Pasta und Basta

Hardy fährt schick Essen


Auf was habt ihr Lust, Ladies?", erkundigt sich Hardy Lussi mit seiner weichen, ruhigen Stimme bei seinen Kundinnen in der Mittagszeit. Hinter den drei Mädchen stehen weitere Schüler und warten, bis sie an der Reihe sind. Immer montags steht Lussi mit seinem Foodtruck an der Kantonsschule Uetikon am See und bietet Schülern und Lehrern Pasta, Gnocchi und Tortelloni an, die frisch von seiner Lieferantin hergestellt werden. Dieser Standort ist sein einzig fixer. Er hat viele Anfragen wie Geburtstage, Firmenanlässe oder Hochzeiten. Solche Events, findet er, seien aus finanzieller Sicht lukrativer als Plätze, bei denen man nicht wisse, wie viele Gäste jeweils kommen. "Bis jetzt hat es zum Glück immer viele Anfragen für Einzelevents", erzählt er erleichtert.

Durch einen Freund kam er in Kontakt mit seiner Pasta-Lieferantin Carmela Marra-Meier, sie ist 66 Jahre alt. Sie hat zwei Söhne. Der eine betreibt ein Restaurant in Zürich. Als Hardy Lussi auf der Suche nach einem Lieferanten war, probierte er sehr viel Pasta und ist nun überzeugt davon, dass es auf dem Markt kaum ein besseres Produkt als die handgemachte Pasta von Carmela gibt. Er schmunzelt: "Ehrlich gesagt, ist mir die Produktion von Pasta zu aufwendig. Ich erledige lieber alles drum herum. Trotzdem ist es mir wichtig, dass die Qualität gut ist, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich sie besser als meine Pasta-Lieferantin herstellen kann." Lussi ist 55 Jahre alt, 1,80 Meter groß, weder schlank noch fester gebaut und hat meistens ein Lächeln im Gesicht. Er hat kurze graue Haare, leicht gebräunte Haut und grüne Augen. Mit seiner Frau Nadja hat er zwei Kinder, Nicola, 17 Jahre alt, und Giulia, 14 Jahre. Hardy Lussi kocht den Sugo nach einem Familienrezept selbst. "Die Tortelloni mit Pancetta und Mascarpone sind meine absolute Lieblingspasta, sie sind der Hit."

Sein Foodtruck ist ein glänzender, cremeweißer VW-Oldtimer. Darauf ist das Logo "Hardys Pasta e Panini" graublau in der Form eines Kreises aufgedruckt. Im hinteren Teil ist eine Küche eingebaut, wo er die Pasta kocht. Hinter ihm befindet sich ein Gestell mit gekühlten Getränken, hauptsächlich kleine Plastikflaschen mit Eistee und Wasser. Rechts vom Kühlschrank steht ein Gerät zum Aufwärmen von Panini. Jedoch hat Lussi diese selten dabei, da die Schüler Pasta bevorzugen. Vorne, wo er die Kunden empfängt, gibt es Holz-Einwegbesteck und Servietten. Daneben Bonbons, die man gratis nehmen darf. Die Stimmung um den Kleinbus ist immer fröhlich. Lussi macht viele kleine Witze: "Oh, leider hat es für dich heute keine Gnocchi mehr." Obwohl er offensichtlich noch genug Gnocchi hat. Dabei drückt der Mann in der Kochschürze ein Auge zu, lächelt und bedient.

Sein Berufsleben sah bis vor fünf Jahren komplett anders aus. Er war 25 Jahre lang in den Medien, in Marketing und Verkauf, tätig. Zwölf Jahre war er Geschäftsführer in der Schweiz bei der Pro Sieben Sat. 1 TV AG. Später gründete er seinen eigenen TV-Sender S1. Erfolgreich hat er ihn aufgebaut und nach vier Jahren an die CH Media AG verkauft. Dort arbeitete er weiter drei Jahre als Verkaufsleiter TV/Radio. Dann wurde ihm das zu langweilig. Er brauchte eine neue, herausfordernde Aufgabe. "Ich bin ein spontaner Typ." Er handelte intuitiv und schaffte sich einen kleinen Foodtruck an. Bis heute bereut er diese Entscheidung nicht. "Ich möchte es noch etwas weiter ausbauen und pflegen." Doch ob er dies für alle Zeiten machen wird, kann er nicht sagen. Die nächsten fünf Jahre bleibt er sicherlich bei diesem Projekt. "Danach sehen wir weiter."

Da dies kein Vollzeitjob ist, macht er noch diverse kleinere Arbeiten. Er besitzt ein Verwaltungsratsmandat bei Swiss1, einem TV-Sender. Dort steht er als Berater im Vertrieb zur Verfügung. Zusätzlich gibt es immer wieder Projekte aus der Medienwelt, die er begleitet. Etwa Mandatsvermittlungen oder Online-Page-Konzeptionen. Die Umstellung vom Angestellten zur Selbständigkeit dauerte kaum ein halbes Jahr. Die Selbständigkeit biete ihm Freiheit, was ihm gefällt. Gleichzeitig muss er dafür sorgen, dass Geld in die Kasse kommt, und sich selbst motivieren, da er nun keinen Chef mehr hat. Das Einkommen ist im Vergleich zu seinem Job als TV-Inhaber nicht so lukrativ. Deshalb investiert er 60 Prozent seiner Zeit in Nebentätigkeiten.

Schon immer war er ein begeisterter Hobbykoch und ist gerne in Kontakt mit Menschen. Mit dem Foodtruck ist er seit gut eineinhalb Jahren unterwegs. Seine engsten Angehörigen haben grundsätzlich positiv auf die Idee reagiert. Jedoch fanden sie es auch einen mutigen Schritt. Überrascht waren sie nicht wirklich, da sie seine Spontanität und kreativen Ideen kennen. Mit einem Lächeln sagt er: "Pasta e basta!"


Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2023, Nr. 223, S. 26 - Charlotte Duval, Kantonsschule, Uetikon am See

zurück