Ein Mechaniker hat für jeden was auf Lager
Im malerischen Dorf Wolfhausen in der Schweiz, umgeben von grünen Hügeln und Ruhe, gibt es einen Ort, der vor Energie und Begeisterung sprüht: das "Radlager". Es ist weit mehr als nur ein Fahrradgeschäft; es ist ein Epizentrum für Fahrradbegeisterte, ein Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen ihre Liebe zum Fahrrad teilen und pflegen.
Im Zentrum steht der charismatische Stefan Strässle, dessen Leidenschaft für Fahrräder und große Wertschätzung für seine Kunden das "Radlager" zu dem gemacht haben, was es heute ist. Ein Kunde bringt es auf den Punkt: "Stefan ist ein sehr witziger und charmanter Typ, bei ihm ist Fahrradkaufen oft auch Comedy. Trotzdem hat man am Schluss immer das Bike, das gut zu einem passt."
Strässle ist 44 Jahre alt, braunhaarig, etwa 1,80 Meter groß und hat oft ein freundliches Grinsen auf dem Gesicht. Er hat drei Kinder, die 17, 15 und elf Jahre alt sind. Er kennt jedes Gesicht und jeden Namen und begrüßt jeden Kunden wie einen alten Freund. Ein anderer Kunde fügt hinzu: "Obwohl der Laden ein bisschen in der Pampa ist, fühlt man sich im Radlager immer wohl und gut aufgehoben." Strässle erinnert sich sogar an die genauen Fahrradmodelle, die die Kunden gekauft haben.
"Schon als Kind in der dritten Klasse schrieb ich in einem Aufsatz, dass ich, wenn ich mal groß bin, Fahrradmechaniker werden möchte", erzählt Strässle. Seine Mutter hat ihn vor einem Jahr mit dem Aufsatz überrascht - er hatte ihn schon lange vergessen. Er habe schon immer eine besondere Beziehung zu Fahrrädern gehabt, und schon als Kind reparierte er seines immer selbst. Er spricht von "Schicksal" und von "Glück", und man sieht, wie seine Augen funkeln.
Aber seine Passion für Fahrräder stellte ihn in seinem Leben auch vor Herausforderungen. "Fahrräder verkaufen ist nicht unbedingt ein Job, mit dem man seine Familie gut ernähren kann." Um trotzdem seiner Leidenschaft für Fahrräder zu frönen, musste er nebenbei als Pizzakurier arbeiten. Keine einfache Zeit und eine Belastung für ihn und seine Familie.
Das "Radlager" hat Strässle nicht selbst gegründet, sondern übernommen. 2001 hat er als erster Lehrling dort seine Laufbahn gestartet. 14 Jahre später hat er die Geschäftsführung übernommen - eine große Herausforderung. Die Banken waren nicht vom Erfolg des Ladens überzeugt, und die Finanzierung war sehr schwierig. Doch dass er dies gemeistert und das Geschäft erfolgreich übernommen und weiter aufgebaut hat, darauf ist Strässle besonders stolz.
In der Zwischenzeit sind mehr als 60 Prozent der Fahrräder, die dort verkauft werden, E-Bikes. Diese sind nicht nur Fahrräder mit Motoren, sondern auch kleine Computer. Das elektronische Zusammenspiel zwischen Batterie, Antrieb und Steuerung stellt Strässle und seine sieben Mitarbeiter vor ganz neue Herausforderungen. Früher hatte der Fahrradmechaniker den Schraubenzieher und die Zange in der Hand, heute viel öfter das Keyboard und die Computermaus. "Jedes Jahr gibt es neue Herausforderungen, und jeder Service eines Fahrrads ist anders. Keine Arbeit ist gleich, und mein Job ist sehr abwechslungsreich." Sich ständig an die Technologien und Entwicklungen anzupassen, darin findet er seine Motivation und seinen Antrieb, und es ist wohl einer der Schlüssel für den Erfolg.
"Jeder soll im Laden herzlich willkommen sein und sich wohlfühlen. Ich will alle meine Kunden wie Freunde behandeln, und deshalb sprechen wir uns alle mit Du an." Einmal betrat ein bekannter Formel-1-Fahrer sein Geschäft und wurde von einem Lehrling bedient. Als der prominente Kunde dann das Geschäft verließ, erzählte Strässle dem Lehrling, wen er gerade bedient habe. Der Lehrling war geschockt. "In meinem Laden interessiert es uns aber nicht, welche Jobs unsere Kunden haben. Es geht uns um die Menschen."
"Die Größe des Ladens möchte ich definitiv behalten und nicht riesig wachsen. Auch Filialen aufzubauen funktioniert aus meiner Sicht nicht", meint Stefan Strässle. "Wir arbeiten aktuell an einer weiteren Zertifizierung unserer Werkstatt, was uns zusätzlich als Fachwerkstatt auszeichnen wird." Strässle möchte weiter am Ball bleiben und an der Spitze der Fahrradindustrie mitmischen. "Eine große Herausforderung ist es jedoch, Fahrradmechaniker zu finden, da es sehr wenige auf dem Arbeitsmarkt gibt." Dann erzählt er noch von seinem kleinen Traum: sein "Radlager" nach Männedorf an den Zürichsee umzusiedeln, näher an seine Familie.