Da ist der Bär los

Touristikmesse zeigt Sloweniens schönste Seiten

Vögel zwitschern. Blätter rauschen in einem Sommerwald. Ein Bach plätschert munter vor sich hin. Mittendrin stehen fünf kleine Bären auf einem Tisch. Fröhliche, bunte Bären. Berliner Bären. Ein Slogan lautet: Berlin ist eine Reise wert. Das gilt ganz besonders, wenn die ITB stattfindet, die größte Touristikmesse der Welt. Gleich hinter dem Haupteingang der Messehalle, zu der nur geladene Gäste, Organisatoren, Geschäftskunden und Journalisten Zugang haben, erlebt man ein buntes Gewimmel und lautes Stimmengewirr mit Menschen aus aller Welt, viele in traditionellen Gewändern. Eine persönliche Begegnung für mehr als 90.000 Gäste aus 180 Ländern. 5500 Aussteller aus 161 Ländern waren vom 7. bis 9. März dabei, von A wie Albanien bis Z wie Zypern. Mit Ständen und Bühnen in ihren Landesfarben, mit Flaggen, Plakaten und Prospekten, mit Film- und Musikpräsentationen, mit Restaurants, Geschäftsessen, Kaffee, Klatsch und Kuchen.

 

"Herzlich willkommen! Endlich ist Corona vorbei, und wir können uns wieder persönlich begegnen", begrüßt Rebeka Kumer Bizjak ihre Gäste. Für die 41-jährige Direktorin der Slowenischen Touristik Organisation (STO) in Deutschland und ihr Team ist die Messe eine Freude und Herausforderung: "Für Slowenien als kleines Land ist es wichtig, unter all diesen Ausstellern aufzufallen." So leuchtet im Gewimmel eine grüne Oase, der slowenische Stand, mit natürlichen Farben, Formen und Materialien. Videoprojektionen sorgen für die passende grüne Atmosphäre, sogar ein Wasserfall rauscht. Eine großartige Kulisse. Doch die gesamte Touristik-Werbung ist erfolgreich. Die fünf kleinen bunten Bären sind der Beweis. Es sind vier "Golden City Gate 2023 First Stars" und ein "Silver Star", Auszeichnungen durch die ITB, die Slowenien für seine Präsentationen gewonnen hat, kein Land erhielt auf der diesjährigen Messe mehr. Kumer Bizjak ist stolz darauf. Schon aufgrund ihrer Größe und ihrer langen dunklen Haare ist sie nicht zu übersehen und sprüht vor Energie. "Auszeichnungen zu gewinnen, das ist sehr schön. Aber Preise einer Fachjury bringen nicht sofort Gäste ins Land." Slowenien präsentiert sich deshalb auch nicht nur mit den Schönheiten seiner Natur, sondern auch als Land des Sports und der Kultur. In diesem Jahr wird das Land Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sein. Deshalb finden an den drei Messetagen auch "Travel Talks" statt, in denen es um kulturelle Themen geht. An einem Tag geht es unter dem Titel "Discover Slovenia in Frankfurter Allgemeine Zeitung" in 30 Minuten um das Projekt "Jugend schreibt", das seit 2021 Menschen, Regionen und Traditionen aus Slowenien vorstellt: Die Rundfunkjournalistin Sabrina Gander moderiert. Interessierte Touristikexperten und Messegäste hören dem Gespräch aufmerksam zu. Insgesamt ein großes internationales Publikum.

 

Rebeka Kumer Bizjak hatte dazu nach Berlin eingeladen: "Denn ich bin begeistert vom Engagement und der Bedeutung von 'Jugend schreibt', weil das Projekt Jugendlichen in Slowenien die Möglichkeit gibt, ihre Perspektiven einer internationalen Gesellschaft vorzustellen, vor allem auch junge Leserinnen und Leser in Deutschland über unser Land zu informieren." Die Managerin wuchs auf einem touristischen Bauernhof auf und wusste schon als Kind, "was ich in meinem Leben machen wollte". Als Direktorin der STO in Deutschland lebt sie seit vier Jahren mit der Familie in München. Sie spricht fließend Deutsch. "Fremdsprachenkenntnisse sind wichtig, denn besonders der Tourismus ist ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor für Slowenien", erklärt sie. "Mit allen beteiligten Branchen wie Zulieferern, Caterern, Handwerkern und Souvenirs erwirtschaftet der Tourismus 15 Prozent des slowenischen Bruttoinlandsprodukts. Und aus Deutschland kommen die meisten Touristen nach Slowenien. 2022 sind es mehr als 680.000 Gäste und 1,8 Millionen Übernachtungen deutscher Besucherinnen und Besucher gewesen." Die Zahl entspricht etwa 85 Prozent der slowenischen Bevölkerung. "24 Prozent der deutschen Touristen waren übrigens Familien mit Kindern. Und ungefähr die Hälfte aller deutschen Gäste war zwischen 25 und 44 Jahren alt, nur 4 Prozent der Gäste sind älter als 65. Das zeigt, dass nach Slowenien vor allem deutsche Touristen kommen, die aktiven und grünen Urlaub machen möchten." Die Größe Deutschlands ist aber eine besondere Herausforderung für die STO. "Sie bedeutet nämlich", erklärt Kumer Bizjak, "dass wir in unterschiedlichen Regionen, zum Beispiel im weiter von Slowenien entfernten Norddeutschland, ganz unterschiedlich werben müssen, um die Menschen dort für Reisen nach Slowenien zu interessieren." Auch seien deutsche Touristen sehr anspruchsvoll, "denn sie achten besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und das gastronomische Angebot mit lokalen Gerichten. Und sie schätzen es sehr, wenn ihre Gastgeber Deutsch sprechen. Aber bisher hatten wir keine Beschwerden. Deutsche sind besonders von der Freundlichkeit ihrer slowenischen Gastgeber beeindruckt."

 

Allerdings würden Touristen vor allem einige wenige Highlights in Slowenien besuchen, "Bled, Ljubljana und Postojna als Ziele eines Sommerurlaubs. Deshalb gilt es noch viel zu entdecken, was euer F.A.Z.-Projekt ganz automatisch fördert", fügt sie hinzu. Dass Slowenien noch wenig bekannt ist, zeigt sich bei Recherchen auf der ITB. Natürlich liefern Gespräche mit einigen zufällig ausgewählten Reiseveranstaltern, Tourismus-Managern und Mitarbeitern kein repräsentatives Ergebnis. Aber die befragten Menschen aus Aserbaidschan, der Dominikanischen Republik, aus Japan, Namibia, aus Mexiko, von den Philippinen, aus Sansibar und Singapur gaben fast alle offen ihr Teil- oder Unwissen zu. Manche nannten überraschende Details. So sei Slowenien das Land, aus dem die Toblerone-Schokolade komme oder das an die Tschechische Republik grenze. Die Schweiz und die Slowakei werden das sicher verzeihen. Denn es wissen auch nicht alle Menschen ganz genau, wo Mali liegt und wie seine Hauptstadt heißt. Zu dieser Frage ergab sich am ITB-Stand von Simbabwe zufällig ein Gespräch mit einem älteren Paar. Reinhold und Kerstin Hemker sind längst pensioniert, aber international aktiv. Hemker war von 1994 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags und ist seit 1997 Präsident der Deutsch-Simbabwischen Gesellschaft: "Um für euer Land zu werben, müsst ihr aus Slowenien das vorstellen, was die Menschen schon aus ihrer eigenen Umgebung kennen und schätzen. Wenn ihr zum Beispiel in Köln oder Mainz Werbung für Slowenien machen wollt, dann müsst ihr euer Land mit dem Karneval in Verbindung bringen", empfehlen beide und freuen sich, dass es den Ptujer Karneval gibt. Sie bringen ihre Gesprächspartner mit Farai Chimba zusammen, dem 45-jährigen Präsidenten der simbabwischen Vereinigung für das Gaststättengewerbe. Der kräftige, fast zwei Meter große Manager berichtet sehr zufrieden, dass wieder mehr Touristen in sein Land kommen.

 

Begeistert erzählt er von den Nationalparks, von seiner Arbeit im 1904 gegründeten, weltberühmten Hotel an den Victoria-Wasserfällen. Chimba verabschiedet sich mit kräftigem Händedruck: "Es ist phantastisch, dass sich junge Leute wie ihr für Tourismus und Journalismus interessieren. Denn so kommen Menschen aus aller Welt zusammen und können sich besser kennen- und verstehen lernen." Auch Rebeka Kumer Bizjak arbeitet an diesem Ziel. Nun mit fünf Berliner Bären für ein Land, in dem es schon etwa 900 Bären gibt. Braune Bären. Echte Bären. In hellgrünen Wäldern. Mit Vogelgezwitscher.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2023, Nr. 157, S. 26 - Sara Vidovic, Matej Bratusa, Discimus Lab, Videm pri Ptuju

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