In der U-17-Mannschaft des Fußballclubs Zürich
Vom Areal Heerenschürli in Zürich-Schwamendingen ist als Erstes ein hoher Käfig zu erblicken. Die Anlage sieht professionell, aber nicht besonders einladend aus. Leises Stimmengewirbel ist vernehmbar, das von einem lauten Pfiff des Schiedsrichters durchbrochen wird. Etwa 30 Zuschauer stehen um das rechteckige Rasenfeld und schauen interessiert dem Verlauf des Fußballspiels zu. Jede neugierige Person darf sich dazugesellen und mitfiebern. Das richtige Spielfeld auf dem weitläufigen Gelände muss aber zuerst gefunden werden, auf dem das Fußballderby der U 17 FC Zürich gegen Grasshoppers Zürich stattfinden wird.
Rasant entfaltet sich dieses fesselnde Spiel. Der Ball befindet sich im gegnerischen Feld. Die Nummer 9, Pascal Utz, hat den Pass perfekt angenommen, nimmt den Ball mit, dribbelt und zielt aufs Tor. 1:0 für den FCZ! Am Ende des Spiels steht es 2:2. Wie schnell die Stimmung wechseln kann.
Aus den düsteren Katakomben tröpfeln die FCZ-Junioren, darunter auch Pascal Utz, der, trotz Gleichstand, von seinen Teamkollegen beglückwünscht wird. Er wirkt bescheiden und begrüßt seinen Vater fröhlich. Auf den ersten Blick fällt Pascal mit seinen braunen Augen, braunen, kurzen Haaren und einer durchschnittlichen Größe nicht besonders auf. Doch auf dem Spielfeld umgibt ihn eine gewisse Aura: Er sprüht regelrecht vor Energie. Seine Schnelligkeit und seine unvorhersehbaren, flinken Bewegungen zeichnen ihn aus.
Dieses nervenaufreibende Spiel war ein Erfolg für Pascal. Immerhin sind die zwei Tore ihm zu verdanken. Einerseits ist er mit seiner eigenen Leistung zufrieden, andererseits über das Unentschieden enttäuscht. Ist er gegenüber seinen Verteidigern nicht verärgert oder gar wütend? Das dementiert Pascal vehement, der Teamspirit sei außerordentlich wichtig. "Natürlich ist die Konkurrenz zwischen den einzelnen Teammitgliedern enorm, was in jedem Training stark zu spüren ist", sagt er. Bei jeder Spielvorbereitung, geschweige denn in jedem Spiel werde von ihm die höchste fußballerische Leistung erwartet. Die vierteljährliche Selektion der vergangenen fünf Jahre sei vorbei, doch er wisse mit Bestimmtheit, dass er nach wie vor streng von seinen Trainern in Augenschein genommen werde. Von Ausruhen oder Nachlassen könne keine Rede sein.
Fünfmal in der Woche besucht Pascal das Heerenschürli in Zürich zum Training. Es stehe nicht nur die körperliche Fitness im Vordergrund, auch das taktische Verständnis werde geschult. Dabei gehe man insbesondere auf Spielzüge ein, auf Pass- und Schusstechniken sowie auf die Verbesserung der Raumwahrnehmung und Fußgelenkprävention, um Verletzungen zu vermeiden. Nach Trainingsende hetzt Pascal weiter in Richtung KV-Schule, die Sport Academy Zürich, eine Sportschule für ausgewiesene Leistungssportler, die für ihr Alter auf der höchsten Ausbildungsstufe stehen. Pascal widmet sich auch einer vierjährigen kaufmännischen Lehre. Denn laut seinen Eltern ist eine fundierte Ausbildung immer Gold wert.
Der junge Athlet meint nonchalant, dass sein Alltag wohl stressig sei, er aber alles für seinen Traum opfern würde. "Ich habe schon etwas zu wenig Zeit für meine Freundin und meine besten Freunde, doch eigentlich denke ich nicht besonders oft darüber nach. Es ist halt einfach so." Für einen Außenstehenden ist diese Aussage etwas schwierig nachzuvollziehen. Es gibt doch noch so viele wunderbare Dinge im Leben, wie die versteckte Freude, ein wenig über die Stränge zu schlagen und mit Freunden bis in den Morgengrauen zu feiern. Für Pascal heißt es, auf seine Kondition und körperliche Fitness zu achten und während der Schulferien das Trainingslager zu besuchen.
Wie geht er mit Druck um? "Das gehört zu diesem Sport. Ohne diesen Druck würde ich wohl nicht an meine Grenzen gehen, und mein Ziel, eines Tages Profifußballer zu werden, wäre schlichtweg nicht erreichbar." Wenn er an seine Anfänge zurückdenkt, schmunzelt er. Als Vierjähriger schwirrte er mit seinem Jugendfreund und seinem älteren Bruder in den Gärten der Pilatusstraße in der Zürichsee-Gemeinde Stäfa umher. Ein Fußball war immer dabei. Sein Bruder hat ihn zum Spielen animiert. Er war lange einen ganzen Kopf größer als Pascal und schnell wie ein Pfeil. Pascal hatte oft das Nachsehen, doch die Freude am taktischen Spiel und die Konkurrenz als Ansporn zu betrachten stammen daher.
Sein großes Ziel ist es, einmal die Schweiz in der Nationalmannschaft zu vertreten. Seine Stärken liegen in seiner Schnelligkeit und dem Antizipieren. Er habe das richtige Gespür als Stürmer und den Blick eines Goalgetters. Die allgemeine Ballkontrolle kann noch verbessert werden. Er sei aber auf gutem Wege, habe ihm sein Trainer attestiert. Der FCZ zählt auf ihn. Das Heerenschürli-Areal leert sich stetig. Pascal verabschiedet sich mit festem Händedruck. Er muss noch die Französischvokabeln für die morgige Prüfung lernen.