Im Freiburger Park ziehen die Slackliner Leine
Slackline: Was ist das? "Mein großes Hobby", so beantwortet Emil Breuer, einer der Gründer des Slackline Vereins Freiburg, diese Frage. Der 25-Jährige hatte vor seinem 22. Lebensjahr noch nie etwas mit einer Slackline zu tun. Das änderte sich bei einer Bosnienreise 2019 mit einem Freund, als er das erste Mal auf einer Highline gelaufen ist. Das Wort "Slackline" kommt aus dem Englischen und heißt "schlaffe Leine". Das Laufen darauf wird als slacken oder slacklinen bezeichnet. Die Slackline ist meist aus Polyester oder Nylon. Breuer und seine Freunde haben in Freiburg den Slackline Verein gegründet. Die Idee hatten sie während der Pandemie, denn sie wollten rausgehen, Sport treiben und Spaß haben. Eine Telegram-Gruppe wurde erstellt, schon bald wurden aus den fünf Leuten hundert. "Davon sind vielleicht so 30 aktiv", meint Breuer. Sie treffen sich einmal die Woche, beliebter Treffpunkt ist der Freiburger Eschholzpark.
Der Wind weht so stark im Park, dass die Äste der Bäume hin und her wehen, fast als würden sie tanzen. Das Gras lässt sich von der Melodie des Windes ebenso mitziehen. Man spürt auf der Haut, wie der Wind stärker wird, spürt die Sonne und hört die Stimmen der Slackliner, während sie ihr Band aufbauen, Kinder, die auf dem nahen Spielplatz spielen, und die Eltern, die nach ihnen rufen. Trotz des bewölkten Tages sind im Eschholzpark ziemlich viele Menschen. Die Hobby-Slackliner sind ein Teil davon. Gerade spannen sie die Slackline: Sie gehen zu den zwei gewählten Baumstämmen und ziehen das Seil darum. Die Bäume stehen ungefähr vierzehn Meter voneinander entfernt. Zuvor wird der Baumschutz befestigt. Der Schutz der Bäume ist einer der Hauptgründe, warum das Slacklinen an einigen Orten verboten ist. Kritiker des Sports argumentieren, dass die zwei bis fünf Zentimeter breite Slackline die Stämme zerstört, indem der ausgeübte Druck auf die Borke wirkt und das darunterliegende Gewebe zerstört. "Das ist das Hauptargument der Ämter", sagt Breuer. "Früher hat man Slacklines viel fester gespannt als jetzt. Und wenn man den Baum nicht schützt, dann kann er, wenn man immer denselben Baum benutzt, dabei kaputtgehen. Aber wenn man es vernünftig macht und Baumschutz benutzt, dann passiert nichts." Ein weiteres Argument ist die Angst der Bürger, denn es "sieht sehr gefährlich aus, ist es aber nicht", berichtet der Hobby-Slackliner. "Highlining ist nicht gefährlich." Denn außer man ist lebensmüde oder ein bisschen verrückt, macht das jeder gesichert. Das Fallen ist ein großer Teil des Sports, denn "man fällt die ganze Zeit", weiß Breuer aus eigener Erfahrung. Er ist ganz oft runtergefallen, hat sich allerdings nie ernsthaft verletzt. "Ohne Fallen lernt man auch nicht aufstehen", haben ihm seine Erfahrungen beigebracht.
Heute werden im Park sogar vier Seile gespannt, an acht Baumstämmen. Die ersten zwei werden höher, aber dafür lockerer gebunden, sodass sie eine parabelähnliche Form annehmen, die anderen zwei sind ungefähr zwei Meter über dem Boden straff gespannt worden. Nachdem all die Lines sicher befestigt wurden, fangen die ersten Slackliner an, auf ihnen zu balancieren. Der 25-Jährige erzählt, dass man mehr braucht als nur eine Slackline. "Man braucht ein Back-up." Das ist ein Ersatzband, für den Fall, dass die Hauptline bricht. Auch der Baumschutz ist erforderlich. Balanciert man auf höherer Höhe, kommen ein Klettergurt und das Seil dazu, das den Gurt an der Slackline befestigt. Dieses Sicherungsseil wird auch "Leash" genannt, genauso wie beim Surfen. "Dann braucht man einen Anker, wo man die Slackline festmacht an dem Baum, und ein paar spezielle Karabiner." Heute im Park braucht der Verein all diese Sachen nicht, denn die Profis wissen, wie sie am besten fallen und wieder aufstehen.
Dieser Sport ist ziemlich flexibel, solange man selbst eine Slackline besitzt. Dabei kosten "billige Slacklines 50 bis 60 Cent oder bis zu einem Euro den Meter", während "teure vielleicht 2 Euro bis 2,50 Euro den Meter kosten", berichtet Breuer. Alles zusammen kommt man auf ungefähr 160 Euro für die billigste Aufrüstung. Eine Slackline von guter Qualität, auf die man gut aufpasst, kann Jahre halten.
Es gibt viele verschiedene Kategorien wie Lowlining, Longlining, Waterlining oder Highlining. Beim Highlining wird die Slackline auf großer Höhe gespannt, etwa über eine Schlucht zwischen zwei Felsen oder zwischen Häusern. Dabei ist man dann mit der Leash gesichert. "Der Weg mit dem Fahrrad zur Line ist das Gefährlichste", meint Breuer. Um solch eine Highline aufzubauen, braucht es Durchhaltevermögen. Es ist viel komplizierter, als man denkt. "Prinzipiell muss man immer ein Seil von A nach B bringen, darüber eine Tagline, und an der Tagline zieht man dann die Slackline rüber. Wenn man nicht runterlaufen oder sich abseilen kann, muss man Drohne fliegen", sagt Breuer. "Man kann auch Bogen schießen, der Kreativität sind hier echt keine Grenzen gesetzt."
Beim Highlining Freestyle liegt der Fokus dann auf Tricks machen. Salto, Rolle, Handstand, egal was es ist, Hauptsache, es sieht spektakulär aus. Diese kleine "Nische", wie Breuer sie nennt, ist noch ziemlich jung. "Gerade kann man quasi noch Tricks erfinden, weil halt noch nichts gemacht ist." Er wolle selbst ein bisschen von seiner Handschrift mitgeben und "die nächsten paar Jahre auf jeden Fall oben mitspielen". Langsam wird diese Sportart immer bekannter. So fand im vergangenen Jahr die erste World Championship im Highlining in der Schweiz statt. Mit dem Highlining Geld zu verdienen ist relativ schwer. Es gibt nur eine Handvoll Menschen, die es geschafft haben, diese lassen sich normalerweise von Firmen sponsern. Aber die Community wächst.