Viele Tiere sind anfangs traumatisiert

Für eine Zukunft, in der die Umwelt und alle Lebewesen geschätzt, respektiert und geschützt werden" lautet das Motto der Quinta das Águias. Auf fünf Hektar bietet sie mehr als 150 Tieren und rund 500 Pflanzenarten in der Region von Minho im äußersten Norden Portugals ein Zuhause. Joep Ingen Housz, ein 73-jähriger Holländer, dessen Kindheit vom Hunger der Nachkriegsjahre geprägt wurde, und Ivone Ingen Housz, eine 64-jährigen Portugiesin, die als Kind die Arbeit ihres Vaters als Apotheker und seinen Umgang mit Pflanzen für pharmazeutische Zwecke erlebt hat, suchten nach einigen Monaten des Zusammenlebens in ganz Portugal nach einem naturnahen Ort, bis sie das verlassene Grundstück im Dörfchen Rubiães nahe Paredes de Coura kauften. Seit 2007 sind die Türen ihres Hauses für Gäste wie in einem Hotel geöffnet.

Tochter Maria hatte inzwischen die Organisation Animais de Rua, Tiere der Straße, gegründet, die dafür sorgt, dass Katzen und Hunde aufgenommen und kastriert werden. Viele dieser Tiere wurden auf den Hof gebracht. Heute leben dort mehr als 60 Katzen, die kein Zuhause hatten oder in winzigen Stadt-Apartments gehalten wurden. Es gibt Pfaue, Meerschweinchen, Kaninchen, Schafe, Pferde, Schweine, Hunde, Enten, Gänse, Truthähne, Schildkröten, Hühner und Wachteln. Sie alle wurden vor dem Schlachten, vor Misshandlungen oder dem Ausgesetztwerden gerettet.

Schafbock Zacarias ist das imposanteste Tier und berühmt für sein Talent, Türen zu öffnen. Er wurde kurz nach seiner Geburt von seiner Mutter getrennt. Etwas, was oft in der Viehhaltung passiert, was Joep als "unverantwortlich und gefährlich" bezeichnet. Der Neugeborene wurde in einer Tombola als Preis verschenkt. Aus Mitleid wollte der Gewinner das Lamm nicht schlachten lassen und übergab es der Quinta. Es war krank und konnte nicht in die Herde. So wuchs es im Haus auf, so wie die Hunde und Katzen, und wurde mit pflanzlichen Medikamenten geheilt. Zacarias läuft gerne mit den Gästen herum, keiner kann seinem Charme und seiner Neugier widerstehen. Trotzdem empfiehlt Joep allen Gästen, die Türen mit dem Schlüssel zu schließen.

Es gibt viele solcher Geschichten: Bolota, mit elf Jahren vielleicht die älteste Sau Portugals, war in ihren ersten Jahren Teil einer portugiesischen TV-Serie. Artax und Silver, die eleganten Schimmel, durften ihre enge dunkle Box meist nur für Pferderennen verlassen. Zwei Truthähne wurden vor Weihnachten von Aktivisten vor dem Schlachten gerettet, fünf Hunde haben eine Feuersbrunst in einem Zwinger überlebt. Viele Tiere kommen traumatisiert auf den Hof. Hunde bellen, nähert man sich, rennen sie aus Angst weg. Dies jeden Tag zu erleben sei schwierig und traurig, aber Joep ist sich sicher, "dass wenn man die Tiere gut und mit Liebe behandelt, sie irgendwann verstehen, dass sie an einem sicheren Ort leben, und ihr Verhalten ändern". Tritt das ein, sind die Besitzer glücklich.

Bei ihnen arbeiten zwei Frauen aus der Nachbarschaft und eine Gruppe junger Freiwilliger. Einige helfen aus der Ferne bei Auftritten in sozialen Netzwerken und der Organisation von Veranstaltungen. Von der Stadtkommune gibt es Zuschüsse. Noch wichtiger sind Sponsoren und Gäste, die dazu beitragen, dass alle Tiere unter guten Bedingungen leben können. Am schwierigsten ist es, wenn ein Tier krank ist und teure Medizin braucht. "Das Leben eines Hundes zu retten hat uns schon 2000 Euro gekostet."

Früher arbeitete Joep in der Technologiebranche und Ivone als Psychologin. Beide fühlen sich jetzt "viel besser". Der Buddhismus "nicht als Religion, sondern als Lebensphilosophie, die die Weisheit besitzt, die Menschen durch Verhaltensveränderung zu heilen", sei wichtig für ihren neuen Lebensweg gewesen. Das Ehepaar hat sich in einem buddhistischen Retreat in Frankreich kennengelernt. Die Luft im Eichenwäldchen ist rein, die Gäste fühlen sich in den kleinen Granithäusern wohl. Manch einer ist auf dem Jakobsweg von Porto nach Santiago durch Rubiães unterwegs.

Zum Alltag gehört das Kochen für die Gäste und die Pflege der Pflanzen, darunter 60 Bohnenarten. Auf Chemie wird verzichtet. "Es ist meistens wirkungsvoller, eine gute und wohlschmeckende vegetarische Mahlzeit den Gästen auf den Tisch zu legen, als eine Person für ihre Gewohnheiten anzugreifen", findet Joep. Schulklassen sind die häufigsten Besucher, die hier den respektvollen Umgang mit allen Lebewesen erleben. "Wir vermitteln beim Umgang mit Schweinen, dass diese nicht Bacon auf vier Beinen, sondern fühlende und intelligente Wesen sind, die auch Kuscheln, Zuneigung und Liebe mögen", erklärt Joep.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Sofia Pinho

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