Mit Bällen groß werden

Lenny Seufert hat beim Kicken hohe Ziele

 

Ich möchte schon Fußballer werden und damit mein Geld verdienen", sagt Lenny Seufert. Eine Standardantwort kleiner Jungs auf die Frage nach ihrem Berufswunsch. Nur: Lenny ist nicht mehr wirklich klein. Müsste er es nicht besser wissen? Kaum einer bringt es so weit. Die einen verlieren ihren Ehrgeiz und hören auf zu trainieren, die anderen, die noch träumen, erreichen nicht das nötige Niveau. All dies trifft nicht auf Lenny zu: Der blond gelockte, mittelgroße 14-Jährige hat keine schlechten Chancen, sein großes Ziel zu verwirklichen. Der Schüler des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums Münnerstadt gilt als Nachwuchstalent und kickt seit der U 10, also der Mannschaft der unter Zehnjährigen, beim FC 05 Schweinfurt. Er hat es unter die Besten in der Nordbayern-Auswahl und in den Förderkader Bayern geschafft.

 

Seine Mannschaft spielt in der Bezirksoberliga von Unterfranken. Eine Saison besteht für sie aus zwei Vor- und zwei Rückrunden gegen die anderen fünf Mannschaften. Sie sind seit mehreren Jahren dort Tabellenführer und können nur deswegen nicht aufsteigen, da schon eine andere Mannschaft vom FC 05 in der nächsthöheren Liga spielt. Wie viele kickte Lenny schon im Kindergarten mit Freunden oder seinem Vater. Mit fünf Jahren wurde er von ihm beim Fußballverein FC Teutonia Reichenbach im Nachbardorf angemeldet, dort spielte er als Stürmer: "Ich habe vor allem daran gemocht, Tore zu schießen und Vorlagen zu machen."

 

Am Ende seiner Zeit in der U 9 spielte seine Mannschaft beim Bionade-Cup, einem Fußballturnier gegen den FC 05 SW, und erreichte ein Unentschieden mit 1:1 gegen die deutlich stärkere Mannschaft. "Es war eins meiner coolsten Erlebnisse mit dem Reichenbacher Verein, da wir sogar zuerst das 1:0 schossen und erst kurz vor Ende die Schweinfurter ausglichen." Dort wurde der Schweinfurter Trainer auf ihn aufmerksam. Tags darauf rief er beim Reichenbacher Trainer an und lud zum Probetraining ein. Erst ein halbes Jahr später folgte Lenny der Einladung. "Ich war schon sehr aufgeregt, aber zum Glück hat mein Vater mich beruhigt." Lenny gefiel es sofort in diesem Verein, er durfte nach ein paar Trainings regulär beim FC 05 mittrainieren. Während seiner Zeit in der U 10 blieb er zusätzlich noch in Reichenbach und trainierte nur einmal in der Woche bei den Schweinfurtern, aber er wurde schon in seiner ersten Saison als Gastspieler für Schweinfurt eingesetzt. In den folgenden Jahren trainierte er dort erst zweimal, dann dreimal die Woche. An den Wochenenden stehen oft Spiele an. Das Training dort empfindet er als anspruchsvoller, die Konkurrenz ist deutlich härter, was er als positiv wahrnimmt. "Ganz selten habe ich natürlich auch keine Lust, aber sobald ich im Training bin, macht es mir immer einen Riesenspaß."

 

In Schweinfurt gehe es vor allem um den Leistungsgedanken und die stetige Weiterentwicklung der Fähigkeiten, sagt Lenny, während in Reichenbach vor allem im Breitensport trainiert werde und jeder mitmachen könne, der möchte. Derzeit wird er auf seiner Traumposition im linken Mittelfeld eingesetzt. Das passt, da er einen guten Linksfuß besitzt und schnell im Laufen ist. Manchmal springt er auch als Verteidiger ein. Sie treten in großen Wettkämpfen mit hohem Niveau an. Beispielsweise spielten sie einmal gegen den BVB und gegen den FC Liverpool.

 

Obwohl sein Hobby viel Zeit erfordert, kann er es mit dem Alltag vereinbaren: "Wenn eine für mich schwierige Schulaufgabe ansteht wie zum Beispiel Spanisch, dann lasse ich eben mal ein Training aus. Aber das kommt so gut wie nie vor." Der Verein achtet darauf, dass die Kinder nicht überfordert werden. Seine Freunde trifft er in der Schule oder in seiner Mannschaft. Zu Gleichaltrigen aus dem Dorf hat er leider nur noch selten Kontakt. "Ansonsten habe ich keine anderen Hobbys. Ich will aber auch gar nichts anderes machen." Seine Familie ist stolz auf ihn, besonders der Vater. Die Eltern stehen voll hinter ihm und investieren viel Zeit: Eine Trainingseinheit kostet sie etwa drei Stunden, schon die Fahrtzeit beträgt über eine Stunde. Hinzu kommen die Spiele am Wochenende mit langen Anfahrtswegen. Ergibt sich eine Möglichkeit, für ein Sportinternat oder in einem Bundesligaverein zu spielen, wird das gemeinsam entschieden.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2023, Nr. 49, S. 26 - Frederik Dürr, Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium, Münnerstadt

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