Landwirt Roland Dömling aus Münnerstadt baut Aronia an. Auf die Idee mit der Apfelbeere hat ihn ein Indianer gebracht.
Wer den tiefroten Saft der Aroniabeere trinkt, stößt auf eine Mischung aus erdigem und doch fruchtigem Geschmack. Als bittersüß und auch etwas trocken kann das Getränk beschrieben werden. Dieses intensive Aroma beschert Roland Dömling seit einigen Jahren seinen Kunden. Der Agrarbetriebswirt baut die Apfelbeere, wie Aronia auch bezeichnet werden kann, in seiner Heimat in Münnerstadt, der unterfränkischen Kleinstadt, an. Doch seine Anfänge in der Branche liegen weiter zurück: Er wuchs im elterlichen Agrarbetrieb auf, bereits seit der Kindheit darüber im Klaren, diesen Beruf ebenfalls einmal ergreifen zu wollen. "Mir macht das Freude, in der Natur irgendwas zu machen. Du wächst da dann auch mit rein, und du hast dann schon relativ frühzeitig erlebt, wie Selbständigkeit funktioniert." Diese Leidenschaft für die Landwirtschaft spürt man bei dem blonden 55-Jährigen sofort, wenn er - einen Rotkäppchen-Korb mit seinen Produkten neben sich - gut gelaunt und lebendig von seinem Werdegang erzählt. Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule in Triesdorf kehrte er nach Franken zurück und übernahm 1995 das Geschäft seiner Eltern.
Seine große Leidenschaft ist schon immer das Reisen. "Wie die Rucksackphase war, so in meinen Zwanzigerjahren, bin ich ein paar Wochen unterwegs gewesen auf dem Globus und habe mir alle Kontinente angeguckt", berichtet Dömling verschmitzt lächelnd. "Und dabei habe ich mir auch immer die Landwirtschaft angeschaut, also was machen die in Australien, in Neuseeland, in Amerika oder Afrika?
Bei einer Reise durch Südamerika vor sieben Jahren kam er durch sein Interesse an den Produkten und Pflanzen, die das Agrarwesen dort zu bieten hat, auch schließlich auf Aronia. In diesen sechs Wochen führte er Gespräche mit Landwirten und hielt Ausschau nach einer Pflanze, die klimatisch nach Deutschland passte und die er anbauen könnte. Seine Suche schien zunächst vergeblich, bis er am Flughafen kurz vor seiner Rückreise endlich fündig wurde. Dömling traf dort einen nordamerikanischen Ureinwohner, mit dem er ins Gespräch kam. Der Indianer erzählte ihm von einer Beere, die in langer Tradition von seinen Vorfahren als Heilpflanze zur Stärkung der Gesundheit verwendet wurde: Aronia.
"Ich wollte eine Pflanze anbauen, die den Menschen ein Stück weit auch was Gutes tut", erklärt der Landwirt und ist davon überzeugt, diese in der gesunden Apfelbeere gefunden zu haben. "Du hast nämlich da viele Wirkstoffe drin wie Flavonoide und Vitamine. Die heben die Nährstoffversorgung im Körper, und dadurch bist du besser geschützt gegen Erkältungskrankheiten", sagt Dömling und stellt außerdem fest: "Jeder Körper ist einzigartig in seiner Zusammensetzung, und deswegen wirkt es bei jedem anders. Es gibt Leute, bei denen dann zum Beispiel der Blutdruck runtergeht." In der einschlägigen Literatur werden tatsächlich die positiven Auswirkungen der Pflanze für Krebspatienten und Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen genannt.
2017, zwei Jahre nach seiner Reise und nachdem er intensive Recherchen über Aronia getätigt hatte, baute Dömling die Pflanze biozertifiziert an und erweiterte so sein Sortiment, das bis dahin ganz traditionell aus Getreide wie Weizen und Dinkel sowie aus Raps, Saatgut und Blumensamen bestand. Die Setzlinge dafür bekam er von einer Baumschule aus dem Norden. Mit dem Anbau der Apfelbeere ist er in Deutschland nicht ganz allein. Um 1900 wurde die aus dem östlichen Nordamerika stammende Pflanze über Deutschland nach Russland gebracht. Es entstanden über 300 verschiedene Sorten, die Beere etablierte sich dort als Heilpflanze und verbreitete sich nach Asien weiter. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 wurde sie an von der Strahlenkrankheit Betroffene verabreicht, um eine Schwermetallausleitung im Körper in Gang zu setzen und so die Ausmaße der Krankheit zu verringern. Letztlich kam Aronia dann wieder nach Deutschland zurück. Die älteste Plantage befindet sich in der ehemaligen DDR, in Schirgiswalde in Sachsen, die 1975 offiziell den Anbau startete. Mittlerweile ist aber die Pflanze in der ganzen Bundesrepublik zu finden.
Über die Entwicklung der Landwirtschaft im Allgemeinen sagt Dömling: "Entweder machst du quasi brutal viel, oder du musst dir dann ein Stück weit auch was anderes einfallen lassen." Er selbst entschied sich also für die zweite Variante, indem er die immer noch exotische und besondere Beere anbaut. Diese ist auch Namensgeber seiner Firma "Frankenaronia", unter der die Produkte verkauft werden. "Ich wohne in Franken. Frankenwein kennt jeder, das ist dann ein regionaler Bezug. Das war auch mein Gedanke. Das habe ich mir ein wenig von den Winzern abgeguckt."
Ähnlichkeiten mit dem Weinanbau gibt es auch bei der Ernte von Aronia. Denn wenn die Beeren Ende August dunkel und reif werden, wird zunächst auch der Öchslegrad gemessen. "Wir haben sie mit der Hand gezupft, und das ist schon eine Herausforderung, weil es relativ lange dauert", berichtet Dömling über das diesjährige Abernten, wofür er für seine zwei Hektar mit 15 Personen fünf Tage gebraucht hat. "Es gibt dafür auch Maschinen, bloß die Sträucher sind noch ein wenig zu klein." Das aber könnte sich bis nächstes Jahr geändert haben. Von den klimatischen Bedingungen her war es 2021 günstig. "Da hat es viel Wasser gegeben, die Beeren waren groß, und die Saftausbeute war auch in Ordnung", erklärt Dömling. Denn bei Trockenzeiten wird es schwierig: "Die Pflanzen halten das zwar schon aus, die gehen nicht kaputt, bloß ich will ja Beeren ernten, und die werden dann kleiner, und du hast weniger Saft drinnen."
Ansonsten sind die Pflanzen robust und eher nicht schädlingsanfällig. Um sie auch vor Vögeln zu schützen, hat der Landwirt Stelzen für die in der Gegend heimischen Falken aufgestellt, die die Bedrohung aus der Luft abschrecken. Nach dem Ernten müssen die Beeren erst mal gekühlt werden, bevor sie entweder getrocknet oder in die Mosterei zur Saftverarbeitung gebracht werden. Dort werden sie dann in Flaschen abgefüllt. Die Produkte werden in Regionalläden verkauft. Angeboten werden auch Schokobeeren und ein Fruchtaufstrich. Außerdem beliefert der Agrarbetriebswirt auch Gastronomen in der Nähe. Das Sortiment ist auch online unter seiner Website erhältlich. "Ich habe auch schon einmal ein Paket nach Kroatien verschickt." In Zukunft wird Dömling aller Voraussicht nach seine Anbaufläche für die Beeren noch vergrößern.