3×3-Basketball mit Svenja Brunckhorst
Die Schnelligkeit ist es, die mich an dieser Sportart so fasziniert. Es ist nicht so taktisch basiert. Außerdem geht es sehr athletisch und physisch zur Sache. Der Eventcharakter mit Musik, Kommentatoren, Cheerleadern, weiteren Wettbewerben wie Dunking Contests und dem schnellen Aufeinanderfolgen der Spiele von Männer- und Frauenteams fasziniert mich am meisten. Dabei spielen wir auch noch an ganz besonderen Locations wie der Hamburger Reeperbahn oder dem Kölner Rheinufer", beschreibt Svenja Brunckhorst ihre Begeisterung für ihren neuen Lebensmittelpunkt: das 3×3-Basketball. Diese Variante ihres Sports geriet in ihren Fokus, als sie in das Programm der auf 2021 verschobenen Spiele in Tokio aufgenommen wurde. Dadurch ergab sich für die 29-jährige Basketballerin die Chance, den Traum von Olympia wahr werden zu lassen. Einen Großteil ihres Lebens verbrachte die 1,79 Meter große Sportlerin mit dem für sie typischen Pferdeschwanz im Trikot in Sporthallen. "Mit sechs Jahren hat mich der Vater meiner besten Freundin zum ersten Mal mit in die Turnhalle genommen, wo er uns spielerisch Basketball beigebracht hat." Damals lebte sie in Rotenburg an der Wümme. Vier Jahre später zog sie nach Wasserburg am Inn. Dort spielte sie beim TSV 1880 Wasserburg Basketball und bekam die Chance, für die Auswahlmannschaft des Bayerischen Basketball-Verbands anzutreten. Mit 15 Jahren wurde sie für die deutsche Jugend-Nationalmannschaft nominiert und durchlief sie von U 16 bis zur A-Mannschaft der Damen. In der Saison 2007/08 gelang ihr der Sprung in die 1. Bundesliga-Mannschaft der Wasserburger Damen. In diesem Jahr wurde Wasserburg zum fünften Mal deutscher Meister.
"Diese erste Meisterschaft hat mich hungrig gemacht, weil ich zwar zum Team gehörte, aber im Finalspiel nicht spielen durfte und somit keinen Einfluss auf das Geschehen nehmen konnte. Das war der Punkt, an dem ich mir dachte, dass ich irgendwann in entscheidenden Momenten auf dem Spielfeld stehen möchte." Mit 22 Jahren wurde sie in den Kader der deutschen A-Nationalmannschaft berufen. Heute ist sie dort eine der wichtigsten Spielerinnen und Kapitänin. Auch beim TSV 1880 Wasserburg war sie bis Januar 2021 eine der Leistungsträgerinnen und holte insgesamt sieben deutsche Meisterschaften und fünf Pokalsiege.
Niederlagen gehören dazu. So musste sie im Februar 2021 bei der Qualifikation zur Europameisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft zwei bittere Niederlagen hinnehmen. Deshalb verpasste das Team die Teilnahme an dieser Meisterschaft. "Jede Niederlage ist unterschiedlich. Die Bedeutung des Spiels hat viel damit zu tun, wie schwer die Verarbeitung der Niederlage ist. Die Tatsache, dass wir uns nicht qualifizieren konnten, war aber schon sehr hart", sagt die Leistungssportlerin. "Die Teilnahme an den European Games 2019 ist ein Erfolg in meiner Karriere, der mir vermutlich noch sehr lang im Gedächtnis bleiben wird, auch wenn wir nicht gewonnen haben." Dieses Event war einer der ersten internationalen Auftritte der deutschen 3×3-Damen-Nationalmannschaft. Svenja Brunckhorst hat nebenbei einen Bachelor in Sportmanagement, einen Master in International Management und eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert. Sie spielt mit dem Gedanken, noch einen Master in Wirtschaftspsychologie dranzuhängen, um später ebenso erfolgreich ins Berufsleben einsteigen zu können. Da bleibt wenig Zeit für andere Dinge wie Kochen, Lesen oder Treffen mit Freunden. Ihre ganze Konzentration galt der Erfüllung ihres großen Traums von Olympia. Dafür wurde sie im Januar 2021 Sportsoldatin bei der Bundeswehr in Hannover. Da sie unverheiratet und kinderlos ist, war das unkompliziert möglich. Diese Chance wollte sie nutzen, da sie im Sport zu den Älteren gehört. Nach der Grundausbildung konzentrierte sie sich dann ganz auf die Olympiaqualifikation im 3×3-Basketball.
Diese Sportart entwickelte sich aus dem Streetbasketball, das in den 1990er-Jahren populär war. Bei 3×3 stehen je Team nur drei Spieler auf dem Feld. Hinzu kommt ein Auswechselspieler. Es werden maximal zehn Minuten gespielt anstelle der 40. Sobald eine Mannschaft 21 Punkte erreicht hat, ist das Spiel zu Ende. Die Zeit, die ein Team hat, um einen Angriff abzuschließen, beträgt im 3×3 nur zwölf Sekunden statt der sonst üblichen 24. Dadurch wird das Spiel deutlich schneller und anstrengender. Die Taktik spielt eine geringere Rolle. Dafür sind Athletik und das Spielverständnis der Spieler von größerer Bedeutung.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio gehörte die Sportart erstmalig dazu. Dafür musste das deutsche Team unter die ersten drei von 20 teilnehmenden Mannschaften beim Qualifikationsturnier im Mai 2021 in Graz kommen. Dort traf das deutsche Team in der Gruppenphase auf die Vereinigten Staaten, Frankreich, Uruguay und Indonesien. "Sehr schwer, aber nicht unmöglich. Basketball ist ja immer für Überraschungen gut." Nach zwei Siegen gegen Uruguay und Indonesien musste sich die deutsche Mannschaft gegen Frankreich und die USA jeweils mit 21:12 geschlagen geben. Ob Svenja Brunckhorst mit ihrem Team versuchen wird, sich für die Olympiade 2024 in Paris zu qualifizieren, steht noch in den Sternen.