Für den Busfahrer sind nicht nur Feiertage eine Herausforderung
Ilber Sejfulai aus Wiesbaden ist Busfahrer. Der Nordmazedonier erlebt nicht nur kaputte Straßen, Verspätung und viele Konflikte, sondern auch Respekt, Geschenke und Freude. Das war zunächst eine ganz neue Erfahrung für den gelernten Maler und Lackierer. Nach einem Vorschlag von Freunden, er könne gut mit Menschen umgehen, und der Beruf des Busfahrers würde gut passen, bewarb er sich vor elf Jahren, ohne eine Ahnung zu haben, wie sein Leben in der Zukunft davon beeinträchtigt wird. Traurig sagt der heute 43-Jährige: "Ich verbringe nicht mehr so viel Zeit mit meiner Familie."
Wenn er mal zu Hause ist, möchte er Ruhe haben und vom Stress herunterkommen. Stress muss er, sobald er hinter dem Lenker sitzt, ausblenden. Er trägt eine große Verantwortung, um die Fahrgäste sicher zum Zielort zu bringen, muss versuchen, pünktlich zu sein, Informationen zu geben, sich Linien merken und die dazugehörigen Umleitungen, die sich immer wieder ändern können. Man sollte mit Konflikten umgehen können und konzentriert bleiben. Was zählt, ist das Achtgeben, auf Menschen im Bus und außerhalb des Busses. "Einem Flüchtling fehlten mal fünf Cent für eine Fahrkarte, ich meinte, ist schon okay", berichtet Sejfulai. "An der nächsten Bushaltestelle bekam ich dann von zwei Älteren eine Tasche geschenkt, die rot und mit Blumen geschmückt war. Das meine ich mit, gibst du Respekt, bekommst du Respekt."
An diesem Tag fuhr er eine Linie, die an einer Kerb vorbeifuhr. An der Kerb stand beim Halteverbot ein Transporter, der den Bus nicht durchließ. Daraufhin wollte der Fahrer des Transporters sich mit Ilber Sejfulai anlegen und bestand darauf, dass er die Tür vom Bus öffnet. Stattdessen rief Sejfulai bei der Leitstelle an und schilderte das Geschehen. Der Mann vor der Tür sah das, ein anderer rief, er solle dem Bus Platz machen. Der Mann fuhr mit dem Transporter los, so konnte auch Sejfulai weiterfahren. Doch der Transporter wendete und fuhr dem Bus entgegen. "Ich sah ihm seine Wut im Gesicht an!" Schon lenkte er auf den Busfahrstreifen. "Hätte ich nicht nach rechts gelenkt, wäre das nicht nur meine letzte Haltestelle mit dem Bus gewesen." Trotz solcher Ereignisse geht Ilber Sejfulai jeden Arbeitstag mit seinem Busschlüssel, Rollenpapier und Sicherheitsweste zur Firma, fährt den Bus und stellt ihn später sicher an der Tanksäule der Firma ab.
Etwas Besonderes ist es für den dreifachen Vater, wenn die Familie mitfährt, so erleben die Kinder seinen Alltag. Einen 18,75 Meter langen und 2,55 Meter breiten Bus im richtigen Winkel zu wenden und durch enge Straßen zu steuern ist eine Herausforderung. Ebenso die Fahrgäste zu erleben, die sich wegen Verspätungen und Umleitungen beschweren, und Kinder, die sich nicht benehmen können.
Belastend ist die Schichtarbeit, die nicht viel Freizeit mit der Familie lässt. "Erwähnt mir nicht die Feiertage!" An diesen bestehe eine größere Gefahr, "denn Menschen laufen betrunken herum". Das größte Problem seien aber der Busfahrermangel und die vielen kaputten Straßen. Dazu kommen die ganzen Verspätungen, das bedeutet dann weniger Pause. So werde man schneller müde, die Gefahr für einen Verkehrsunfall steigt. Habe man dann einen Tag frei, werde man manchmal angerufen und gefragt, ob man einspringen kann. Bis zu 70 000 Busfahrer sollen in Deutschland in den kommenden zehn Jahren fehlen - so lautet die Prognose.
"Ohne Busfahrer ist die Stadt gestorben", sagt Ilber Sejfulai überzeugt. Er ist immer noch von der Tatsache berührt, dass er Menschen helfen kann und ihn viele "als guten Fahrer kennen". Eine große Motivation besteht für ihn darin, gegenüber möglichst vielen Gästen liebenswürdig zu sein und ein positives Gefühl zu hinterlassen. "Solange man einen guten Eindruck bei den Menschen hinterlässt, werden diese Menschen dich als Busfahrer nie vergessen."