Politik muss man sportlich nehmen

Der slowenische Minister für Wirtschaft und Sport und die slowenische Botschafterin in Berlin im Gespräch

 

Selbstverständlich stehen im Büro des Ministers die Flaggen Sloweniens, der EU und der Kampagne "I feel Slovenia". Matjaz Han ist 52 Jahre alt, trägt weißes Haar, schwarze Brille, und schon sein Händedruck zur Begrüßung ist sportlich. Seit Juni 2022 ist er Sloweniens Minister für Wirtschaft, Entwicklung und Technologie und ist seit Januar zuständig für Wirtschaft, Tourismus und Sport. Hinter seinem Schreibtisch hängt in einem Rahmen ein großes, blaues Basketballtrikot mit der Aufschrift: "SLOVENIA 77". Es ist von Luka Doncic, dem 24-jährigen slowenischen Superstar der Dallas Mavericks in der US-amerikanischen NBA. "Seit einer halben Stunde ist Luka Doncic mal wieder in Slowenien", sagt der Minister. Doncic ist eine slowenische Marke und macht auch außerhalb des Basketballs Punkte für sein Land.

 

Matjaz Han berichtet, dass es durch die Neuordnung im Wirtschaftsministerium jetzt viel mehr Möglichkeiten gebe, Sport und Tourismus miteinander zu verbinden und so den Sport noch mehr zu unterstützen. "Das gibt uns die Möglichkeit, dem Sport etwas zurückzugeben von dem, was der Sport in über 30 Jahren seit unserer Unabhängigkeit für Slowenien getan hat." Natürlich stehe aber die Wirtschaft im Fokus des Ministeriums. "Die Energiekrise, das Problem unterbrochener Lieferketten und der Verlust von Arbeitsplätzen sind die größten Herausforderungen unserer Agenda." Der Minister berichtet, wie wichtig es ist, dabei ein gutes Team und eine gute Arbeitsstruktur zu haben. Der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Töchtern steht jeden Morgen um 5 Uhr auf. "Um 7.30 Uhr bin ich auf dem Weg ins Ministerium." Dann gebe es zuerst Gespräche mit den engsten Mitarbeitern, Koordinierung von Terminen, Teilnahme an Sitzungen der Regierung und in Ausschüssen. "Am Ende des Tages besuche ich Firmen und Veranstaltungen. Meist komme ich erst nach 22 Uhr wieder nach Hause. Deshalb verbringe ich so viel Freizeit wie möglich mit der Familie und mit Freunden, die ich schon vor meiner Zeit als Minister hatte." Han bringt jahrzehntelange politische Erfahrung mit. Als Jugendlicher hat er sich bewusst entschieden, nicht zu studieren, sondern nach der Höheren Handelsschule gleich in einen Beruf einzusteigen. Bald leitete er als Geschäftsführer ein Familienunternehmen. "Das hat mir wichtige Erfahrungen gebracht, die man in der Schule nicht lernen kann." Früh hat er sich schon für Politik interessiert und "weiß, dass viele Menschen eine schlechte Meinung von Politik haben". Umso mehr schätzt er Initiativen, die Jugendliche mit Politik in Verbindung bringen: "Einmal habe ich am Jugendparlament in unserer Nationalversammlung teilgenommen und war begeistert von den Ideen und dem rhetorischen Geschick einiger Teilnehmer. Probleme kann man nur durch Gespräche und Kommunikation lösen. Nur so kann man auch Kriege verhindern", ist der Minister überzeugt.

 

Deshalb sind die internationalen Beziehungen wichtig. "Deutschland ist dabei unser wichtigster ökonomischer Partner. Es gibt keinerlei offene Fragen zwischen unseren Ländern. 16 Prozent des gesamten slowenischen Außenhandels werden mit Deutschland abgewickelt." Zwar seien deutsche Politiker etwas zurückhaltender als Slowenen, "aber ich habe gute persönliche Freunde aus Deutschland, mit denen ich auch schöne Sommertage verbringe. Denn Kontakte muss man privat und politisch pflegen."

 

Und deshalb kommen vor allem die slowenischen Sportler wieder ins Spiel: "Sie sind unsere besten Botschafter überhaupt", schwärmt er. "Nicht nur Luka Doncic, sondern weltbekannte Slowenen wie Tadej Pogacar, Primoz Roglic, Tina Maze, die Brüder und Schwestern Prevc, Timi Zajc, Kristjan Ceh, Janja Garnbret. Ich könnte eine halbe Stunde aufzählen, und es wären noch nicht alle genannt." Er fügt hinzu: "Luka Doncic ist ja praktisch Nachfolger von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks, schon dadurch gibt es auch eine starke Verbindung zu Deutschland." Slowenien, Deutschland und Sport, das passt insgesamt bestens zusammen. Slowenische Handballer, wie zum Beispiel Vid Kavticnik, Miha Zarabec oder Marko Bezjak, wurden mit deutschen Vereinen Meister oder sogar ChampionsLeague-Sieger. Fußballer aus Slowenien waren und sind in der deutschen Bundesliga erfolgreich, zum Beispiel Branko Oblak beim FC Schalke 04 und FC Bayern, Miso Brecko beim 1. FC Köln, Kevin Kampl in Dortmund, Leverkusen und Leipzig. Und Fredi Bobic, deutscher Nationalspieler und Europameister, danach Fußball-Manager beim VfB Stuttgart, bei Eintracht Frankfurt und Hertha BSC Berlin, wurde in Maribor geboren.

 

Bei so viel Sport in Verbindung mit Politik und Diplomatie ist es nicht überraschend, dass auch die offizielle Botschafterin Sloweniens in Deutschland einen sportlichen Hintergrund hat. Ana Polak Petric leitet seit September die Botschaft in Berlin. Die 44-jährige Diplomatin beschreibt ihre Kindheit und Jugend als glücklich, besonders ihre zweijährige Schulzeit in Washington habe sie geprägt. "Hier habe ich gelernt, analytisch und selbständig zu denken. Das hat meine Kreativität beflügelt. Aber leider blieb deshalb kaum Zeit für meine sportliche Karriere in der slowenischen Nationalmannschaft." Die etwa 1,75 Meter große Botschafterin wirkt durchtrainiert und war damals eine erfolgreiche rhythmische Sportgymnastin. "Das war eine wichtige Erfahrung, auch für den Beruf. Dadurch habe ich vor allem Selbstdisziplin entwickelt. Ich mag keine Zeit verschwenden. So war ich schon als Schülerin und danach als Studentin." 2005 hat sie in Ljubljana ihr juristisches Staatsexamen abgelegt. "Bilder in den Nachrichten aus dem Krieg im auseinanderfallenden Jugoslawien hatten mich sehr geprägt und die vielen Flüchtlinge, die auch in meine Schule kamen. Deshalb habe ich mich entschieden, internationales Recht zu studieren." In Wien an der Akademie für Diplomatie hat sie 2007 ein Masterdiplom erworben und 2014 in Ljubljana an der Europäischen Fakultät für Rechtswissenschaften promoviert. Berlin ist ihre zweite Station als Botschafterin Sloweniens. Zuvor war sie ab 2019 in Japan. "Ich habe mich plötzlich als junge Frau in der Welt der Politik wiedergefunden, geprägt von Männern 60 plus. Aber schnell habe ich über Themen wie Gleichberechtigung, Rechte von Kindern und kulturelle Beziehungen meinen Weg gefunden." Diese Themen prägen auch ihre heutige Arbeit. In Berlin, ihrer zweiten Station, fühlt sie sich nun eher zu Hause. "Wir leben in einer schönen, grünen Umgebung. Jede freie Minute verbringe ich mit meinem 5-jährigen Sohn. Aber leider habe ich nicht genug Freizeit." Wie Minister Matjaz Han, so sieht auch sie die Zusammenarbeit mit Deutschland sehr positiv. "Obwohl Slowenien ein kleines Land ist, sind wir gleichberechtigte Partner und werden bei manchen Themen auch von Deutschland um Rat gefragt."

 

Selbstverständlich kümmert sich die Botschaft auch um die Anliegen der ungefähr 50.000 Slowenen in Deutschland. Es gibt "viel konsularische Arbeit, besonders für Menschen der älteren Generation, die auf der Suche nach Arbeit ins Land kamen", berichtet Polak Petric. Die Förderung der slowenischen Sprache und Kultur sei wichtig. Deshalb ist sie "besonders stolz darauf, dass wir mit SKICA hier ein sehr gutes und erfolgreich arbeitendes slowenisches Kulturzentrum haben, das Theater- und Filmprojekte, Literatur und den slowenisch-deutschen Kulturaustausch fördert". Die Botschafterin nimmt sich viel mehr Zeit als geplant für das Interview. Das liegt ihr "am Herzen, denn eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, Slowenien in Deutschland noch bekannter zu machen".

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2023, Nr. 157, S. 26 - Ela Falez, Sara Vidovic, Matej Bratusa, Institut Discimus Lab, Videm pri Ptuju

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