, aber, "die Arbeit kommt natürlich schon mit nach Hause, weil wir natürlich auch dienstliche Fragen miteinander besprechen müssen", berichtet der Botschafter. "Die Kinder finden das aber total nervig, wenn wir die ganze Zeit über den Beruf reden. Auch das ständige beruflich bedingte Umziehen von Land zu Land und das Abschiednehmen von Freunden und Verwandten ist für sie so furchtbar, dass sie sich zurzeit nicht vorstellen können, das auch selbst mal beruflich zu machen." Und doch hat das Leben für Diplomatenkinder seine guten Seiten, meinen die Eltern, denn zwangsläufig profitieren sie davon, verschiedene Länder und Kulturen intensiv kennenzulernen. Das seien Werte, die sie vermitteln möchten: "Offenheit, Neugier, Unvoreingenommenheit gegenüber anderen. Wir glauben, dass uns das ganz gut gelingt."
In der beruflichen Praxis ist das für das Botschafterpaar aber derzeit nicht einfach. "Corona hat uns ausgebremst", erklärt Pollmann, "denn wir hatten uns den Start hier natürlich schon anders vorgestellt. Das Wichtigste sind die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, unser Team an der Botschaft und natürlich vor allem die Menschen, die wir in allen Regionen Sloweniens treffen wollten, um das Land besser zu verstehen. Das ist jetzt gerade nicht möglich." Arbeitstreffen werden online durchgeführt. Das mache die Arbeit nicht einfacher: "Denn als Botschafter sind wir so eine Art Sensorium für die Bundesregierung. Und das in beide Richtungen, also wir versuchen unser Gastland, Slowenien in diesem Fall, in Berlin zu erklären, und wir vermitteln gleichzeitig auch hier vor Ort die Position Deutschlands und werben dafür." Dabei gebe es zwischen Deutschland und Slowenien mehr, "was uns verbindet, als uns trennt. Beides sind spannende, innovative Länder, haben enge wirtschaftliche Beziehungen. Deutschland ist der größte Handelspartner Sloweniens, viele Studenten aus Slowenien kommen gerne zum Studium nach Deutschland und immer mehr auch aus Deutschland mit Erasmus nach Slowenien. Deutsch ist nach Englisch die beliebteste Fremdsprache hier im Land." Der Botschafter hat das Gefühl, "dass auch die Mentalität in vielerlei Hinsicht recht ähnlich ist. Beide Länder haben eine wunderbare Natur, in die die Menschen rausgehen, auch um Sport zu treiben, was mir besonders gut gefällt, obwohl ich gerade keine Möglichkeit dazu habe."
Natalie Kauther ergänzt, dass sie sich den Start in Slowenien auch persönlich ganz anders vorgestellt hatten. "Wir müssen als Diplomaten zwar dorthin gehen, wohin uns das Auswärtige Amt schickt. Aber Slowenien ist unser Wunschland, unser Herzensland gewesen. Jetzt sind wir also in Ljubljana, dieser wunderschönen Stadt, sind in diesem wunderbaren Land, aber können es nicht bereisen. Zum Glück hatten wir im August und September aber noch zwei Monate, wo wir uns in der Freizeit ein bisschen was angucken konnten, Piran, Bled, Bohinj, Lasko, die Velika planina und das Vipava-Tal."
Und gerade während des Lockdowns sei es ein großes Glück, "dass wir drei Kinder haben. Sie vermissen zwar ihre Freunde, sind aber nie allein, können miteinander spielen, sich auch gegenseitig trösten, wenn ein akuter Anfall von Heimweh nach Deutschland oder nach den Freunden und der Familie herrscht."
Am 1. April hat Natalie Kauther den Posten übernommen. Sie weiß, wie sie schmunzelnd verrät, "dass dann zumindest einer von uns etwas wehmütig sein wird, weil er nicht mehr Botschafter ist". Sie freue sich auf die neue Aufgabe. "Ich habe immer das Glück gehabt, dass ich Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen hatte, die mich gefördert haben, die mir sehr viel zugetraut haben. Und ich habe mit Kolleginnen und Kollegen außerhalb und innerhalb des Auswärtigen Amtes immer sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Ich weiß aber auch von vielen anderen Frauen in meinem Berufsfeld, dass sie nicht immer als gleichwertige Gesprächspartnerin wahrgenommen wurden und Männer alle mit dem Rücken zu ihnen standen. Oder dass Frauen auch tatsächlich mehr für die Anerkennung ihrer Beiträge kämpfen müssen. Oder dass sie im Alltag auch subtile oder manchmal sogar ganz offene Herabsetzungen erleben."
Adrian Pollmann möchte möglichst viel Zeit in der Natur verbringen, auch mit dem Hund. Vor allem aber freut er sich darauf, dass er sich noch mehr um die Kinder kümmern kann. Denn er wisse zwar nicht, ob die drei Kinder lieber Hotel Mama oder Hotel Papa hätten, aber Natalie Kauther erklärt zwinkernd: "Ich würde natürlich gerne sagen, am Ende brauchen sie doch die Mama, aber ich muss gestehen, ich habe das Gefühl, die kommen mit uns beiden sehr, sehr gut klar."