Geigenbauer Ecseghy über seine Leidenschaft
Für Janos Ecseghy ist die Violine mehr als nur ein Beruf. Der Geigenbauer mit den kurzen, weißen Haaren und der Brille arbeitet noch spätabends, wenn es nötig ist, bis Mitternacht, in der Werkstatt seines Geschäfts in Mutterstadt. "Wir machen alles selber. Ich kaufe nur den Korpus, und dann machen wir alles, was dazugehört, mit Wirbeln und alldem selber." Um eine einzige Geige zu bauen, braucht der 79-Jährige etwa zwei Monate. So entsteht die Qualität, dank der die Kunden seinem Handwerk vertrauen. "All die guten Geigenbauer, die konnten auch super Geige spielen. Und das ist, finde ich, auch eine Voraussetzung, um gute Geigen bauen zu können. Dann weiß man, wie es klingen soll." Auch ihm hilft es, Violinist zu sein: "Bei einer teuren italienischen Geige hat niemand in der Welt rausgekriegt, warum sie scheppert. Dann haben sie von mir gehört, aber auch ich habe es nicht sofort gewusst. Dann habe ich gesagt, dass ich es nur beurteilen kann, wenn ich etwas spiele, und nach zehn Minuten etwa wusste ich, was es war." Er bemerkte, dass das unerklärliche Scheppern durch den Saitenhalter verursacht wurde. Ein Saitenhalter ist das Stück, das die vier Saiten einer Geige festhält. Bei diesem Instrument begann es beim Spielen zu flattern und zu scheppern. "Ich habe den Saitenhalter ausgetauscht, und es war weg", erzählt er mit einem Schmunzeln.
"Meine Mutter hat mir die Liebe zur Musik gezeigt, und deswegen bin ich Musiker geworden." Wenn er von seiner Vergangenheit in seiner Heimat Ungarn erzählt, steigen ihm die Tränen in die Augen. Schon als Kind war er begeistert von der Geigenmusik, die er im Radio hörte, und hat mit einem Stock die Bewegungen eines Violinisten nachgeahmt. Mit elf Jahren hat er zu Weihnachten seine erste Geige bekommen, schon nach einem Jahr wusste sein Lehrer nicht mehr, was er ihm noch hätte beibringen können. "Ich konnte alles spielen, alle Lagen, alles, was es gibt. Wenn jemand gekommen ist, dann haben sie mich bewundert, jahrelang." Er entschied, Musik zu studieren. Zu dieser Zeit war es jedoch nicht einfach in Ungarn. Politische Unruhen erschwerten das Leben, auch Janos Ecseghys Familie bekam das zu spüren. In seiner Stimme hört man die Trauer, die diese Erinnerungen hervorrufen, wenn er über die Flucht seines Bruders aus Ungarn und die finanziellen Probleme seiner Familie spricht. Um weiter spielen zu können und zu lernen, trat er dem Militärorchester bei. Dort konnte er auch seinen Militärdienst absolvieren, ohne jemals kämpfen zu müssen. "Soldat zu sein, das war für mich schrecklich. Zum Glück musste ich niemals mit einem Gewehr schießen." Danach ist er dem staatlichen Sinfonieorchester Budapest beigetreten. Wie viel Zeit man als professioneller Musiker in seinen Beruf investieren muss, sei ihm nicht klar gewesen. Weltberühmte Solisten üben bis zu zwölf Stunden am Tag. "Das ist ein wahnsinnig harter Beruf. Aber die Konzerte haben mir sehr gut gefallen, sie waren bereichernd. Nach dem Konzert waren sehr oft Empfänge. Man spielt ein Leben lang in sehr schönen Sälen." Für ein besonders gutes Instrument fehlte das Geld. In Ungarn hatte Janos Ecseghy jedoch nie die Gelegenheit, ein besonders gutes Instrument zu spielen, denn dazu fehlten die finanziellen Mittel. Um also seine eigenen Geigen bauen zu können, lernte er von einem Freund, der selbst Geigenbauer wurde.
Vor 45 Jahren kam er nach Deutschland, um in der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zu spielen, führte seine Ausbildung zum Geigenbauer fort und eröffnete sein Geschäft. Eigenständig zu arbeiten, beschreibt er als viel angenehmer als den stressigen Alltag im Orchester. "Wenn ich Termine mache, dann kann ich selber die Termine bestimmen." Mit pensionierten Musikern bildet er das "Trio Spontano", das zu Festen Konzerte gibt. Durch die aktuelle Lage ist das schwierig. Das betrifft auch sein Geschäft, dabei hat er kürzlich eine neue Filiale in Haßloch eingerichtet. Der Umsatz ist stark eingebrochen. Für ihn ist das fatal. "Jetzt musste ich eine meiner Lieblingsgeigen verkaufen. Ich will nicht ins Minus kommen. Ich habe sie für 10 000 Euro verkauft, und jetzt finanziere ich davon das Geschäft." Janos Ecseghy berichtet von Berufsmusikern, denen Saiten reißen, die aber im Lockdown nicht auf ihre Geigenbauer zurückgreifen konnten. "Das ist berufsschädigend", empört er sich. Er sagt aber auch: "Wenn ich mit meiner Frau Streit habe, nehme ich meine Geige, und nach ein paar Minuten bin ich beruhigt." Musik hält jung. "Menschen, die im Alter noch Musik machen, die leben länger." Seine ältesten Kunden sind über 80 Jahre alt.