Dem Schreiben verschrieben

Von der Krankenschwester zur erfolgreichen Fantasy-Autorin


Ein Regal, bunt gefüllt mit Büchern, die man selbst erschaffen hat, ist wohl das Ziel aller Autoren. "Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ich heute ausschließlich vom Schreiben lebe, hätte ich ihm den Vogel gezeigt", sagt die 37-jährige Autorin Johanna Danninger. Die Frau mit den feuerroten Haaren und den hellen Augen lebt mit ihrem Ehemann in Simbach am Inn in Niederbayern. Mit ihrer Kreativität, der offenen Art und der Freude daran, etwas Eigenes und Neues zu erschaffen, verdient sie inzwischen ihren Lebensunterhalt.

Schon als Kind träumte Danninger davon, irgendwann ihr eigenes Buch zu veröffentlichen, doch da das Autorendasein für sie damals kein wirklicher Beruf zu sein schien, wollte sie während ihrer ersten Schuljahre Tierärztin werden. Aber auch aus diesem Ziel sollte nichts werden, denn nachdem sie 2003 ihre Mittlere Reife an einer Realschule absolviert hatte, folgte eine Ausbildung zur Krankenschwester, die sie erfolgreich abschloss. "Ich wollte arbeiten und Geld verdienen", erzählt sie rückblickend, denn schon immer sei sie eine unwillige Schülerin gewesen, die es vorgezogen habe, mit den Lehrern zu diskutieren. Ihre Schulzeit vermisst sie also nicht, auch wenn sie anmerkt, wie leicht ihr das Fach Deutsch stets von der Hand gegangen sei. Dazu trägt wohl auch Danningers Leidenschaft bei, sich eigene Geschichten auszudenken, die sie ab dem Zeitpunkt, an dem sie lesen konnte, verfolgte. Während ihrer Jugend verliert sich dieses Hobby ein wenig, um mit Mitte zwanzig dafür umso stärker wieder hervorzutreten. Irgendwann beginnt die junge Frau, sich an ihren Laptop zu setzen und die Geschichten, die sich aus ihren Gedanken gesponnen hatten, aufzuschreiben. Ihr Fantasyroman "Secret Elements", der später sogar zu einer Reihe wird, beginnt zu entstehen.

Doch auch zu diesem Zeitpunkt ist sie noch weit davon entfernt, Vollzeit-Autorin zu sein. Noch immer arbeitet sie als Krankenschwester, während das Geschichtenerfinden nur eine Nebenbeschäftigung darstellt. Vom Schreiben leben zu können, konnte sie sich nicht wirklich vorstellen. Allerdings beginnt sie irgendwann, sich immer wieder mit ihren Manuskripten bei Jugendbuchverlagen zu bewerben. Trotz niedriger Erwartungen gelingt es ihr letztendlich, sich durch das sogenannte "Selfpublishing" bei Amazon mit einem Kinderbuch erstmals Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ein Funke von Hoffnung lässt sie schließlich ihren ersten Erwachsenenroman "Vorhofflimmern" im Selbstverlag als E-Book hochladen, der völlig unverhofft zum Kindle-Bestseller wird. Sogar im hauseigenen Amazon-Verlag Montlake Romance soll dann 2014 ihr erster Erfolgsroman verlegt werden. Danninger erzählt stolz: "Anstatt Hunderte Bewerbungen abschicken zu müssen, wurde ich vom Verlag angeworben. Weil ich mit meinem Buch schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und Montlake Romance nach ebenjenen Romanen suchte. Das war verrückt." Für sie sei der Moment der Zusage der Zeitpunkt gewesen, an dem sie ihren Fuß fest in der Autorenwelt verankert habe.

Als nun auch ein zweites ihrer Bücher zum Kindle-Bestseller wird, sind ihre Einkünfte so gut, dass sie beginnt, ihre Arbeitsstunden als Krankenschwester zu reduzieren. Aus Vollzeit wurde schnell halbtags, letztlich folgte dann die Kündigung, auch wenn sie diesen Schritt raus aus der "Sicherheit einer Festanstellung" und rein in die "Unsicherheit künstlerischer Selbständigkeit" noch heute als sehr schwer ansehe. Selbstbewusst berichtet sie von dem Mut, den sie damals aufbringen konnte, um ihre "Leidenschaft des Erzählens zur Vollzeitbeschäftigung zu machen". Und selbst wenn ihr die finanzielle Unsicherheit des Berufs immer noch stets Angst und Sorgen bereitet, gibt es für sie ansonsten keine negativen Aspekte. Ihr Job fühle sich nicht wie Arbeit an, sogar das Fehlen von Wochenenden, Feiertagen oder Urlaub stehe für sie im Hintergrund, da der Spaß am Schreiben nach wie vor dominiere. Was Johanna Danninger aber dennoch betont, ist, dass sie das Berufsbild Romanautor nicht ohne mögliche Ausweichoptionen, wie ein Studium oder eine Ausbildung, empfehlen würde.

Ihren Alltag gestaltet sie nun ganz nach ihrem Belieben. Ihre Routine sei aber jeden Tag ähnlich. "Ich stehe auf, wenn ich wach bin", sagt sie schmunzelnd und berichtet von ihrer täglichen Routine, Kaffee zu trinken, ihre Social-Media-Kanäle zu kontrollieren und dann den Weg in ihr Büro einzuschlagen, um dort so lange zu schreiben, wie es ihr gefällt, denn ihre Arbeit richte sich nach dem kreativen Fluss. Mit der Zeit verändert habe sich jedoch das Vorgehen beim Verfassen eines neuen Romans. In Momenten, in denen die Niederbayerin früher einfach drauflosgeschrieben hätte, ist sie heute durch einen zuvor beim Verlag eingereichten Projektvorschlag strenger an eine bestimmte Geschichte gebunden. Am schwersten wird das Verfassen eines Buchs für die lebensfrohe Frau, wenn sie einmal mittendrin die Lust an der Geschichte verliere, dann gelte: "Dranbleiben und mit noch mehr Nachdruck arbeiten."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2023, Nr. 211, S. 30 - LOTTE GROSS, Rosenstein-Gymnasium, Heubach

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