Drogendealer und Obdachlose haben kein Verständnis für die Arbeit der Landschaftsgärtner in Berliner Parks. Am Görlitzer Bahndamm gibt es sogar Polizeischutz und gruselige Überreste in Teichen.
Grüne Wiesen, breite Wege, große Bäume und Büsche, die den Menschen im Sommer Schatten spenden. Das ist das typische Bild eines Parks in Berlin und in anderen Städten weltweit. Insbesondere während des Lockdowns haben die Grünanlagen für viele Menschen an Bedeutung gewonnen. Doch wie alle öffentlichen Orte pflegen sich die Bäume, die Wiesen und die Wege nicht von allein, sondern müssen von Männern wie Willi Weinert gepflegt werden. Weinert, der nicht bei seinem richtigen Namen genannt werden will, ist 50 Jahre alt, durchschnittlich groß mit Brille und arbeitet seit vielen Jahren in Berliner Parks als Landschaftsgärtner. Er berichtet an einem Sonntagnachmittag mit einer Tasse Kaffee in den Händen von seinem Arbeitsalltag.
Dieser Alltag sieht jedoch anders aus als gewöhnliches Gärtnern. Schon der erste Arbeitstag der Woche ist alles andere als gewöhnliche Gartenarbeit, bei der man vielleicht mit nervigen Wespen oder Ameisen zu kämpfen hat. Die Arbeitsgruppe von Willi Weinert muss sich mit anderen Problemen auseinandersetzen und sich in ungewöhnlichen Situationen zurechtfinden. Denn während seiner Arbeit in Berlin im Bezirk Treptow-Köpenick wird er täglich auch mit dem Alltag wildfremder Menschen konfrontiert.
Unter anderen mit solchen Menschen, die sich "das Gehirn weggekokst haben", wie es Willi Weinert umschreibt. Wenn er und sein Team Viertel vor sechs mit ihrer Ausrüstung im Park ankommen, um die Überreste der letzten "Megafeten" zu entfernen, müssen sie auch die Behausungen der Obdachlosen abbauen. Weinert bringt sogar ein gewisses Verständnis für die Menschen auf: "Ich würde es auch nicht toll finden, wenn man mein Haus plattmachen würde." Die Obdachlosen und vor allem auch die Drogendealer, die den Arbeitsplatz von Willi Weinert und seinem Team als Ort für ihre Geschäfte verwenden, bringen nicht das geringste Verständnis für die Landschaftsgärtner auf. "Die wollen dann halt unsere Autoscheiben zerschlagen", beschreibt der Landschaftsgärtner die Auseinandersetzungen. Er berichtet auch von einem Messerangriff, bei dem er glücklicherweise noch ohne Verletzungen davongekommen sei. "Zurzeit ist das Alltag", sagt er, weshalb das Team am Görlitzer Bahndamm jeden Montag nur noch mit Polizeischutz arbeitet, damit es nicht zu weiteren Angriffen kommt.
Die "Häuser" der Bewohner am Görlitzer Bahndamm abzubauen ist natürlich eigentlich nicht seine Hauptaufgabe. "Wir werden gerufen, wenn Beschwerden eingegangen sind, die wir dann abarbeiten", beschreibt Willi Weinert seinen Arbeitsalltag: "Zum Beispiel Äste schneiden und Unkraut entfernen." Anfang Herbst hat er mit seinem Team an dem Projekt "Teichsäuberung" gearbeitet, da immer wieder eine Menge Müll in den Gewässern landet, wie zum Beispiel auch Parkbänke. "Diese werden jedoch nicht mehr im Teich versenkt, sondern gleich angezündet", ergänzt der Landschaftsgärtner trocken. Überreste von angezündeten Parkbänken sind nur eine von vielen merkwürdigen und durchaus auch erschreckenden Entdeckungen, die Weinert während seiner Laufbahn gemacht hat. "Die Leiche im Park" ist eine dieser Entdeckungen, die er auch Jahre später nicht vergessen kann. Eine habe er gefunden, "gefunden wurden aber schon drei Stück", fügt er noch hinzu, ohne große Emotionen, als wäre es alltäglich, dass man in seinem Beruf eine Leiche findet. Zudem haben er und sein Team auch schon ein totes Schaf gefunden, das zuvor aus dem Berliner Tierpark gestohlen wurde. Auch tote Hundewelpen, die von ihren Besitzern beerdigt wurden, gehören zu den Funden, mit denen Willi Weinert zu Beginn seiner Laufbahn nicht gerechnet hätte. Durch seinen Beruf wird er meist unfreiwillig Zeuge von Geschichten anderer Menschen, die ihn auch nach Feierabend noch weiterhin beschäftigen.
"Mit anderen Menschen zu tun zu haben" ist jedoch einer der Gründe, weshalb Willi Weinert seinen Beruf mag. Auch wenn dieser Kontakt oft alles andere als erfreulich ist, gibt es auch schöne Begegnungen im Park. Denn gerne betreiben er und sein Team auch einen kleinen "Nebenjob" als Schatzsucher, indem sie Geocachern bei der Suche nach den kleinen Belohnungen helfen. Im Herbst entdecken er und sein Team beim Laubharken auch größere Schätze, die häufig aus verlorenen oder versteckten Habseligkeiten anderer Menschen bestehen.
Während seiner Arbeit im Park im Bezirk Treptow-Köpenick trifft Willi Weinert nicht nur auf Drogenabhängige, Leichen und Schatzsucher, sondern auch auf Leute, die sich zwar ungewöhnlich, aber ansonsten harmlos verhalten. So erzählt er schmunzelnd von alten Bekannten, wie zum Beispiel einem Mann, der sich auf dem Weg vom S-Bahnhof Plänterwald zum S-Bahnhof Treptower Park Schicht für Schicht auszieht, bis er völlig nackt ist. Auf dem Rückweg zieht er sich wieder nach und nach an. "Natürlich nur im Sommer", sagt der Gärtner mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein weiterer alter Bekannter, den das Team manchmal beobachten konnte, ist der "nackte Fahrradfahrer aus Kreuzberg", wie Weinert ihn bezeichnet. Der fährt mit seinem Fahrrad, ohne Kleidung, von Kreuzberg nach Treptow-Köpenick. Bis heute weiß das Team nicht den Grund dafür. "Einfach so", lautet die Vermutung.
Diese kleinen Überraschungseffekte amüsieren den Landschaftsgärtner mit seiner nun fast leeren Kaffeetasse. Solche Erlebnisse und die Arbeit mit seinem Team scheinen die unschönen Auseinandersetzungen wettzumachen. "Es macht mir ja Spaß, warum sollte ich dann wechseln", beendet Weinert seine Erzählungen über seinen Beruf, der ungewöhnlicher ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde.