Ich habe Angst, dass die Clubkultur nach Corona ausstirbt", sagt Anna Metschulat, die die 13. Klasse der Waldschule Schwanewede besucht. Seit dem 18. März vergangenen Jahres wollte sie eigentlich ihren 18. Geburtstag feiern. Das Feiern fällt wahrscheinlich komplett aus, da inzwischen die dritte Welle der Pandemie begonnen hat. Seitdem scheint das Leben wieder stillzustehen. An Party ist nun nicht mehr zu denken. Annas Stimmung ist gedrückt. Das Interview kann nur digital stattfinden. Man darf seine Freunde nicht treffen.
Der Besuch ihrer Lieblingsdiskotheken ist nicht mehr möglich. Einige mussten ihre Türen für immer schließen, wie auch das "Pam Pam" in Hagen im Bremischen, seit Jahrzehnten ein Treffpunkt für viele Jugendliche in Schwanewede. Für Anna war das "Pam Pam" die einzige Möglichkeit, in ihrer Nähe in einem Club zu feiern, da es auf dem Dorf sonst keine Diskotheken mehr gibt. Die Diskothek stand schon vor Corona finanziell auf der Kippe. Die endgültige Schließung hat schwere Auswirkungen auf die Jugend von Anna und ihren Freunden. "Man hat so viel geplant mit seinen Freunden, und nichts konnte stattfinden", sagt sie enttäuscht.
Auch Amelie Horstmann, ebenfalls Schülerin der Waldschule Schwanewede, hätte mit solch starken Folgen nicht gerechnet. Die 19-Jährige hätte gerne vorher gewusst, dass alles so vergänglich ist. Sie hätte "das Pam gerne mehr genutzt und mehr Zeit mit Freunden dort verbracht". Ihre Jugendzeit sei durch Corona stark beeinträchtigt, es sei kaum möglich, Alternativen zum Feiern im Club zu finden. Hauspartys seien nichts Besonderes und ohnehin untersagt. Das Treffen mit nur einer Person aus einem anderen Haushalt empfindet Amelie als bedrückend. Im Club konnte man einfach viel besser abschalten und die Zeit dort genießen, sagt sie.
Anna dagegen sieht die Hausparty schon als eine gute Alternative, da sie so trotzdem ihre Freunde sehen kann. Auch die Bars in Bremen waren für sie und ihre Freunde vor Corona in Ordnung, auch wenn es "mega teuer ist" und sie dort deshalb höchstens einmal im Monat etwas trinken konnte. Somit ist das Feiern mittlerweile zu einer Schwierigkeit geworden, an die vor einem Jahr niemand gedacht hätte. Viele Jugendliche konnten sich durch das Feiern selbst finden, neue Kontakte knüpfen und an die eigenen Grenzen kommen. Das ist nun wohl erst mal Vergangenheit. Die Studie "Unter welchen Corona-Einschränkungen Jugendliche besonders leiden" von der TUI Stiftung und Yougov bestätigt den Verlust, den Jugendliche durch die Pandemie erleiden. 29 Prozent der Befragten vermissen die Party, und sogar 42 Prozent vermissen den sozialen Kontakt zu anderen. Die Stimmung der Jugendlichen wird schlechter, und die Sehnsucht nach der Party-Zeit vor Corona steigt. Wenn die Clubs also eines Tages wieder aufmachen sollten, lernen Menschen das Feiern wieder mehr wertzuschätzen und werden die Zeit viel mehr genießen, meint Amelie.
Auf die Frage, wie sich die Clubs in Zukunft so verändern könnten, dass viele sicher dort feiern können, haben beide Schülerinnen dieselbe Antwort: ein eigener Tanzbereich, Masken und Abstand. Wie das funktionieren soll, das weiß allerdings keine von ihnen ganz genau, da die ausgeatmete Luft sich verteilt und das Ansteckungsrisiko erhöht. Es scheint, als müssten alle die Pandemie abwarten und schauen, was passiert.