Als Nordic-Walking-Gruppe durch den Schwarzwald
Dienstag Morgen, neun Uhr. Ein frisch geborenes Kälbchen liegt im Gras, während es von seiner Mutter behutsam sauber geschleckt wird. Die Gruppe rund um Hans und Ursula Fuchs setzt ihren Weg fort, während die Sonne sich immer weiter vom Horizont hebt. Als eine Stunde später das Klacken der Stöcke erneut auf dem Boden zu hören ist, steht das Kälbchen bereits und trinkt gierig bei seiner Mutter. Der Duft der Nadelbäume steigt in die Nase, während die Gruppe ihren Lauf durch die Landschaft des Schwarzwalds fortsetzt.
Seit mehr als 20 Jahren leiten Ursula und Hans Fuchs ehrenamtlich die Nordic-Walking-Gruppe des Schwarzwaldvereins Ottenhöfen. Der Luftkurort liegt rund 35 Kilometer entfernt von Baden-Baden im Achertal. Das Ehepaar lebt dort auf dem Zieselberg, der nur über eine enge, kurvige Straße zu erreichen ist. Oben bietet sich ein sensationeller Ausblick über das Dorf, Berge und Wiesen. Seit ihrer Nordic-Walking-Ausbildung dürfen sie sich stolz als Instruktoren bezeichnen. Mittlerweile sind die beiden in Rente.
Die rund 40 Aktiven sind in zwei Gruppen eingeteilt, eine läuft am Dienstagmorgen, die andere gegen Abend. Sie treffen sich auch, wenn dicke Tropfen vom Himmel fallen oder eine weiße Schicht die Berge bedeckt. Die Gruppe läuft wechselnde Strecken, die angepasst an Jahreszeit und Wetterlage sind. "Wir laufen im Sommer auf der Höhe, zum Beispiel in der Nähe vom Kloster Allerheiligen, und im Winter in Oberachern, wo es weniger Schnee hat", sagt Ursula Fuchs. Es freut sie, dass sie mit ihren Gruppen, zu denen manchmal Touristen stoßen, neue Wege entdeckt. So erzählt sie, dass selbst eine Einheimische zu ihr sagte: "Das war jetzt aber schön, da war ich jetzt auch noch nie." Die meisten Sportler sind Mitte 50 aufwärts. "Es laufen unwahrscheinlich viele junge Leute, aber nie in Vereinen. Sie wollen einfach für sich sein", erklärt Ursula Fuchs.
Die Technik, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Dynamik in der Gruppe machen die Trendsportart zu etwas Besonderem. Im Gegensatz zum Joggen oder Wandern bietet Nordic Walking eine Kombination aus Kraft und Ausdauer, die gelenkschonend und für Anfänger geeignet ist. "Im Grunde ist es sehr einfach zu lernen, man muss nur ein bisschen üben. Schon einmal, dass man den Schritt lang zieht, ist einfach eine Gewöhnung", erklärt Hans Fuchs. Wie bei jeder Sportart sollte man sich jedoch im Klaren sein, dass es viel effektiver ist, wenn man es richtig und regelmäßig ausführt und es dann umso mehr Spaß macht, erklärt seine Frau. Deshalb bieten sie jedem, der zum ersten Mal dabei ist, eine Einführung an, um die Technik richtig zu erlernen. Und gerade wenn man normalerweise mit Wanderstöcken durch die Wälder streift, ist die Technik eine kleine Umstellung: "Wenn man nach vorne läuft, greift man den Stock, dann zieht man ihn nach hinten durch und macht die Hand auf und lässt den Stock los. Und vorne greift man dann wieder zu", sagt Hans Fuchs. Ursula Fuchs ergänzt eine Eselsbrücke: Man sagt, "dem kleinen dreijährigen Oskar die Hand geben", um zu verdeutlichen, dass man den Stock tiefer führen muss als vom Wandern gewohnt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass man nur wenig Material benötigt. "Das Erste sind Stöcke für Nordic Walking, ein gutes Schuhwerk, also nicht zu starr, keine Wanderschuhe, keine Wanderstöcke, damit nehme ich niemanden mit, und man braucht keine besondere Kleidung außer eine Regenjacke", sagt Ursula Fuchs. Und falls man es nur einmal ausprobieren möchte, kann man Stöcke in der Touristikinformation ausleihen.
Hans Fuchs schildert den Ablauf einer Tour: "Wir rechnen etwa, dass wir eineinhalb Stunden unterwegs sind. Wir machen dann meistens ein bisschen Aufwärmen, je nachdem auch unterwegs, so nach der Hälfte, und dann wieder am Schluss ein Stretching. Das sind in der Regel insgesamt zwischen fünf und sieben Kilometer." Treffen nach dem Laufen gibt es in der Regel keine, jedoch hat sich eingebürgert, dass man bei einem runden Geburtstag eine Flasche Sekt mitbringt, die man auf einer Hütte im Wald gemeinsam trinkt. Auch kleine Halbjahresaktionen haben sich etabliert, Touren außerhalb des Achertals mit einschließender Einkehr. Außerdem kann man am Faschingsdienstag im Schwarzwald einer Gruppe in schrillen Farben verkleideter Läufer begegnen.
Dieser gesellige Aspekt ist wichtig für die Gruppe. "Es ist einfach immer schön. Man kennt sich, wir haben immer etwas zum Reden, ob über das Kochen, über Politik und Sport oder Aktuelles in der Gemeinde, wir haben einfach immer Gesprächsstoff", erklärt Ursula Fuchs. Wehmütig erklären die beiden Leiter, dass ihre Gruppe seit der Pandemie kaum zusammenkommen konnte. Nur für eine kurze Phase im vergangenen Sommer konnten sie wieder gemeinsam laufen, auch wenn sie aufgrund der drückenden Hitze auf die Berge der Region flüchten mussten. In diesem ungewöhnlichen Jahr wurde ihnen aufs Neue bewusst, dass man in der Gruppe einfach motivierter ist und alles mehr Spaß macht. "Wenn man in einer Gruppe läuft, läuft man regelmäßig. Und wenn das nicht der Fall ist, gerade jetzt in der Corona-Zeit, fehlt diese Regelmäßigkeit. Mal ist es zu heiß, mal regnet es, man hat immer eine faule Ausrede", sagt Ursula Fuchs. Ihr Mann ergänzt, dass es nachgewiesen ist, dass man allein ganze 30 bis 40 Prozent weniger läuft als in einer Gruppe.