Uber kurz oder lang

Jeder Fahrgast ist anders. Zwei Fahrer berichten.


Galeria de Paris, Altstadt, Porto, 05.47 Uhr. Betrunkene Fahrgäste sind für Vitor die am allerwenigsten geliebten Fahrgäste. "Wenn jemand mich mit 'Oh Bruder, das hat aber lange gedauert' begrüßt, dann kommt er in mein Auto gar nicht erst rein", erklärt er. Vitor ist 47 Jahre alt und fährt seit mehr als einem Jahr für Uber. Wenn ihm eine Fahrt zugewiesen wird, ist er verpflichtet, sie durchzuführen. Häufige Ablehnungen können zu Ausschlüssen oder sogar zum Rausschmiss führen, wobei Fälle von unangemessenem Verhalten aufseiten der Fahrgäste natürlich außer Acht gelassen werden. "Befindet sich der Passagier in einem Radius von drei Kilometern, so akzeptiere ich die Fahrt. Sonst muss ich sie ablehnen, denn es ist unwahrscheinlich, dass ich Gewinn mache", erklärt Vitor.

Erst beim Einsteigen des Fahrgastes gibt dem Fahrer seine App die Zieladresse zu erkennen. "Andernfalls würden manche Uber-Fahrer nur lange Fahrten akzeptieren, um ihren Gewinn zu steigern", sagt er. "Manchmal mache ich sogar Verlust." Denn die App berücksichtige nicht die Entfernung des Fahrers zum Passagier. Der Preis hängt ab von der mit dem Passagier zurückgelegten Strecke, der Zeit und der aktuellen Nachfrage. "In der Halloweennacht hat der dynamische Koeffizient, der von der Nachfrage abhängt, seinen Maximalwert 2,0 erreicht." Das bedeutet: doppelte Preise und somit auch doppelter Gewinn. Uber-Fahrer müssen also geschickt ihre Zeit auf der Straße planen. Durch Erfahrung wissen die meisten genau, wo und wann am meisten verdient wird. "Der Flughafen ist immer eine gute Wahl, und abends sind die Hotspots oft in der Umgebung von Discos oder in der Altstadt", sagt Vitor.

Uber kassiert je Fahrt eine Provision von 24 Prozent. Außerdem muss Vitor einen Teil seines Gewinns an seinen Chef abgeben. Sein Chef ist ein Investor, ihm gehört das Auto, mit dem Vitor für Uber fährt. Am meisten gefällt ihm an seinem Job, dass er flexibel arbeiten kann. So hat er mehr Zeit für die Familie und holt seine zwei Kinder in der Regel von der Schule ab. "Ich arbeite wie ein Luftballon und gehe, wohin der Wind mich trägt."

Als Uber-Fahrer treffe man die seltsamsten Menschen. Das empfindet José, ebenfalls Uberist, als besonders spannend an seiner Arbeit. Als ehemaliger internationaler Busfahrer in Italien, Deutschland und der Schweiz ist José daran gewöhnt, mit Touristen umzugehen. Befragt nach seinen Lieblingstouristen, antwortet er: "Die Deutschen. Sie sind normalerweise gut erzogen und respektvoll." Außerdem beherrsche er als Sohn eines Hotelbesitzers in München die deutsche Sprache. Seine längste Fahrt machte José von Porto nach Madrid. Die 562 Kilometer lange Fahrt brachte ihm fast 800 Euro, mehr als der portugiesische Mindestlohn. Um die Qualität der Fahrten zu sichern, operiert Uber mit einem Bewertungssystem. Fahrer bewerten die Passagiere und Passagiere die Fahrer. José ist davon überzeugt, dass es ein faires System ist. Er ist auf seine maximale "Fünf Sterne"-Bewertung stolz.

In Deutschland führen viel weniger Leute mit Uber. "Das hängt vor allem an den teuren Preise und an dem guten öffentlichen Verkehrssystem", meint José. Portugal sei immer noch ein Autoland, Deutschland sei da schon weiter.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2023, Nr. 217, S. 26 - FRANCISCO CORREIA, Deutsche Schule zu Porto

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