Aktuell findet sie das süß

Eine junge Mutter designt Produkte nach Herzenslaune

 

In grünem Strickpulli, schwarzen Jeans und schlichtem Messy Bun steht Mirjam Basistow vor einem Holztisch in ihrem Wohnzimmer. Sie schiebt eine Karte mit der Aufschrift "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe" in einen Umschlag mit schwarzem Raster und klebt einen runden schwarzen Sticker mit der goldenen Aufschrift "You are so loved" auf. Die Karte kommt zu einer bedruckten Emailletasse in einen Karton - die Bestellung kann verschickt werden. "Ich versuche zu arbeiten, wenn die Kinder schlafen, weil ich es schade finde, wenn sie ständig nur eine Mama sehen, die arbeitet", erklärt die 26-Jährige. Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich selbständig gemacht. Nach dem Besuch einer Fachoberschule mit Richtung Gesundheit in Fulda begann Mirjam Basistow ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Jetzt hat sie einen kleinen Onlineshop, in dem sie individualisierte Trinkflaschen, Karten, Tassen und Kosmetikbeutel verkauft. Die kauft sie als leeres Produkt und bedruckt die Ware mit eigenen Motiven. "Angefangen habe ich mit Fotografien, aber irgendwann merkte ich, dass ich die Gestaltung dahinter viel mehr mag", sagt sie lächelnd.

 

Auf dem Tisch steht eine weiße Kinderflasche mit der verschnörkelten Aufschrift "Levin" und einem niedlichen Löwen, der mit Aquarellfarben kindlich gestaltet wurde. Auf dem Boden liegt Kinderspielzeug. "Jetzt bin ich selbst in dem Lebensabschnitt, wo ich so eine personalisierte Kinderflasche total süß finde", schwärmt sie und berichtet, dass sie ihre Produkte von ihren eigenen Interessen abhängig macht. Dabei sieht sie auf das Baby in ihren Armen. Das war auch ihre Motivation hinter dem Namen "Herzenssache". Sie designt, was ihr Spaß macht und was gerade in ihr Leben passt. Eine Erweiterung ihres Gewerbes könnte sie sich vorstellen, aber erst, wenn ihre Kinder etwas älter sind. "Im Moment bin ich zufrieden, dass der Shop klein ist." Ihr Weg in die Selbständigkeit startet im Bürgerbüro der Stadt Fulda, wo sie ihre Idee vorstellt. Dann geht es zum Finanzamt und zur Industrie- und Handelskammer, wo ihr Onlineshop als Kleingewerbe eingestuft wird. "Am liebsten würde ich ja alles einfach verschenken", sagt sie und auch, dass sie sich bei den Finanzen lieber auf ihren Mann Daniel verlässt. Beim Festlegen von Preisen schaut sie zunächst auf ihre Ausgaben, die Kosten für das Produkt ohne Aufdruck, die Pauschalkosten für Strom und Bedarf für ihren Plotter. Sie berechnet ihren Zeitaufwand, um einen Endpreis festlegen zu können.

 

Surrend schneidet der Plotter mit Bewegungen nach vorne und hinten, nach rechts und links den Namen Sophia aus einer goldenen Folie. Das spitze Messer bewegt sich kontrolliert über das Gold. Als der Plotter seine Arbeit beendet hat, entnimmt Mirjam Basistow das Element und entfernt mit einer Nadel die überschüssige Folie aus den Buchstaben "a" und "p". "Bei dieser Fummelarbeit frag ich mich manchmal, wieso ich das eigentlich mache", sagt sie und erklärt, dass dieser Prozess nicht zu ihren Lieblingsaufgaben gehört. "Wenn ich dann aber das fertige Produkt sehe, denke ich doch immer, es hat sich gelohnt."

 

Anfangs hat sie viel Wert auf die Meinung von Umstehenden gelegt: "Zuspruch war mir total wichtig, was jetzt im Nachhinein totaler Quatsch ist." Ihr ist wichtig, dass ihre Produkte individuell sind, und sie legt großen Wert darauf, niemanden zu kopieren. Ihr Arbeitsplatz ist eine Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses im Fuldaer Stadtteil Niesig. Im gemütlichen Wohnzimmer duftet es nach frischem Kaffee. "In Werbungmachen bin ich so, so, so schlecht, viel bewirbt Etsy ja selber, und einiges spricht sich einfach rum." Nur ab und an lädt sie Bilder auf ihrem Instagram-Kanal hoch. Etsy ist die Plattform, auf der sie ihre Produkte verkauft. Hier gibt es viele Kleingewerbe wie ihren Shop "Herzenssache". Der jungen Frau wurde immer vorgeworfen, mit Kreativität könne man kein Geld verdienen, weshalb sie sich zunächst für einen anderen Beruf entschieden hat.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2022, Nr. 206, S. 26 - Jana Martens, Marienschule, Fulda

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