Eine Goldschmiedin in den Walliser Alpen nimmt die Natur zum Vorbild
Naturstücke, fest geworden für die Ewigkeit. Blumen, Zweige oder auch Muscheln werden in Silberschmuck verwandelt. "Mein Mann kommt oftmals spätabends zu mir in die Werkstatt und sagt: Du bist ja immer noch am Basteln! Und ich antworte: Ja, ich bastle, ich mag es." Céline Barman, selbständige Goldschmiedin in Nendaz in den Walliser Alpen, ist eine Künstlerin in jedem Augenblick des Tages. Selbst in ihren Träumen hört sie nicht auf zu arbeiten: "Das ist künstlerisches Schaffen, sogar wenn du schläfst, arbeitest du weiter."
Eine ihrer größten Inspirationen ist die Natur, in der sie gerne alle Arten von Texturen, Rinden, Blumen und vieles mehr sammelt. Daraus gießt sie Formen und kreiert daraus anschließend Silberschmuck. "Dies ist die Technik, die ich am liebsten verwende." Doch sie lässt sich davon auch nicht einschränken: "Ich kombiniere meistens verschiedene Techniken, Gravuren, Materialien und Farben, um neue Kreationen herzustellen."
Das helle Atelier der Frau mit den grünen Augen ist so organisiert, dass nur sie die Abläufe kennt: Säge, Feile, Wachs, Edelsteine, Silber oder sogar Gold sind jeweils in ihren Gläsern, in der Schublade oder in der Nähe der vielen stets neu entstehenden Kreationen platziert, die auf zwei massiven Werkbänken aus Holz angeordnet sind. Wenn die hellbraunhaarige, 1,60 Meter große Goldschmiedin sich mit ihrer weiten, roten Hose an ihren Arbeitsplatz setzt, glänzt nicht nur der schöne Schmuck, sondern auch die Aussicht: Durch das große Fenster ist Veysonnaz zu sehen, das Dorf am Berghang gegenüber von Nendaz mit seinen Skigebieten.
Die Wände sind mit rustikalen Gestellen zur Aufbewahrung von Material bedeckt: eine mit Skizzen und Bestellungen gefüllte Anschlagtafel, Tische zur Ablage, Apparate zum Schweißen oder Schleifen. "Ich werde immer von meiner Familie geschimpft, wenn wir von einer Reise zurückkommen, weil ich mit Kisten voller Steine, Rinde und Muscheln zum Gießen nach Hause zurückkomme." Céline Barmans Lächeln wird noch intensiver, sie liebt diese Reisen nach Nepal, Australien, Neuseeland und an andere Orte und das Heimkehren mit neuen Schätzen. "Ich liebe die Kreativität, die verschiedenen Materialien, die verwendet werden können: Metalle, aber auch Holz oder Keramik."
Und bei der Technik, die sie am häufigsten anwendet, dem Gießen, kann sie die Details der Materialien am besten beobachten. "Ich suche nach kleinen Zweigen und Blättern in der Natur." Bereits bei diesem ersten Schritt weiß sie genau, welche Naturmaterialien beim Zu-Schmuck-Werden Erfolg haben werden oder nicht. "Es gibt viele technische Voraussetzungen zu beachten, um ein Formteil herstellen zu können. Wenn es zu weich ist, wie ein Blatt beispielsweise, kann es sich verformen - und es muss mindestens sieben bis acht Zehntelmillimeter dick sein, damit das Metall eindringen kann. Ich habe einige Male versucht, ein Gänseblümchen zu gießen, aber das Metall kam nie bis in die Blütenblätter." Aber man kann andere Arten von Blumen betrachten, die Céline Barman gut gelungen sind. Auf dem schwarzen Ausstellungsregal liegt beispielsweise ein Anhänger in Form einer Seerose neben Eheringen mit einem Edelweiß-Motiv. "Dann füge ich zu allen Blättern, Rindestücken, Zweigen, die ich gesammelt habe, möglichst wenig Wachs hinzu und mache einen sogenannten Baum, den ich in einen Zylinder einschließe, den ich anschließend mit Gips fülle und 48 Stunden trocknen lasse. Dann stelle ich den Zylinder bei 800 Grad in den Ofen, wodurch meine kleinen Gegenstände und das Wachs verbrannt werden und eine Mulde zurückbleibt."
Jedes Schmuckstück ist ein Unikat und verlangt einen anderen Arbeitsaufwand: "Wenn ich einen einfachen Ring herstelle, brauche ich eine Stunde. Wenn ich eine Halskette mit vielen Steinen anfertige, kann es eine Woche dauern." Die Vielfalt ist auf einem Regal zu sehen: ein Silberarmband aus Salbeiblättern, ein Eichelhut mit einer Perle oder ein Anhänger mit einem magisch aussehenden Baum - der Baum, der zu ihrem Logo wurde.
"Ist die Form einmal abgekühlt, stelle ich sie in die Zentrifuge, in der ich das Metall schmelze. Durch die Zentrifugalkraft werde ich das Metall in die Form injizieren, die nur noch die Hohlräume von all dem enthält, was sich darin befunden hat", erklärt die junge Mutter und bändigt eine ihrer langen Locken und steckt sie zurück in ihre zusammengebundenen Haare. "Von dem Moment an, in dem ich alle meine Bäume in den Ofen gestellt habe und die Formen aufbreche, dauert es eine Woche." Dann beginnt die zeitaufwendigste Arbeit: "Aufsägen, den Gips entfernen, jeden kleinen Ast reinigen, ganz zu schweigen vom Polieren." Diese Technik hat Vorteile: "Beim Gießen, im Bezug auf die Details, gelangt man viel schneller zu etwas viel Besonderem als bei der traditionellen Technik, bei der man jedes Detail gravieren und formen müsste. "Dann würde es zwar neuen Schmuck geben, aber immer im gleichen Stil."
Und woher kommen ihre Kunden? "Durch Mund-zu-Mund-Propaganda, die Märkte oder meine Website." Sie hat lange einen Stand am Wochenmarkt in Sion gehabt, der Hauptstadt des Kantons Wallis, und bis heute ihren Stand auf dem Weihnachtsmarkt. "Neben dem Markt sind Eheringe mein Brotverdienst. Davon stelle ich am meisten her."