Musikerin balanciert Geige, Schule, Leben
Kein Laut ist zu hören. Die erwartungsvollen Blicke des Publikums und der Jury sind auf die Bühne gerichtet. Als Duo steht sie mit ihrer Schwester im Rampenlicht, unter ihrem Kinn die Geige, die im Schein nur so leuchtet. Die angespannte Atmosphäre lockert sich augenblicklich, als der Klang den großen Kammermusiksaal der Musikhochschule Freiburg erfüllt. Der Auftritt ist ein großer Erfolg, denn wie schon so häufig erzielt das inzwischen unter den Freiburger Musikern und Musikinteressierten bekannte Streicherduo den 1. Preis, volle Punktzahl. Schon zum zehnten Mal nimmt Moë Dierstein am Wettbewerb "Jugend musiziert" teil. Ob als Solistin oder Teil eines Ensembles: Als talentierte Violinistin erregt sie in vielen Kategorien großes Aufsehen. Auch auf Bundesebene und in internationalen Wettbewerben hat die 17-Jährige ihr Können bereits gezeigt und bedeutende Preise gewonnen.
Ein Beispiel ist der Louis-Spohr-Wettbewerb 2022, in dem die junge Violinistin in der finalen Runde den zweiten Platz gewonnen hat. Hinter großen Erfolgen steckt eine Menge Arbeit. Gymnasiastin und nebenbei Musikerin zu sein ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Wie also ist Moë in der Lage, die Anstrengungen auf sich zu nehmen und möglichst wenig Schwäche zu zeigen? "Nach einem langen Schultag und der Klausurenphase habe ich manchmal zum Üben weniger als eine halbe Stunde Zeit, aber vor einem Wettbewerb, wenn ich den ganzen Tag Zeit habe, können es bis zu fünf Stunden werden", erzählt Moë. Als sie angefangen hat, Geige zu spielen, war sie erst drei Jahre alt. Da sie in einer Musikerfamilie aufgewachsen ist, unterstützen ihre Eltern ihr Geigenspiel, und es wurde schon in ihrer Kindheit eine übergeordnete Priorität.
"Herausforderung ist auf jeden Fall Geige, Schule und auch noch Freunde und Familie miteinander zu balancieren. Das geht nicht immer gut, und man will natürlich in allen Bereichen präsent und so gut wie möglich sein. Und dass das nicht geht, ist klar. Also die ganzen Kompromisse, die ich schon früher schließen musste, waren nicht immer leicht." Besonders Kompromisse bei der Einteilung der Zeit werden mit zunehmendem Alter für die Teilzeitmusikerin wichtiger. "Eine Zeit lang habe ich wochenweise festgesetzt, welches meine Priorität von den beiden war. Die eine Woche hatte ich ein Konzert, also mehr üben, dafür nächste Woche drei Klausuren, also weniger üben und mehr Konzentration auf die Schule." Auch wenn Moë bereits festgelegt hat, in Zukunft weiter Musik zu machen, legt sie viel Wert auf ihre Noten und ihr Abitur. Wenn ihr nicht genug Zeit zum praktischen Üben bleibt, bereitet sie sich mental vor, unter anderem auch, um das Lampenfieber zu reduzieren. Verschiedene Übeanreize stärken ihren Willen, trotz des vollen Programms weiter an ihren musikalischen Fortschritten zu arbeiten. "Ich habe generell den Anreiz, besser zu werden, und lasse mich auch von großen Vorbildern wie Isabelle Faust oder Christian Tetzlaff inspirieren und motivieren. Ebenso helfen mir Wettbewerbe wie 'Jugend musiziert', dran- und motiviert zu bleiben." Wettbewerbe sind prägend. "Durch den enormen Druck der Wettbewerbssituation bin ich emotional sehr gefordert worden. Einerseits war das schwierig und extrem anstrengend, andererseits habe ich dadurch in sehr kurzer Zeit Entwicklungsschritte machen können, die ohne diese Erfahrung nicht möglich gewesen wären."
Nach Wettbewerben wird deutlich, wie das gründliche, detaillierte Auseinandersetzen mit Werken den eigenen Lernprozess gefördert hat und auch auf emotionaler Ebene eine gewisse Entwicklung aufweist. Man überwindet seine eigenen Grenzen, lernt mit fordernden Situationen umzugehen. Man kämpft für gute Ergebnisse und lernt, sich nicht selbst zu unterschätzen. Dadurch bleibt ein Wettbewerb ein ewiger Ansporn und endet in neuer Motivation, wenn sich in harten Zeiten die Arbeit auszahlt.