Ein junger Fotograf über die Modewelt
"Ich mag es nicht, wenn Bilder sexy sind", sagt Christoph Marti, Schweizer Fotograf und Chefredakteur des Nachrichtenportals DasKomma. Zusammen mit Marken, Agenturen, Fernsehprogrammen, bekannten Models und Magazinen wie "Vogue Italia" oder "L'Officiel" realisiert der 25-Jährige fotografische Kunstwerke. Seine Arbeit beschreibt er so: "Sie soll ästhetisch sein." Seine Bilder sollen in allen Bereichen, sei es Fashion, Porträt, Fine Art oder Nude, stilvoll wirken. Kunden schätzen es, dass er gewisse Aufnahmen machen kann, ohne dass sie, wie er es nennt, "billig" wirken - eine Leitlinie, die bei ihm an erster Stelle steht.
Marti arbeitet mit Schwarz-Weiß-Fotografie im Stil der Fine Art, bei der die objektive Realität im Vordergrund steht. "Ich mag es persönlich, Bilder zu erstellen, bei denen man sich einen zweiten Blick darauf nicht erspart." So reichen seine Motive von einem Toilettenpapier-Kleid bis hin zu einer Frau, die eine Tasche als Hut trägt. Seine Bilder waren nicht immer in einem Schwarz-Weiß- oder im Edgy-Stil, was so viel wie "ausgefallen" bedeutet. Anfangs war er farbig unterwegs, bis er sich, wie er es nennt, "in das Entsättigte" bewegt hat. "Mich fesselt das Spiel mit verschiedenen Farbnuancen. Die Schwarz-Weiß-Fotografie hat sich aus Faulheit entwickelt, weil es einfach einfacher ist", sagt der Solothurner grinsend. Dahinter steckt mehr. "Ich finde, dass man da ein bisschen mit seinen Vorstellungen und Ideen arbeiten kann, man kann etwas sinnlich machen oder eben extravagant über Licht."
Inspirieren lässt er sich von Fotografen wie Kristian Schuller, Peter Lindbergh sowie der Mode-Ikone Karl Lagerfeld. "Wie ich auf die Fotografie gekommen bin, ist so ein bisschen schleichend passiert." Marti war am Anfang seines Berufslebens Koch und zauberte seine bunten Werke auf weiße Teller. Ein eigenes Hotel und Restaurant zu besitzen gehörten zu seinen Zielen. "Aus meinem Hobby, der Fotografie, hat sich meine heutige Leidenschaft herauskristallisiert." Er beschäftigt sich ebenso mit dem Videodreh. Ihm gefällt besonders die Kombination von Foto und Video. Was bei ihm höchste Priorität hat, ist, dass sich das Model vor der Kamera wohlfühlt: "Ich habe den Eindruck, dass es auf den Videos einfacher ist, seine Unsicherheiten zu verstecken, aber auf dem Foto lügen die Augen nie, jedoch kann man ein Model auch mit ihren Unsicherheiten gut darstellen." Von retuschierten oder, wie er sagt, "perfekt bearbeiteten" Bildern hält er nichts. "Entweder man liebt meine Fotos oder eben nicht. Man muss das Natürliche mögen." Durch seine Aktivität auf Social Media, Fashionshows und bei Ladeneröffnungen kommt er mit Kunden, Models und Modelagenturen in Kontakt. Bei der Frage, mit welchem Typ von Menschen und Models er am liebsten zusammenarbeitet, ist der dunkelhaarige Fotograf ganz klar. Zu seinen Präferenzen gehören Personen, die nicht das "08/15-Model" sind. "Ich mag es zum einen, wenn ich die Person selbst spannend oder schön finde. Es kann aber auch für mich spannend sein, was die Person macht, wenn sie einen besonderen Hintergrund oder eine Geschichte hat."
Pünktlichkeit ist für ihn das Wichtigste am Set. "Da hatten viele Leute in Italien extreme Probleme mit mir bei den Shootings", sagt er lächelnd. Für viele gilt er als der Modelpapa. In den ersten Jahren seiner Karriere musste er sich an die Schattenseite der Modelwelt gewöhnen. Tragische Geschichten von Models, die sexuelle Übergriffe am Set erlebt haben und mit "Bodyshaming", also Beleidigungen und Diskriminierung aufgrund ihres Aussehens, konfrontiert wurden, wurden ihm bei Shootings berichtet. Mit seinem Projekt "you are perfect the way you are", "du bist perfekt, so wie du bist", mit Aufnahmen von Frauen, die das Thema Diversität und Bodyshaming in der Modelwelt ansprechen, erlangte er Ansehen. "Ich denke aber auch, dass sich Brands fast ein bisschen selbst belügen, wenn es um dieses Thema geht. Das Model muss zum Projekt passen. Ich bin kein Fan von Kampagnen wie zum Beispiel Black Lives Matter und die Fotografen dann nur noch stark pigmentierte Models shooten. Damit habe ich etwas Mühe. Für mich ist ein Mensch einzigartig und perfekt, wenn er so bleibt, wie er ist, und nicht einem Schönheitsideal, wie das auf den sozialen Medien bekannt ist, nachgeht." Angehenden Models rät er, nicht leichtgläubig zu sein. "Es kann dir niemand versprechen, dass du Topmodel wirst. Passt vor allem bei Agenturen auf, die von euch Geld verlangen, aber keine Kunden haben. Fragt andere Models, wie sie gearbeitet haben und wo sie ihre Erfahrungen gemacht haben, denn das ist ehrlich."