Ohne Team läuft bei uns nichts, sagt der Schweizer Moderator Lukas Studer.
Auf dem Kanal SRF zwei lächelt charmant ein Moderator in die Kamera und sagt: "Einen wunderschönen guten Abend, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, herzlich willkommen zu Super League - Goool." So beginnt der Samstagabend eines Schweizer Fußballfans, und der Mann, der ihn durch die Sendung führt, ist der Sportmoderator Lukas Studer. Der 44-jährige Schweizer ist aus Sendungen wie "Powerplay" oder "Super League - Goool" nicht mehr wegzudenken. Auch Anlässe wie Olympische Spiele oder Ski-Weltmeisterschaften gehören zu seinem Portfolio. Für den dreifachen Familienvater ist es der schönste Job der Welt. "Ich gehe nicht arbeiten, ich gehe ins Studio", sagt er schmunzelnd. "Dieser Beruf ist meine Leidenschaft, er verbindet meine Liebe zum Sport mit meiner Liebe zum Journalismus."
Tatsächlich gibt es diese Leidenschaft zum Sport seit seiner Kindheit. Mit seinem Lieblingssport, dem Fußball, fing er mit sieben Jahren an. Auch heute noch spielt Lukas Studer in der Seniorenmannschaft seines Dorfvereins, dem FC Pfäffikon. Auch Ski und Tennis dürfen nicht fehlen. "Was mich prägt, ist mein neugieriger und abenteuerhungriger Charakter. Ich bin vielseitig interessiert, vor allem am Leben, mit all seinen Facetten."
Größere Sendungen finden meistens abends und an den Wochenenden statt, weil es dann am meisten zu berichten gibt. "Natürlich schafft das vor allem Schwierigkeiten für mein soziales Umfeld. Meine Kollegen haben meistens dann Feierabend, wenn ich arbeite. Auch kann ich selten bei Geburtstagsfesten oder Hochzeiten mitfeiern. Reise ich an einen Großanlass, wie zum Beispiel an Olympische Spiele oder an die Fußball-Weltmeisterschaft, bin ich oft sehr lange im Ausland unterwegs. Weg von meiner Familie. Das ist für mich, meine Frau und meine Kinder nicht immer einfach. Aber das gehört halt zu meinem Job, solche Großanlässe finden ja nicht jedes Jahr statt. Wenn, dann sind sie berufliche Highlights." Rund 80 Prozent der Arbeitszeit verbringt Lukas Studer als Moderator vor laufender Kamera in Zürich oder im Ausland. Die restlichen 20 Prozent arbeitet er als Beitragsmacher für diverse Sportsendungen. Wenn eine Sendung für 20 Uhr geplant ist, beginnt sein Arbeitstag um etwa 13 Uhr. Im Newsroom, einem großen Raum mit vielen Arbeitsplätzen, an denen Sportjournalisten, Produzenten und Regisseure sitzen und unter anderem Recherche betreiben, gibt es ein Briefing mit dem Produzenten. Hier wird der Fokus der Sendung festgelegt. Die Gewichtung und das Thema einer Sendung werden besprochen.
Danach schreibt Lukas Studer die Moderationen zu den Beiträgen. Kurz vor der Sendung wird er geschminkt, gefolgt von den Proben im Sportstudio, das in einem orangerotem Farbton gehalten ist. Auf einer Tribüne sitzt das Livepublikum, an der schwarzen Decke hängen unzählige Scheinwerfer, überall gibt es Fernsehkameras und Mitarbeiter mit Headsets. "Teamarbeit wird hier großgeschrieben. Allein kann im Fernsehen niemand etwas ausrichten. Der Moderator ist der Verkäufer, der die Geschichten möglichst attraktiv erzählen soll. Er darf sich dabei aber nicht zu wichtig nehmen, auch wenn er im Fokus der Kameras steht. Es geht nicht um ihn, sondern um den Sport."
Die primäre Aufgabe eines Moderators ist es, die Zuschauer durch die Sendung zu führen. "In einer Fußballsendung zum Beispiel berichten wir neutral, sachlich, aber auch emotional über die Spiele. Wir bilden die Realität ab. Haben wir kontroverse Sportthemen in einer Sendung, muss ich als Moderator ebenfalls zwingend neutral und unabhängig sein. Wichtig dabei ist, dass sämtliche Parteien ausgewogen zu Wort kommen." Bei Meinungsfragen interviewt er meistens einen Experten oder direkt einen Sportler. So kann er stets die notwendige Neutralität und Distanz wahren. Besonders hilfreiche Kompetenzen für einen Sportmoderator seien Neugierde, Hartnäckigkeit, kritisches Denken sowie eine authentische Präsentation. Auch das gepflegte Aussehen ist ihm wichtig. Stets mit einem perfekt sitzenden Hemd mit Gilet und Krawatte gekleidet und die braunen Haare frisiert, erfüllt Studer dieses Kriterium problemlos.
Insgesamt dauerte es sieben Jahre, bis er seine erste Sportsendung moderieren durfte. "Seit ich Kurt Felix in der Sendung 'Verstehen Sie Spaß?' gesehen hatte, war Moderator mein Traumberuf. Als ich dann während meiner Ausbildung am Lehrerseminar Kreuzlingen herausfand, dass er dieselbe Schule wie ich besucht hatte, schrieb ich ihm einen Brief", erinnert sich Studer. "Kurt Felix antwortete mir, ich solle meine Leidenschaft finden. So kam ich auf die Idee, Sportmoderator zu werden. Denn ich wollte den Sport mit all seinen Facetten vermitteln." Nach seiner Ausbildung arbeitete er zwei Jahre lang als Lehrer, bis er sich 2002 dazu entschied, Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur zu studieren.
Gleichzeitig bewarb er sich für eine Praktikumsstelle beim öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen der Schweiz SRF. "Ich ging nach den Vorlesungen jeweils bis spät in die Nacht in die Redaktion und durfte als Assistent kleinere Berichte gestalten. So kam der Traumberuf immer näher." 2005 bestand er die Aufnahmeprüfung zur internen Ausbildung zum Fernsehjournalisten. Bis er aber Sportmoderator wurde, vergingen noch vier Jahre.
Als der SRF einen Sportmoderator suchte, bewarb sich Studer sofort. "Beim Bewerbungsgespräch wurden alle notwendigen Kompetenzen abgefragt: breites Sportwissen, gute Deutschkenntnisse, auch Fremdsprachen wie Englisch und Französisch wurden geprüft. Zudem mussten wir mit Bildern Geschichten erzählen. Auch schon kleine moderative Präsentationen vor Kameras gehörten zum Test." Lukas Studer wurde ausgewählt und begann, Sport-Liveübertragungen zu präsentieren.
"Das Spannende an meinem Beruf ist, in die Hintergründe der Sportwelt zu schauen. Ein Zuschauer sieht vielleicht nur das Ergebnis eines Spiels, aber es steckt noch so viel mehr dahinter. Ein neugieriger Sportjournalist sollte sich auch für Taktik, Strategie des Klubs, Transfergeschäfte, die Geschichte der Vereine und so weiter interessieren. Profisportler sind äußerst faszinierende Menschen. Auf ihrem Weg zur Spitze haben sie unglaublich viel Willenskraft bewiesen, sie haben viel in ihre Leidenschaft investiert und dabei auch auf einiges verzichtet. Ich bewundere diese Leute sehr, und diese Gespräche und diese Menschen sind es auch, die als gute Erinnerungen zurückbleiben."
Was Studer bewegt, sind Meldungen über Missbrauch im Sport, zum Beispiel Doping. "Manchmal haben wir eine romantische Vorstellung vom Sport, wir würden sehr gerne an ihn und seine Gerechtigkeit glauben. Doch es steckt ein richtig großes Business dahinter. Und wo viel Geld im Spiel ist, wird auch betrogen. Damit habe ich oft große Mühe."
Längst hat sich Lukas Studer an das Leben vor den Kameras gewöhnt, Lampenfieber habe er keines. "Ganz im Gegenteil, ich freue mich immer, wenn ich wieder auf Sendung gehe", sagt Studer lachend. "Das war aber in den ersten Jahren überhaupt nicht so. Damals war ich jeweils sehr nervös." Er setzt sich nicht unter Druck, keine Fehler zu machen: "Fehler passieren, das ist menschlich. Dann soll ein Moderator auch mal selbst über sich lachen. Ist ja kein Weltuntergang. Und trotzdem habe ich hohe Ansprüche an mich. Jede Sendung muss besser sein als jene zuvor." Mit der Zeit hat Studer mit seinen humorvollen Moderationen einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Deutschschweiz erlangt. Es komme vor, dass Menschen ihn erkennen oder zumindest genau anschauen, doch das störe ihn nicht. "Ich habe fast nur positive Erfahrungen mit Menschen, die mich auf der Straße angesprochen haben. Als Fernsehmoderator muss man damit rechnen, erkannt zu werden."