Damen sind begehrt

Schach im Verein: ein Königreich für ein Pferd

 

Läufer f1 matt!" Helmut Hürter ist leidenschaftlicher Schachspieler. Schon seine Eltern und sein Onkel spielten Schach. Auch sein bester Freund trat einem Schachverein bei. Er besuchte erst mit 15 Jahren eine Schach-AG, in der er schnell an Spielstärke gewann und an vielen Turnieren teilnahm. Das Spannende an Schach ist laut dem ehemaligen Mathematiklehrer des Hohenstaufen-Gymnasiums in Kaiserslautern, dass man Wahrheiten erkennt. Der 70-Jährige trägt eine Brille, ein kariertes Hemd mit einer schwarzen Strickweste und hat weiße Haare.

 

Schach fällt in die Kategorie Denksport. Die Anzahl der Spieler, die aktiv Schach spielen, wird auf rund 600 Millionen geschätzt. Der Deutsche Schachbund zählt ungefähr 87.000 aktive Mitglieder, die in rund 2300 Schachvereinen organisiert sind. Außerdem gibt es auch im Schachsport Profisportler, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Jedes zweite Jahr findet eine vom internationalen Schachverband FIDE organisierte Schachweltmeisterschaft statt, bei der die zwei qualifizierten Spieler um den Weltmeistertitel kämpfen, den der Norweger Magnus Carlsen seit 2013 trägt.

 

Helmut Hürter gab die Leitung der Schachgemeinschaft Kaiserslautern 1905 im Jahr 2019 zwar ab, blieb aber als einer der ehrenamtlichen Trainer aktiv. Momentan hat der Verein rund 60 Mitglieder. Auch während des Lockdowns bot der Pensionär ein Schachtraining für besonders ambitionierte Spieler an, an dem sechs bis acht Spieler teilnahmen. Darin wurde zunächst eine Taktikaufgabe - für die Eröffnung, das Mittel- oder das Endspiel einer Partie - gründlich besprochen. Alle Teilnehmer wurden einzeln gefragt, was sie von der Stellung halten und welche Seite, wenn beide Seiten die besten Züge spielen, gewinnen wird. Anschließend konnte man eine Partie, die man selbst gespielt hatte, vorlegen und mit den anderen diskutieren. Abhängig von der Teilnehmerzahl findet noch ein Simultanspiel gegen Hürter statt, bei dem er gegen verschiedene Spieler gleichzeitig spielt, oder ein Turnier, bei dem alle gegen alle spielen. Das Turnier wird auf Lichess, einer Website, auf der sich Schachspieler online anderen Spielern stellen können, gespielt. Die Spieler treten dabei auf einem virtuellen 2-D-Schachbrett gegeneinander an. Währenddessen kann man auf Zoom mit den anderen Teilnehmern kommunizieren. So kann man auch mit dem Gegner reden, was eine entspannte Atmosphäre erzeugt. "In der Regel werden 7 oder 9 Runden Schweizer System gespielt. Das bedeutet, dass man in jeder Runde einen neuen Gegner mit gleicher oder ähnlicher Punktzahl zugelost bekommt und eine Partie spielt. Bei Turnieren mit kürzerer Bedenkzeit wird jedoch meistens Jeder-gegen-Jeden gespielt", erklärt Vereinskollege Philipp Rölle. Er ist 28 Jahre alt, und hat Wirtschafts- und Umweltrecht am Umwelt-Campus Birkenfeld studiert. Vor Corona hat er bei vielen lokalen Turnieren gespielt, ein- bis zweimal im Jahr auch bei größeren internationalen Turnieren. Sein Vater brachte ihm die Schachregeln bei, als er acht Jahre alt war. Seitdem er zehn ist, spielt er in einem Verein. Mit einer Elo-Wertung von 2061, einer Angabe der Spielstärke, bezeichnet er sich als einen "überdurchschnittlichen Vereinsspieler. Nicht mehr und nicht weniger."

 

Er erinnert sich an ein denkwürdiges Schnellschach-Turnier: Dort spielte er in der letzten Runde gegen den Erstplatzierten und haushohen Favoriten. Dieser bot ihm vorzeitig Remis an, ein Unentschieden, da der halbe Punkt ihm den Turniersieg gesichert hätte. Gleichzeitig wäre Rölle damit sicher in den Top 5 gelandet. Nach kurzem Überlegen lehnte er ab, spielte eine schöne Partie und konnte seinen Gegner gerade noch Sekunden vor Ablauf seiner Bedenkzeit matt setzen. Erst danach wurde ihm von einem der zahlreichen umstehenden Zuschauer mitgeteilt, dass der Punkt ihn gleichzeitig zum alleinigen Turniersieger gemacht hatte.

 

"Bei Schach gibt es kein Glück oder Zufall im klassischen Sinne", meint Philipp Rölle. Denn beide Spieler haben bei Partiebeginn exakt die gleichen Figuren und Möglichkeiten, wenn man vom kleinen Anzugsvorteil der weißen Steine absieht. "Wenn man verliert, hat man etwas falsch gemacht. Und wenn man gewinnt, muss man etwas besser als der Gegner gemacht haben. Ein einziger guter oder schlechter Zug kann für den Partieausgang jedoch schon entscheidend sein." Man lernt viele neue Leute in verschiedenen Alters- und Berufsgruppen kennen. Ein oder sogar zwei lange Turnierpartien am Tag können körperlich richtig an die Substanz gehen. Viele Spieler bauen ab etwa 40 Jahren spürbar an Spielstärke ab. "In meinen Augen ist Schach Sport", sagt Philipp Rölle. "Partien auf hohem Niveau zu spielen erfordert sehr viel Konzentration und auch Kondition. Ein gesunder Geist erfordert einen gesunden Körper. Die aktuelle Weltspitze veranschaulicht das."


Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2023, Nr. 49, S. 26 - Tianjian Thomas Yi, Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern

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