Als Spieler steht man schnell im Abseits

Die Karriereleiter stand einfach an der falschen Wand", berichtet Simon Schröttle schulterzuckend. Trotzdem hat er in seinem Hobby eine Berufung gefunden. Das lässige schwarze Trikot ist nicht nur ein Freizeitlook, sondern auch das Arbeitsoutfit des 32- Jährigen. Er ist Fußballer mit Leib und Seele, und das besonders in der Position am Spielfeldrand. Doch der Weg zum Trainer lag nicht immer klar vor ihm. Trotz seiner guten Leistungen als Kapitän der U-19-Mannschaft des Fußballbundesligisten FC Augsburg, wo er unter anderen unter Thomas Tuchel spielte, erkannte er, dass er den Sprung zum Profifußball nicht schaffen würde. Sein großer Kindheitstraum schien geplatzt.


Geboren wurde Schröttle in Rain, etwa 40 Kilometer nördlich von Augsburg. Während er seine Freizeit dem Fußball und Freunden widmete, machte er nach dem Abitur Praktika und Jobs für Werkstudenten, unter anderem bei BMW, MAN und Airbus Helicopters. Sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens schloss er mit einem Master ab. "Ich habe als Spieler schon während des Studiums vergleichsweise viel Geld zur Verfügung gehabt." So hatte der Mittelfeldspieler Zeit, seine Position im Leben zu finden. Dass er diese Position außerhalb der Spielfeldlinie gefunden hat, genießt er jeden Tag. Abends flitzen die Kinder zum Training. "Der Spaß steht im Vordergrund." Sobald die Kinder spielen, konzentrieren sie sich voll und ganz auf den Ball, die Gegner, die Mitspieler. Dass sie jede Aufgabe annehmen und daran wachsen, bewundert der Ko-Trainer der U 13 des FC Augsburg besonders. Sie zur Ruhe und Konzentration zu zwingen, davon ist er kein Fan. "Man erkennt an den Fähigkeiten und der Persönlichkeit relativ schnell, wer das Zeug zum Profifußball hat. Wenn die Kinder andere aufbauen und sie unterstützen, zeigen sie Führungspersönlichkeit."


Das Spiel dient den Kindern als Ausgleich, und das will er bewahren. "Bei manchen Kindern aus schwierigen Verhältnissen sieht man den Schrei nach Aufmerksamkeit." Die Mannschaft schenkt den Kindern ein sicheres Umfeld, und als Trainer ist es von Bedeutung, eine starke Mitte für sie zu symbolisieren. Seine Karriere als Trainer baute er nach dem Studium auf. Schröttle wagte den Schritt in die Selbständigkeit zu einem scheinbar unpassenden Zeitpunkt, nämlich zu Beginn der Corona-Pandemie. Durch die Kontaktbeschränkungen war es den am professionellen Fußball interessierten Jugendlichen nur möglich, Einzeltrainings zu nehmen, und genau das wird seitdem von der Simon- Schröttle-Fußballakademie geboten. Mit der UEFA-B-Lizenz und der DFB-Elite-Jugend- Lizenz machte er sich einen Namen. Werbung musste er nie machen. Die Vormittage nutzt

er für die Arbeit an seinem dritten Buch. Zwei Fachbücher hat er mit Moritz Demmer geschrieben. Seine Freundin übernimmt das Lektorat für ihn. Nach dem Abitur führte ihn ein Fußballstipendium in die USA und brachte ihm die "Machermentalität" der Amerikaner näher. Grinsend erzählt er von den Träumen eher unterdurchschnittlicher Spieler. "Die Deutschen raten einem eher immer zur Mittelmäßigkeit, Amerikaner raten einem eher zu den Luftschlössern." Schröttle wird in der kommenden Saison als Spielertrainer vom FC Ehekirchen in der Landesliga zum FC Gundelfingen in die Bayernliga Süd wechseln und sich dort in einen neuen Mannschaftsgeist, in ein neues Mannschaftsgefüge einleben.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.08.2024, S. 26 - Amelie Dirr, Rosenstein-Gymnasium, Heubach

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