Der Big-Wave-Surfer João Macedo führt ein Leben im Rhythmus der Wellen
Die Wellen wachsen zu meterhohen Wänden heran, das Meer tost in den Ohren, und die salzigen Fluten werden zu Monstern. Schnell schmeißt sich João Macedo auf sein rotes Brett und paddelt den riesigen Wassermassen tapfer entgegen. Gekonnt schießt der 46-jährige Big-Wave-Surfer auf seinem magischen Teppich die stürmischen Wellen des Ozeans herunter und fährt jauchzend dem spritzenden Wasser davon. In den turbulenten Gewässern von Nazaré fühlt sich der Portugiese ganz in seinem Element und folgt seiner Passion fürs Surfen und der Liebe zur Natur. Sein fröhliches Lachen zeigt, dass der Fokus darauf liegt, Spaß zu haben, und nicht darauf, zu gewinnen. "In unserem Leben dramatisieren wir manchmal unsere Verluste. Es ist in Ordnung zu sagen, dass ich die Welle nicht erwischt habe. Es wird immer eine weitere Gelegenheit, einen weiteren Wettbewerb geben."
Geboren in den Vereinigten Staaten, verbrachte Macedo den Sommer mit seinen Eltern in deren Heimat und sammelte erste Erfahrungen am Praia Grande an der Küste Sintras. "Meine Großmutter ermutigte mich schon in sehr jungen Jahren, mich den rauen Wellen des Atlantiks zu stellen. Sie war diejenige, die mir als Erstes ein Bodyboard kaufte." Als João sieben Jahre alt war, zog die Familie an die Atlantikküste. João bekam mit zwölf Jahren sein erstes Surfbrett von den Eltern geschenkt. Macedo hat heute einen Abschluss in Wirtschaft und ist spät in die Welt des professionellen Surfens gestartet. Seinen eigenen Angaben zufolge war er der erste europäische Surfer, der sich für die World Surf League (WSL) Big Wave Tour qualifiziert hat. In der Saison 2012/2013 landete er dort unter den Top Five und ist seitdem nicht mehr aus der Surfszene wegzudenken.
Mit seinem markanten Aussehen, dem drahtigen Körperbau und der charismatischen Ausstrahlung hat der Portugiese die Aufmerksamkeit der internationalen Surfszene auf sich gezogen. Seine Fähigkeit, sich mit den gigantischen Wellen zu verbinden und dabei scheinbar schwerelos zu sein, fasziniert viele. 2022 bezwang er die größte Welle seiner Karriere, die beinahe 26 Meter fasste, und stellte einen persönlichen Rekord auf. Während und nach dem Ritt empfand er berauschende Emotionen: "Es hat etwas Schönes, wie roh diese gigantischen Wellen sind."
Doch solch ein Höhepunkt bringt oft auch einen mentalen Tiefpunkt mit sich. Die Adrenalinausschüttung während dieses Sports ist groß. Der Surfer musste lernen, wieder in den normalen Alltag zurückzufinden und mit weniger aufregenden Momenten umzugehen. Trotz allen Mutes und der Hingabe hat Macedo auch Bedenken: "Da ich einen Sohn habe und mich in der letzten Phase meiner Karriere befinde, ist die Angst vor dem Tod natürlich sehr real." Sein Umfeld und insbesondere sein zehnjähriger Sohn Zezinho leben mit einer konstanten Anspannung und Angst um ihn. Glücklicherweise hat Macedo noch nie aufgrund von fehlendem Sauerstoff das Bewusstsein verloren, und selbst in brenzligen Momenten hatte er immer das Gefühl, die Situation bewältigen zu können. Trotzdem beschreibt er ernst seinen Respekt vor den heranrollenden Wellen und der Gefahr, die Kontrolle zu verlieren: "Es gibt die Angst davor, die herannahenden Wellen zu sehen und nicht zu wissen, wohin man gehen soll." In solchen Momenten sei die größte Herausforderung, auf seine Instinkte und Vorbereitungen zu vertrauen. "Es ist die größte mentale Übung, während des heftigen Teils ruhig zu bleiben." Mit dem Fortschreiten seiner Karriere begann er, das Risiko genauer abzuwägen, und arbeitete eng mit Mentaltrainern zusammen. Es brauche eine starke Psyche, um sich immer wieder den Naturgewalten zu stellen und sich mit den Albträumen der vorangegangenen Tage auseinanderzusetzen: "Es sind die schwierigen Situationen, die uns nachts wach halten."
Macedo betrachte den Wettkampf als etwas Besonderes und versuche, die Aufregung positiv zu kanalisieren. "All diese Ängste und Emotionen würden sich positiv anfühlen, wenn man feiert, dass es ein so besonderer Tag ist." In stressigen Situationen versuche er, sowohl im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, als auch in den Flow-Zustand zu gelangen. Obwohl ihm das Ergebnis wichtig sei und er großen persönlichen Einsatz zeige, stünden für ihn die persönliche Weiterentwicklung und der Umgang mit der Umwelt im Vordergrund. Die Wahrung seiner inneren Werte und Überzeugungen hat für ihn große Bedeutung, er sieht die Aufgabe der Surfer darin, Respekt für andere und Fair Play aufzubringen. "Die aggressive Seite des Wettbewerbs ist kein gesunder Wert für uns in der Gesellschaft." Sollte ein Surfer in Gefahr sein, habe die Rettung oberste Priorität, und die Aspekte der Konkurrenz träten in den Hintergrund.
Trotz seines Ruhms ist Macedo bodenständig geblieben. Er widmet sich dem Schutz der Ozeane und arbeitet eng mit Umweltorganisationen zusammen, um das Bewusstsein für den Erhalt der Meeresressourcen zu schärfen. Er zeigt Verständnis dafür, wie viel Zeit eine nachhaltige Veränderung braucht. "Man kann noch so unzufrieden sein, wenn etwas schiefläuft, aber Verzweiflung hilft nicht, neue Lösungen zu finden." Durch die Gründung seiner Non-Profit-Organisation Hope Zones Foundation möchte er die Schönheit und Kraft des Ozeans schützen, damit auch zukünftige Generationen das Privileg haben, die Wunder des Surfens zu erleben und auf ihren Reisen mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen.
Mit dem Aufbau seiner Surfschule in Praia Grande und Carcavelos im Jahr 2000 hat er sich einen Traum erfüllt. "Das ist meine Leidenschaft. Ich verbringe jede Minute am Strand und trainiere junge Surfer." So bestreitet er seinen Lebensunterhalt, unterstützt durch Sponsoren, Preisgelder und Vorträge. Er wünscht sich, jungen Talenten, die zu ihm aufsehen, Werte von persönlichem Einsatz, Geduld und Toleranz zu vermitteln.
João Macedo ist ein Pionier, der die Grenzen des Unmöglichen verschiebt. Mit jedem gewagten Ritt auf einer riesigen Welle inspiriert er andere, ihre Ängste zu überwinden und ihren Träumen zu folgen. Der Portugiese hat bewiesen, dass mit Hingabe, Mut und Leidenschaft alles möglich ist und dass die Gewalten des Meeres auch Quellen der Freiheit und des persönlichen Wachstums sein können. Das Wissen, dass es immer eine nächste Welle geben wird, ist sein Lebensmotto. "Es gibt immer eine weitere Gelegenheit, eine weitere Chance für dich, erfolgreich zu sein."