Ein Monument der Kommunisten verfällt
Am Busludscha-Monument in Bulgarien nagt der Zahn der Zeit. Was mit ihm geschehen soll, ist umstritten. Wie ein Ufo erhebt sich im Morgengrauen das Relikt der Vergangenheit über dem Tal der thrakischen Könige und der Rosenstadt Kazanlak auf dem Gipfel des Chadschi Dimitar im Balkangebirge: Busludscha mit seinem 70 Meter hohen Turm. Die Geister der Vergangenheit kreisen um das konfliktreiche Denkmal. Ehrfurcht stellt sich ein im Schatten des größten ideologischen Monuments Bulgariens. Gebaut, um ewig im Gedächtnis der Nation zu bleiben, sollte das Haus Denkmal der Bulgarischen Kommunistischen Partei sein. Jäh endete dieser Traum mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Zehn Kilometer entfernt befindet sich das Monument der Freiheit, das Schipka-Denkmal, zum Gedenken an die Schlacht zur Befreiung vom osmanischen Joch 1878. Dreizehn Jahre später wurde am Chadschi Dimitar die kommunistische Ursprungspartei gegründet. Der 1441 Meter hohe Berg ist das geographische Zentrum des Landes. Das Monument Busludscha wurde 1981 fertiggestellt. Sein Architekt Georgi Stoilov war später Gründer der Internationalen Akademie für Architektur. Noch heute wirkt das Monument futuristisch. Es strahlt die einstige Prominenz aus. Der einzelne Mensch zählte im Vergleich zur Kraft des Regimes nichts. Das Individuum sollte sich klein und unbedeutend fühlen im Schatten des architektonischen Ungeheuers. Gleichzeitig soll es sich unbewusst als ein Teil von etwas Größerem erleben. Das Gebäude gehört zum Baustil des Brutalismus. Es ist geprägt durch die riesige Menge an Beton, durch einfache geometrische Formen und den Mangel an Dekor oder Besonderem. Die Bauweise ist typisch für administrative Gebäude während des Kalten Krieges.
Mosaiken aus 2,5 Millionen Steinchen stellen die Symbole der Kommunistischen Partei und ihre bedeutendsten Personen im Inneren des Monuments dar: Künstler wie Valentin Starchev, Toma Varbanov und Grigor Spiridonov bildeten "Die Geburt der Partei", "Die bulgarisch-sowjetische Freundschaft" und "Internationale Arbeitssolidarität" ab. Todor Schiwkow (1911-1998), die führende Gestalt des bulgarischen Kommunismus, und seine Tochter Ljudmila sind dargestellt.
Als Heiligtum und Kongresszentrum der Bulgarischen Kommunistischen Partei diente Busludscha bis 1989, dem Ende des Regimes im Land. Anschließend geriet das Denkmal in Vergessenheit und zerfiel langsam. Graffiti bedecken es heute. Wind und Kälte nagen an der Bausubstanz. Zerbrochene Fenster, abgebrochene Teilchen von Mosaiken liegen auf dem Boden verstreut. Trotzdem bleibt die Attraktivität. 50 000 Interessierte besuchen den Ort jährlich. Nicht allein Fans verlorener Plätze oder des "Dark Tourism" finden sich ein. Das öffentliche Interesse wächst. Der Regisseur Dennis Gansel drehte hier einige Szenen für seinen Action-Thriller "Mechanic: Resurrection" (2016). Im Film transferiert Tommy Lee Jones in der Rolle von Max Adams, dem Hauptcharakter, das Monument in die Küstenstadt Varna am Schwarzen Meer. Im Film gibt Adams ein Vermögen aus, um ein Denkmal für den Kommunismus zu restaurieren, um es in seine Festung mit einer versteckten U-Boot-Basis zu verwandeln.
Viele Menschen in Bulgarien lehnen es ab, das Monument zu konservieren, weil sie sich mit dem ehemaligen Regime nicht identifizieren wollen. Dora Ivanova ist die Architektin hinter dem Projekt der Restauration von Busludscha. Sie ist 32 Jahre alt und hat in Berlin studiert. Für sie ist Freiheit der wichtigste Wert. Busludscha entdeckte sie zufällig während ihres Studiums. Wo die meisten ein Problem erblicken, hatte sie eine Vision: Totalitäre Regimes zerstören die Spuren der Vergangenheit, nicht die Demokratie, die gibt das Recht auf Meinungsfreiheit und bereichert. Es ist wichtig, einen Dialog zu führen, um sich zu erinnern und zu wissen, was passiert ist, damit wir die Fehler nicht wiederholen. Im Besucherstrom liege eine ungenutzte Möglichkeit für die Region: Ziel ist es, das kulturelle Potential zu nutzen, um Toleranz aufzubauen. Der Wert des Ortes liegt in seinem Widerspruch. Ihre Idee ist, einen Ort zu schaffen, der Menschen zusammenbringt, und das Monument zu einem versöhnlichen Symbol mit dem Vergangenen umzugestalten. Der Wandel ist herausfordernd, die Botschaft müsse sein: Bulgarien ist bereit, sich mit der Geschichte zu versöhnen. Den Weg in eine bessere Zukunft fortzusetzen, ohne den zurückgelegten Weg zu vergessen.