Tritt ins Loch

Footgolf international im slowenischen Ptuj. Lob vom Weltmeister aus Argentinien.

 

Man spaziert über weitläufige, kurz geschnittene Grasflächen. Zwischen Bäumen und Sträuchern schlängelt sich ein klarer Bach. Ein Schwanenpaar kümmert sich um seine grauen Küken. Plötzlich wird die Idylle gestört. Ein Fußball fliegt über den Rasen. Weitere Bälle folgen. Menschen in Sportkleidung gehen den Bällen entspannt plaudernd hinterher, so lange, bis sie ihren Ball mit dem Fuß in ein Loch befördert haben. Es ist eine Art großer, metallener Eimer, mit einem Durchmesser von 51 Zentimetern, der bis zum Rand in den Rasen eingegraben ist. Darin steckt in der Mitte eine Fahne an einer dünnen, biegsamen Stange. Ist der Ball in dem Loch gelandet, stoppt ihn die Fahnenstange. So können die Spieler den Ball leicht herausnehmen und zu einer Markierung gehen, von wo aus der nächste Abstoß erfolgt. Dort beginnt dann das Spiel mit dem Ball auf das nächste Loch. Auf dem Golfplatz in Ptuj wird seit 2015 Footgolf gespielt. Der 50 Hektar große Platz, zu dem ein kleiner See gehört, wurde 1999 angelegt und liegt am Rande der ältesten Stadt Sloweniens. Jeden Donnerstag treffen sich hier Spieler und Spielerinnen aus der Region zum freien Footgolf-Training. Wenn man auf alle 18 Löcher spielt, muss man drei Kilometer zurücklegen. Durchschnittlich braucht ein Spieler 72 Versuche, um den Fußball in alle Löcher zu schießen. Wenn Golf traditionell gespielt wird, sind die Footgolf-Löcher mit Metalldeckeln abgedeckt.

 

Footgolf ist eine entspannte Sportart. Damjan Turk, Präsident des Slowenischen Footgolf-Verbands, sagt: "Natürlich haben Footgolfer auch Ehrgeiz, aber vor allem kann man sich bei diesem Sport in der Natur entspannen und seine Sorgen vergessen. Aber wenn der Ball zu nahe an ein Schwanennest oder zwischen die Schwäne und ihre Küken gespielt wird, dann werden die Schwäne aggressiv und lassen dich nicht an den Ball heran."

 

Der 46-Jährige ist seit dem Start in Ptuj dabei. Er findet es toll, dass jüngere und ältere Menschen, Männer und Frauen diesen Sport betreiben können. "Man braucht nur einen Rasen mit einem Loch oder Löchern, einen Fußball, und dann kann man auch zu Hause spielen und versuchen, aus allen möglichen Richtungen den Ball mit dem Fuß einzulochen. Auch Kinder ab elf Jahren können den Sport schon ohne Gefahr betreiben. Große körperliche Fitness oder Anstrengung braucht man dafür nicht." Bevor er beginnt, macht er leichte Stretching- und Warm-up-Übungen. Unterschiede zum Fußball erklärt er so: "Man schießt nicht einfach auf ein Tor oder zu einem Mitspieler, der den Ball dann stoppen und weitergeben kann. Hier spielt man alleine mit dem Ball, muss den Schuss ganz anders berechnen, damit er über Sandgruben, Bäche und Brücken des Golfplatzes fliegt und mit möglichst wenig Schüssen im nächsten Loch landet."

 

Turk wurde 2017 Dritter der slowenischen Meisterschaften. Seither trainiert er mehr. Der Sport hat sich in Slowenien schnell verbreitet. Nach den Anfängen in Ptuj kann man heute auf Golfplätzen in Bovec am Fluss Soca, in Bled in den Alpen, in Olimje an der Grenze zu Kroatien und in der Hauptstadt Ljubljana Footgolf spielen. In Ptuj ist die Nutzung des Golfplatzes über einen Vertrag geregelt. Für Footgolf ist der Platz jeden Donnerstag reserviert, so gibt es keine Probleme mit den Golfern. "Es ist auch kein Sport, der für Freizeitspieler viel Geld kostet. Jugendliche zahlen bei uns 7 Euro, erwachsene Mitglieder 12 Euro und Besucher 20 Euro, wenn sie eine Runde spielen möchten." Frauen seien noch eine Minderheit, "da diese Sportart noch nicht so sehr bekannt ist", erklärt Turk. Footgolf wurde 2008 in den Niederlanden entwickelt, aus einem entspannten Spiel nach dem Training von Fußballprofis. Mittlerweile wird es in 44 Ländern gespielt und gilt als Trendsportart. Es gibt eine Internationale Footgolf-Vereinigung, National-, Europa- und Weltmeisterschaften für Einzelspieler, aber auch für Teams. Matija Brodnjak, Gründer des Ptujer Footgolf-Klubs und erster slowenischer Meister 2017, erklärt: "Im Teamwettbewerb spielen entweder 9 gegen 9 oder 11 gegen 11. Das slowenische Team hatte bei der letzten Europameisterschaft sehr gute Chancen, weit zu kommen, aber leider haben wir unser drittes Spiel gegen England verloren. Sonst wären wir unter die besten sechs in Europa gekommen." Brodnjak ist Präsident des Ptujer Footgolf-Klubs und für die Organisation der jährlich stattfindenden internationalen Veranstaltungen in der Stadt mitverantwortlich. Der 42-jährige Diplom-Kaufmann weiß, was für ein großer Aufwand damit verbunden ist: "Für so ein Turnier muss man schon ein Budget von 20 000 bis 40 000 Euro einplanen. Dazu muss man Sponsoren finden. Und die Teilnehmer zahlen auch eine Startgebühr von 200 bis 280 Euro. Dadurch werden dann die Kosten weitgehend gedeckt."

 

Im Juni fand die offene slowenische Footgolf-Meisterschaft in Ptuj statt. Daran nahmen Weltklassespieler aus der ganzen Welt teil, auch der amtierende Weltmeister Matias Perrone. Wegen einer Verletzung konnte der Argentinier selbst nicht spielen, machte aber trotzdem die weite Reise. Während auf dem Platz das vorbereitende Training läuft, sagt der Weltmeister: "Ptuj hat sicher nicht den besten Platz, nicht einmal in Slowenien, aber es ist der Platz mit der freundlichsten Atmosphäre und den nettesten Menschen." Der Argentinier ist einer der wenigen Spieler, die als Profi vom Footgolf leben können. Als Journalist und Blogger verdient er auf Turnieren und Reisen noch dazu. Der 39-Jährige hat vor zehn Jahren mit dem Sport begonnen und ist seit 2018 "ununterbrochen Weltmeister", wie er lachend sagt. "Das habe ich der Pandemie zu verdanken, weil in der Zeit keine Turniere stattfinden konnten."

 

Der Sport ermögliche es ihm heute, neue Länder und Menschen bei neuen sportlichen Herausforderungen kennenzulernen. "Natürlich will ich gewinnen und noch einmal Weltmeister werden. Ein Spiel zu verlieren ist immer enttäuschend. Aber wir sind internationale Freunde, trinken nach dem Wettkampf immer gemeinsam ein Bier, und dann ist der Ärger schnell vorbei." Perrone hat das Glück, dass er durch seinen Erfolg bekannt ist und von den Veranstaltern eingeladen wird. So muss er weder Reisekosten noch für Unterkunft und Verpflegung oder eine Startgebühr zahlen. "Denn da können abhängig vom Veranstaltungsort schon einmal 4000 Euro für einen Spieler zusammenkommen."

 

Er hält sich fit. "Dazu gehört Yoga und mentales Training, denn Footgolf ist eine Kopfsache, bei der man vor jedem Schuss zum Beispiel Entfernung, Bodenrelief und auch den Wind berücksichtigen und sich absolut konzentrieren muss." Perrone unterbricht das Interview und zeigt auf einen Spieler: "Seht, wie Nico Garcia aus Argentinien das macht: Er ist ganz auf das Spiel konzentriert. Passt auf, was passiert!" Garcia befördert zweimal nacheinander ruhig und elegant einen Fußball direkt in ein Loch, das 15 Meter entfernt auf einem Hügel liegt. Das Fernsehen berichtete 2022 live von der offenen slowenischen Meisterschaft. Perrone betont: "Es ist ein Sport für Familien, Kinder und alle Menschen, die sich zumindest ein wenig sportlich betätigen und sich dabei in der Natur gemeinsam mit Freunden und mit viel Spaß erholen möchten."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2022, Nr. 200, S. 26 - Matevz Mertelj, Lukas Skrinjar, Jan Vrbnjak, Jugendzentrum CID Ptuj

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