Schilf statt Beton

Landschaftsarchitekt über Pläne und Ideen

 

Gegen den verschlammten Weiher, der in den letzten Jahren aufgrund von Sauerstoffmangel mehrmals kippte, musste etwas unternommen werden. Wo veraltete graue Betoneinfassungen den ökologisch toten Schwanenweiher im Landauer Ostpark eingrenzen, soll bis 2023 ein neuer Park mit renaturiertem See entstehen: So soll die Wasseroberfläche verkleinert und natürliche Ufer mit Schilf und Landzungen geschaffen werden. Zum Expertenteam gehört Martin Bühler, Landschaftsarchitekt in einem Karlsruher Unternehmen für Garten- und Landschaftsgestaltung mit angeschlossenem Planungsbüro. Der 59-Jährige kümmert sich vor allem um die Neubepflanzung der Anlage. Da beim Ausheben des Sees Waffen und Minen gefunden wurden, kommt es immer wieder zu spontanen Planänderungen.

 

Landschaftsarchitekten sind keinesfalls zweitklassige Architekten, viel mehr muss man laut Bühler "vor allem Kreativität, Interesse an Architektur und Raumgestaltung sowie sehr gute Pflanzenkenntnis" mit bringen. Hat er einen potentiellen Auftraggeber, werden zunächst die Wünsche des Kunden geklärt. Dabei werden die Plangrundlagen aufgenommen. Dazu gehören Bebauungspläne, Höhenaufnahmen, manchmal sind Bodengutachten nötig. Dann beginnt der "kreative Prozess", bei dem grobe Entwürfe erstellt werden, aus denen die Grundidee der Planung hervorgeht. "Manchmal hat man einen einzigen, aber perfekt passenden Geistesblitz, ein anderes Mal gibt es mehrere unterschiedliche Lösungsansätze." Hat sich der Kunde für einen Plan entschieden, wird ein Ausführungsplan mit relevanten Daten erstellt. Dieser beinhaltet beispielsweise Maße, Materialien sowie Pflanzenlisten, sodass sich die am Bauvorhaben beteiligten Firmen daran orientieren können.

 

Vor allem technische Planungen, wie ein verbessertes Beleuchtungskonzept für die Sanierung des Landauer Ostparks, aber auch Pläne für automatische Beregnungsanlagen, Pools oder Mähroboter rücken stärker in den Vordergrund. Dass man als Landschaftsarchitekt mit der Gestaltung größerer Plätze auch Einfluss auf das öffentliche Leben nehmen kann, ist vielen gar nicht bewusst. "Der Platz beeinflusst den Benutzer, und der Benutzer beeinflusst wiederum den Platz. Da gibt es immer eine Interaktion", sagt Bühler und erklärt, dass der öffentliche Platz immer auch eine soziale Aufgabe habe. Für ihn persönlich ist der "perfekte Platz ein architektonisches Kunstwerk, das von den Menschen angenommen und gerne genutzt wird". Er erwähnt einen Schaugarten seiner Firma, der Ende der 90er-Jahre unter dem Namen "Gärten 2000" auf der Inventa in der Karlsruher Messe präsentiert wurde. Eigentlich nur als Gag gedacht, schockierte die aus Kies und Geröll modellierte Landschaft Besucher, da Blumen und Pflanzen nur auf im Schaugarten platzierten Röhrenfernsehern zu sehen waren.

 

Das Thema Klimawandel rückt Schottergärten in den Fokus. Diese toten Steinwüsten bieten keine Nahrung für Insekten und wärmen sich auf, sodass sich die Umgebungsluft nachts schlechter abkühlen kann. "Der Landschaftsarchitekt ist nicht per se ein Umweltschützer. Mir persönlich ist das Thema allerdings extrem wichtig." Bühler versucht, seine Kunden zu überzeugen, den Grünanteil der Freiflächen zu erhöhen, einheimische und insektenfreundliche Pflanzen zu verwenden oder statt über einen gechlorten Pool über einen Naturpool nachzudenken: "Natur und schöne Gärten sind absolut keine Gegensätze." Diese Einstellung wird vor allem auf seinem eigenen Grundstück in einer badischen Gemeinde nahe Karlsruhe deutlich: Ein Naturpool, der ohne Chemikalien auskommt, bildet den Mittelpunkt des Gartens. Die Flachdächer zweier Garagen sind durch ihre Begrünung ein Paradies für Bienen und andere Insektenarten geworden. Bei der Bepflanzung der Randbereiche wurde darauf geachtet, dass alle Pflanzen miteinander harmonieren, also beispielsweise ihre Blütenfarben zusammenpassen. Die Blütezeit spielte hierbei eine wichtige Rolle. So kann sich Martin Bühler von Frühling bis Herbst über verschiedene in der Blüte stehende Gewächse erfreuen.

 

Die Zukunftsaussichten für Garten- und Landschaftsarchitekten schätzt er positiv ein. "Die Bereitschaft ist erkennbar, für den Privatgarten oder die Außenanlage einer Firma deutlich mehr Geld auszugeben, als dies früher der Fall war." Deutlich wird dies an der Neugestaltung des Landauer Ostparks, die voraussichtlich 3,9 Millionen Euro in Anspruch nehmen wird.

 


Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2022, Nr. 31, S. 26 - Luis Heß, Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium, Dumersheim

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