Auf dem Markenhof im Dreisamtal bereiteten sich junge Juden vor 100 Jahren auf eine Auswanderung nach Palästina vor. Die Geschichts-AG des Kollegs St. Sebastian in Stegen hat die Geschichte aufgearbeitet und einen Rolf-Joseph-Preis erhalten. Wir dokumentieren Auszüge.
Im Dreisamtal östlich von Freiburg nahm eine Idee Gestalt an, die nur wenige Jahre zuvor von Theodor Herzl auf dem ersten Zionistenkongress in Basel 1897 vorgedacht worden war. Der Markenhof war eine besonders frühe Hachschara-Einrichtung auf deutschem Boden, verwirklicht vom Unternehmer Konrad Goldmann (siehe Foto). Dass er Juden den Neuanfang in Palästina ermöglichte und so dazu beitrug, dass sie die Schoa überlebten, selbst aber Opfer des nationalsozialistischen Völkermords wurde, gehört zu den besonders tragischen Entwicklungen dieser Geschichte. Mit der Gründung des Kibbuz Beit Zera hatte eine Gruppe von Markenhöflern ihr Ziel erreicht: Sie fingen ein eigenständiges jüdisches Leben im Heiligen Land an.
Mitten im idyllischen Burg bei Kirchzarten liegt er: der Markenhof. Heute ist er eher für Apfelsaft bekannt, jedoch verbirgt sich dahinter eine kontrastreiche Geschichte. Dort befand sich in den 1920er-Jahren eine Ausbildungsstätte, in der sich jüdische Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereiteten (Hachschara). Er wird als eine der besten Hachschara-Einrichtungen seiner Zeit bezeichnet und als eine von vielen Wurzeln für die Gründung des Staates Israel angesehen. Damals zog der Hof viele junge Juden aus großen deutschen Städten wie Frankfurt oder Berlin an, aber auch aus anderen Teilen Europas, die sich mehrere Monate im Dreisamtal aufhielten, getrieben vom zionistischen Traum einer neuen Heimstätte in Palästina.
Konrad Elchanan Goldmann wurde 1872 in Tukum im Kurland, heute Lettland, geboren. Zum Studium des Ingenieurwesens zog er nach Deutschland, 1900 machte er in Mönchengladbach sein Diplom. Anschließend war er an verschiedenen Stellen als Ingenieur tätig, bis er 1907 nach Freiburg übersiedelte. Dort gründete er 1913 die "Draht- und Kabelwerke Freiburg" (DKF). Er hatte offenbar ein Vermögen mitgebracht, das er nun in neue Technologien investierte. Goldmann war überzeugter Zionist. Er pflegte Kontakte zur 1897 gegründeten zionistischen Ortsgruppe Freiburgs um Max Moses Kaufmann. Als zweite zionistische Organisation gründete Goldmann Ende 1918 zusammen mit seiner Frau Robertine und einigen anderen Freiburger Zionisten den "Jüdischen Landwirtschaftsverein 'Der Pflug' (Ha'Machreschah)" und wurde zu dessen Vorsitzenden auf Lebenszeit gewählt. Im Januar 1919 kaufte er für den Verein den Markenhof sowie ein Weingut am Kaiserstuhl.
Der Markenhof war ursprünglich ein ganz gewöhnlicher Bauernhof. 1505 wurde er zum ersten Mal erwähnt. Später veränderte er sein Erscheinungsbild stark. Durch umfangreiche Umbauten hatte der Markenhof herrschaftlichen Charakter und wirkte repräsentativ, als Goldmann ihn erwarb. Er ließ ein mehrstöckiges Wohnhaus errichten. Hier wurde später ein großes Schild angebracht: "Jüdisches Lehrgut Markenhof". Dieses Haus scheint der wichtigste Gebäudeteil in der Hachschara-Zeit gewesen zu sein. Im Innern deuten heute noch ein hübsch gekacheltes Badezimmer und ein Wasserhahn am Eingang für die rituellen Waschungen auf diese Zeit hin. Goldmann scheute weder Geld noch Mühen. Die interessanteste Veränderung ist der Neubau eines einstöckigen "Betsaalgebäudes"; es handelt sich laut einem Besucher aus dem Jahr 1920 um "eine kleine Synagoge, schön eingerichtet, mit bunten Fenstern". Holzvertäfelungen, Einbauschränke (einer davon mit Schiebetüren für die Thorarolle), eine prächtige Holzkassettendecke, alles bis heute noch so erhalten. Heute besteht der Markenhof aus Mietwohnungen, der Synagogenbau wird als Schlafzimmer der Erdgeschosswohnung genutzt.
In der Literatur über den Markenhof heißt es, es hätten sich dort etwa 300 junge jüdische Erwachsene in der Hachschara ausbilden lassen. Die ersten drei Eleven kamen am 17. und 19. August 1919. Mit 12 Personen stieß am 8. Dezember desselben Jahres die größte je im Hof ankommende Gruppe dazu. Per Annonce wurde später in jüdischen Zeitungen deutschlandweit auf die Ausbildung auf dem Markenhof hingewiesen. Folgende Anzeige erschien im Herbst 1920 in der "Jüdischen Rundschau": "Vakante Elevenstellen für das jüdische Lehrgut Markenhof, Post und Station Kirchzarten bei Freiburg, stellt sofort eine beschränkte Anzahl von Eleven und Elevinnen ein. Leistung eines Erziehungsbeitrages von 300,- M monatlich durch Eltern oder Organisationen erforderlich. Ausführliche Bewerbung mit Lebenslauf, Zeugnissen über Schulbildung und praktische Tätigkeit, Gesundheitsattest, wollen eingesandt werden an Inspektor Seligmann, Jüdisches Lehrgut, Markenhof." Die Eleven kamen wohl vor allem aus bürgerlichen Elternhäusern. Sie waren Abiturienten oder junge Akademiker aus Süddeutschland, Berlin und Köln. Sie kamen aber auch aus den osteuropäischen Ländern. Die deutschen Juden waren größtenteils assimiliert, fühlten sich eher als Bürger ihres Landes und sahen die religiösen Vorschriften häufig nicht so streng. Ganz anders gaben sich die Ostjuden, besonders aus Russland, Polen, Galizien. Diese Unterschiede mögen die Ursache sein von Uneinigkeiten auf dem Markenhof, die ein zeitgenössischer Bericht erwähnt.
Die Begegnung mit Ulrich Tromm, der in den 1980er-Jahren als Erster die jüdische Geschichte des Hofs wissenschaftlich untersuchte und mehrere ehemalige "Markenhöfler" ausfindig machen und interviewen konnte, war für uns ein besonderes Erlebnis. 1987 hat Tromm in Jerusalem ein Interview mit Ernst Fraenkel geführt. Er wurde 1902 in Frankfurt am Main als Sohn eines Knopffabrikanten geboren, nach eigener Aussage stammte er aus einer streng orthodoxen, "uralten deutsch-jüdischen Familie". Fraenkel besuchte das Goethe-Gymnasium in Frankfurt. Dort machte er viele antisemitische Erfahrungen durch Christen und auch durch assimilierte Juden. Doch es gab ebenfalls Lichtblicke, da ihn getaufte Juden und auch Christen in Schutz nahmen, weil sie die Diskriminierung aus menschlichen Gründen ablehnten. Als er sich abgrenzte und den Mitschülern klarmachte, er würde sich nicht in ihre Angelegenheiten mischen, "eure Sache - unsere Sache", wie er es selbst formulierte, akzeptierten sie ihn. Solche Erfahrungen schlugen bei ihm "wie ein Blitz ein" und brachten ihn zu der Meinung, Juden würden nicht nach Deutschland gehören. Aufgrund dieser Erkenntnis und auch auf Betreiben seiner Mutter, die fürchtete, ihren Sohn an die Assimilation zu verlieren, trat er 1916 im Alter von 14 Jahren dem jüdischen Jugendbund Blau-Weiß bei, der eine stark zionistische Ausrichtung hatte. Im März 1922 beschloss er, mitten im Studium auf den Markenhof zu gehen. Fraenkel kam 1925, anders als viele andere Eleven seines Jahrgangs, die nach Israel auswanderten, zurück nach Frankfurt. Dort arbeitete er ein halbes Jahr in einer Schlosserei und hatte zu Beginn unter dem Antisemitismus seiner Kollegen zu leiden, bis diese akzeptierten, dass er "wirklich (nur) Maschinen reparieren" wollte. Anschließend arbeitete er in der Firma seines Vaters und erlebte dort 1933 den Machtantritt Hitlers. Auch wenn es damals für ihn ein großes Opfer gewesen sein muss, nicht nach Israel zu emigrieren, blickte Fraenkel später anders auf diese Entscheidung zurück, denn viele Familienmitglieder konnten dank der Filialen und des Geldes der Familie vor dem Holocaust ins Ausland fliehen und sind so gerettet worden. Schlussendlich kam Fraenkel nach Israel und gründete dort eine Familie mit der Historikerin Ella Goitein. Sein jüngerer Sohn leitet(e) den Kibbuz Beit Ha-Emeq in Westgaliläa. In der dortigen Synagoge wurden drei aus dem Markenhof stammende Säulen eingebaut, eine Gedenktafel an der Wand erinnert an Konrad Goldmann, "hingerafft in der Nazi-Schoah . . ., der ausschließlich von seinem Vermögen und aus Eigeninitiative das Lehrgut Markenhof in Deutschland gründete und zu den ersten Förderern der Hechaluz-Bewegung in Deutschland gehörte". Fraenkel starb 1992 in London.
Eines der interessantesten Mitglieder der Markenhof-Elevenschar war eine junge Frau: Dorle Goitein (1905-1998); ihr voller Vorname lautete Theodora - in Anlehnung an Theodor Herzl, der wenige Monate vor Dorles Geburt gestorben war. 1988 konnte Tromm sie in Beit Zera interviewen. Ihr Vater Jacob Löb Goitein (1867-1939), ein Weinhändler in Frankfurt, war überzeugter Zionist. Er leitete als Vorsitzender die Frankfurter Zionistische Ortsgruppe und wurde "schlechthin 'der' Zionist in Frankfurt" genannt. Seiner Tochter, die ihn sehr verehrte, brachte er früh hebräische Wörter ("nicht so die üblichen") und Zahlen bei. Auf den sonntäglichen Ausfahrten versah er die Droschke mit einer Fahne, die das spätere Staatswappen Israels zeigte. Dorle schloss sich dem jüdischen Wanderbund Blau-Weiß an, über den sie 1923 auf den Markenhof kam. Nach Palästina emigrierte sie nicht von dort, sondern ging zurück nach Frankfurt, bevor sie dann 1925 auswanderte; ihr Vetter Fritz Goitein begleitete sie und führte sie zunächst in Rub-al-Nasra ein, das damals noch "Kwuzah Markenhof" genannt wurde. Später zog sie mit der Gruppe an den See Genezareth, sie gilt als eine der Gründerinnen des Kibbuz Beit Zera.
Frauen hatten im Zionismus Freiheiten und Privilegien, wovon viele ihrer nichtjüdischen Mitbürgerinnen in der Weimarer Republik nur träumen konnten. In den Ausbildungsstätten arbeiteten sie oft gleichberechtigt neben den Männern. Zwar wurden ihnen häufig typische Frauenberufe wie Gärtnerin oder Hauswirtschafterin zugeteilt. Aber ganz offen diskutierte man in der jüdischen Jugend über die "Mädchenfrage". In den Hachschara-Einrichtungen scheinen viele junge Frauen ihre Rolle gefunden zu haben. In der Landwirtschaft, damals noch ohne Maschinen, war das Geschlecht oft zweitrangig: Arbeitskraft ist Arbeitskraft. Zionistische Verbände warben sogar für die Auswanderung nach Palästina mit Fotos von tatkräftigen Frauen, die in Hosen (!) auf Feldern arbeiteten.
Eindrücklich schildert Fraenkel: "Die erste Arbeit, die man mir gab, als ich auf den Markenhof kam, war Mist zu schaufeln, und zwar auf einen Wagen, der den Mist aufs Feld fuhr. Alle 10 Minuten, jede Viertel Stunde kam der Wagen leer zurück, und dann mußte ich feste schaufeln. Erst bekam ich Blasen, dann ging die Haut weg, und dann, nach einer Stunde war überhaupt nichts mehr da." Und ein Besucher berichtet: "Das, was den Markenhof in landwirtschaftlichen Dingen über andere jüdische Lehrgüter hinaushebt, ist die klarere Richtung auf Ausbildung in den landwirtschaftlichen Zweigen Palästinas angenäherten Kulturarten. Gelände und Witterungsverhältnisse machen das Gut hierzu geeigneter als andere, aber auch in Einteilung der Arbeit und der Auswahl der Fruchtsorten wird versucht, für Palästina vorzuarbeiten." Interessant ist das Vorhandensein eines Schweinestalls, gilt doch für Juden das Verbot, Schweinefleisch zu verzehren. Fraenkel gab an, dass die Schweinezucht eine günstige Art war, Abfälle zu verwerten, und man verkaufte die gemästeten Tiere. Unterschiedliche Einstellungen herrschten unter den Eleven, was die religiöse Praxis anging. Anfangs wurden nach Aussage von Fraenkel die Speisevorschriften nicht eingehalten. Für einige Eleven aber waren diese wichtig. Deshalb gab der Vater von Fraenkel eine großzügige Spende, damit Geschirr durch koscheres Küchenzeug ersetzt werden konnte.
Eine erste Pioniergruppe von vier Frauen und drei Männern wanderte im Dezember 1921 nach Palästina aus und ließ sich in der Siedlung Ein Ganim in der Scharonebene nieder. Im Kibbuz-Archiv von Beit Zera hat sich die Liste dieser Gruppe erhalten mit Gegenständen und Utensilien, die sie für den Neuanfang für notwendig hielt. Wichtig waren Gegenstände für die Landwirtschaft (Melkeimer, Schleifstein, Feldschmiede, mehrere Pflüge). Aber auch Dinge für die Hauswirtschaft (Waschtrog, Wecker, Barometer) sowie für die Küche (Backbleche, Töpfe, diverse Küchengeräte). Und schließlich allerhand persönliche Gegenstände (Wolldecken, Betttücher, Mantel mit Kapuze, "Manchester-Kleidung für die Mädels im Sommer", Handkoffer für die Reise). In Palästina arbeitete die Gruppe auf gepachtetem Land, um weitere landwirtschaftliche Fähigkeiten und die hebräische Sprache zu lernen. Im Dezember 1924 verließen Sara Glaser, Benno Goldmann, Moses Kahn und Schmuel Bylizstak, alles aus Osteuropa stammende Juden, den Markenhof in Richtung Palästina.
Als die zweite Auswanderung stattfand, soll Goldmann Vermögen und Fabrik durch die Inflation verloren haben. Die Grundstücke wurden durch den "Pflug" an das Evangelische Stift Freiburg verkauft. Hiervon ausgenommen waren religiöse Gegenstände, etwa die Buntglasfenster der hofeigenen Synagoge. Sie konnte Goldmann 1931 ausbauen und nach Palästina bringen lassen; heute befinden sie sich im Tel Aviv Museum of Art. Am 3. Juli 1931 fand die letzte Generalversammlung des seit Langem ruhenden Vereins "Pflug" statt. Mit einem Defizit von 33.950,- Reichsmark wurde dessen Auflösung beschlossen. Zwischen 1930 und 1932 verzeichnete Goldmann als Eigentümer der Firma Wego mit Kopfhörern und elektrischen Widerständen neue Erfolge. Ende 1932 wanderte er in die Schweiz aus, später nach Hegenheim im Elsass. Mit seiner Frau Robertine hatte er zwei Söhne. 1924 trennte sich das Paar, und Konrad bekam noch zwei uneheliche Kinder. Robertine starb im Juli 1934 in Freiburg. Goldmanns Sohn Martin, seit 1925 Miteigentümer der Firma Wego und Universalerbe beider Eltern, wanderte am 31. März 1933 nach London aus. Seine Frau Friedel folgte ihm am 19. August mit den Kindern.
Das örtliche NSDAP-Parteiorgan "Der Alemanne" verbreitete Martins Auswanderung mit Genugtuung im Zusammenhang mit dem ersten organisierten Boykott jüdischer Geschäfte und Unternehmen in Deutschland. Martin verstarb kurz darauf - es wird vermutet, dass er sich das Leben nahm. Sein Tod war ein Schock für Konrad Goldmann. Im September 1935 klagte er in einem Brief an seine Schwiegertochter Friedel: "Ich bin durch Martins Tod u. durch Aufregungen im Geschäft gesundheitlich so stark mitgenommen, dass ich mich immer wieder ins Bett legen musste. Ich kann Martins Tod nicht verwinden u. habe noch nach niemands Tod, auch nicht nach dem meiner Eltern, so getrauert u. mich so gegrämt, wie nach Martin." Aber es kam noch schlimmer. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Goldmann nach Dax in Südfrankreich evakuiert, wohin ihn seine Tochter Suzy zunächst begleitete. Seine finanzielle Situation wurde prekär. Aus Aussagen der Schwiegertochter geht hervor, dass er sich nicht einmal mehr das Porto für seine Korrespondenz leisten konnte. 1942 wurde Goldmann verhaftet und ins Sammellager Drancy nördlich von Paris gebracht, wo er am 15. Juli starb. Suzy schildert: "Anfang Juli dann bekam ich von seiner Wirtsfrau einen Brief, in dem sie schrieb, dass Vater plötzlich ohne Grund verhaftet wurde von der Gestapo, ½ Stunde gab man ihm Zeit, er konnte gerade noch der Frau sagen, sie soll es mir schreiben. Ich wusste damals genau, dass Vater nicht mehr lebend aus der Gefangenschaft kommt. [...] Anfang Sept[ember] dann schrieb mir seine Wirtsfrau wieder, dass Vater im K.Z. von Drancy umgebracht worden sei. 9 Tage nur war er dort, er musste schnell sterben. Später dann habe ich durch eine Frau, die auch in Drancy war, aber befreit wurde, erfahren, dass die Gefangenen erschossen wurden. Es war jedenfalls ein Todeslager, und keiner kam lebend heraus."
Welch tragisches Ende für einen, der dafür gekämpft hatte, in Palästina eine neue Heimstätte für die Juden zu schaffen. Warum hat er sich nicht selbst retten können? Auf diese Frage gibt er in seinen Briefen 1935 selbst Antwort. Ein höherer Mitarbeiter der Firma setzte nämlich das Gerücht in die Welt, Goldmann beabsichtige nach Palästina auszuwandern. Dieser streitet eine solche Absicht vehement ab: "Ich weiss auch nicht, was ich in P[alästina] soll u[nd] wovon ich dort leben soll. An sich hat jeder Zionist - u[nd] auch ich bin ein solcher - die Sehnsucht in P[alästina] zu leben. Aber von der Sehnsucht allein kann man doch nicht leben, es muss doch auch eine wirtschaftliche Grundlage für ein Leben in P[alästina] vorhanden sein. Oder aber eine solche Uebersiedlung nach P. kann von der absoluten Aussichtslosigkeit der Existenzmöglichkeit, wie es z.B. bei den deutschen Juden u. namentlich bei der jüdischen Jugend in Deutschland der Fall ist, diktiert sein. Da beides auf mich nicht zutrifft, so liegt bei mir höchstens ein ideelles Interesse, aber keine praktische Uebersiedlungsabsicht vor." Im Freiburger Stadtteil Wiehre erinnert seit 2005 ein Straßenname an ihn.
Der Verein "Der Pflug" verkaufte den Markenhof 1925 an das Evangelische Stift Freiburg. Dieses verpachtete die Landwirtschaft; in den oberen Gebäuden richtete es die erste "christliche Bauernhofschule" Badens ein. Die Schule musste allerdings 1933 schließen, sie wurde auf Druck der NSDAP aufgelöst und zunächst an die Landesbauernschaft abgegeben. 1935 erwarb Georg Miedtke, ein Exportkaufmann, beide Höfe. Mehrere Gebäude wurden an die NSDAP vermietet, die 1937 eine Art Musterlager für die Mädchenausbildung ("Arbeitsmaiden") einrichtete, das RAD-Lager 7/182. Über dem Markenhof wehte, nur ein gutes Jahrzehnt nach dem Ende des jüdischen Betriebs, nun die Hakenkreuzflagge.