Eine indische Trauung aus dem Jahr 1976 vor mehr als 400 Gästen verzaubert immer noch
Im traditionsreichen Land Indien, wo Werte fester Bestandteil des Lebens sind, steht ein freudiges Fest bevor. Im Frühjahr 1976 bereitet sich Neelam Vora, eine 19-jährige lebhafte Frau, in Natepute im Bundesstaat Maharashtra auf ihren Hochzeitstag vor. Familie, Freunde, Verwandte, Bekannte und Nachbarn warten sehnsüchtig auf die Hochzeit, die mit 400 eingeladenen Gästen einzigartig zu werden verspricht. Die Aufregung hatte sich zwei Monate lang angestaut, seit sich beide Familien zu einem Mittagessen im Haus von Neelams Eltern trafen.
Zwar kennen die Familien sich gut, weil sie verwandt sind, aber schließlich geht es um die Zukunft von Neelam und Prakash, und darum nehmen sie sich die Zeit, einander besser kennenzulernen. Ein Horoskopexperte wird gerufen, um die Sterne nach Übereinstimmung der Sternzeichen von Neelam und Prakash zu befragen; und wie es das Glück will, hält er diese Bindung für geeignet. Einen Monat später steht die Verlobungsfeier an, bei der das Paar Ringe austauscht.
Der langersehnte Tag der Hochzeit naht. Sie findet an drei Tagen mit traditionellen hinduistischen Zeremonien statt. Die erste, Sangeet, ist ein Abend mit Musik- und Tanzaufführungen von Cousinen, Cousins und Freunden des Paares. Die Hände und Füße der Braut werden bei der zweiten, der Mehendi-Zeremonie, von professionellen Künstlerinnen mit hübschen Henna-Mustern verziert. Bei der letzten, der Haldi-Zeremonie, bekommt der Bräutigam von Familie und Freunden eine Paste auf Hände, Gesicht und Füße gestrichen. Diese ist eine Mischung aus Kurkuma, Öl, Sandelholzmehl, Rosenwasser, Milch, Kokosnussöl, Mandelpulver und Zitronensaft. Sie dient der Reinigung und verleiht Glanz. Diese Zeremonien sind eine Vorbereitung auf den großen Tag. Mit ihrem strahlenden Lächeln und dem welligen schwarzen Haar drückt Neelam die Anmut und Schönheit einer geheimnisvollen vergangenen Zeit aus.
"Während ich den prächtigen Seidensari anziehe, der mit Goldfäden und grünen Broschen verziert ist, die den Neuanfang eines glücklichen Lebens symbolisieren, strahlen meine Augen, und in diesem Moment denke ich an meine Träume", sagt Neelam. Das leise Klirren ihrer silbernen Fußkettchen hallt durch die Flure und erfüllt das Elternhaus mit Vorfreude auf die Feier. "Mein Elternhaus, das einst mit gedeckten Farbtönen geschmückt war, erblüht nun zu einem Kaleidoskop leuchtender Farben", erwähnt Neelam mit Freude. Die Wände sind mit Ringelblumengirlanden geschmückt, die den Festlichkeiten einen goldenen Glanz verleihen. Duftende Jasminblüten, sorgfältig zu komplizierten Zöpfen geflochten, schmücken die Löckchen der Frauen und verbreiten ihren süßen Duft mit jeder sanften Brise. Der Innenhof verwandelt sich in einen magischen Garten, geschmückt mit seidenen Baldachinen, die sich in der sanften Abendbrise bauschen. Der alte Banyanbaum steht majestätisch da und ist Zeuge des Generationenwechsels, während er nun in ein helles Gewand aus Lichterketten gehüllt ist. Unter seinen schützenden Zweigen wartet der mit frischen Blumen und aromatischem Weihrauch geschmückte Hochzeitsmandap, der Hochzeitsaltar, auf die heilige Vereinigung zweier Seelen. Als die Sonne untergeht und gold- und orangefarbene Töne über den Himmel wirft, erfüllen die melodischen Klänge der Sitar und Tabla die Luft. Musiker spielen alte Melodien.
Die ihre Handgelenke mit glitzernden Goldarmreifen geschmückt habenden weiblichen Gäste tragen Saris in leuchtenden Safran-, Smaragd- und Königsblautönen, und um die Schönheit ihrer Augen noch mehr hervorzuheben, haben sie schwarzes Kajal aufgetragen. Die Bindis, die mitten auf der Stirn zwischen den Augenbrauen aufgemalt sind, vollenden ihren Charme und Glanz und symbolisieren die Ehe und beschützen das Paar. Die Männer, gekleidet in traditionelle Kurtas, strahlen Eleganz und Stolz aus. Der Klang ihrer Dholaks, der Trommeln, und der rhythmische Schlag ihrer Füße, während sie zu den Volksliedern tanzen, hallen durch den Saal und laden zum Tanzen ein. "Nun ist es so weit", rufen Neelams Schwestern. Aufregung und Freude werden größer. "Ich spüre, dass mit jedem Schritt mein Herz schneller schlägt und eine große Nervosität sich in meinem Körper ausbreitet", erklärt Neelam. Ihre Schwestern begleiten sie zum Mandap.
Der Hochzeitstag beginnt mit dem Baraat, bei dem Prakash voller Aufregung in Begleitung seiner Brüder und Freunde am Veranstaltungsort eintrifft. Grüße und Geschenke werden mit der Familie der Braut ausgetauscht. Prakashs Blick ist nur auf Neelam gerichtet. Mit einem traditionellen Sherwani geschmückt, verkörpert er die Anmut eines fürstlichen Bräutigams.
Die Zeremonie umfasst drei bedeutende Rituale, die das Paar durchführt und die jeweils eine einzigartige Bedeutung haben. Während des Kanyadaan präsentiert Neelams Vater sie dem Bräutigam und symbolisiert so seine Zustimmung und den Segen der Eltern. "Anschließend begeben wir uns zum Mangal Phere und legen dort die sieben Gelübde ab, während wir um ein heiliges Feuer herumgehen", erzählt Neelam. Der Priester singt heilige Verse und vereint ihre Seelen auf ewiges Glück.
Inmitten des Segens der Ältesten und des Regens von Blütenblättern und Reis geloben Neelam und Prakash einander ihre Pflichten und Verpflichtungen. Die sieben Gelübde, Saptapadi genannt, sind im Leben des Paares von enormer Bedeutung. Jedes Gelübde stellt ein gegenseitiges Versprechen dar, vom Aufbau einer Grundlage der Liebe und Freundschaft bis zur Schaffung eines stabilen, harmonischen Haushalts mit gegenseitigem Vertrauen und Unterstützung. "Wir geloben einander, Verständnis und Respekt aufzubringen, für unsere Familien da zu sein, und schwören uns ewige Treue in guten und schlechten Zeiten", sagt Neelam. Prakash bindet ihr eine heilige Halskette, Mangal-Sutra, um den Nacken, um ihre eheliche Bindung zu symbolisieren, und verkündet damit das Ende der Hochzeitszeremonien. Nun beginnt der Abend mit einem großen Empfang, bei dem die Gäste das frisch vermählte Paar feiern.
Auch nach 47 Jahren sind meine Großeltern glücklich verheiratet, haben drei Kinder und drei Enkelkinder und erzählen immer noch begeistert von ihrer spektakulären Hochzeitsfeier.