Eine junge Frau beendet die Arbeit in einem Steuerbüro und eröffnet eine Milchmanufaktur
Die Milch war ja eh schon da." Das war die wichtigste Voraussetzung, die die 26-jährige Vera Weber dazu brachte, ihre eigene Milchmanufaktur auf dem Bauernhof ihrer Familie in ihrem idyllischen Heimatdorf Lautern, circa 70 Kilometer von Stuttgart entfernt, zu eröffnen. Sie war zwar schon immer an direkter Vermarktung interessiert, war sich damals aber nicht bewusst, dass man das mit dem Hof verbinden könnte. So studierte sie direkt nach dem Abitur von Oktober 2015 bis September 2018 in Stuttgart dual Steuer- und Prüfungswesen und arbeitete anschließend in einem Steuerbüro. "Die Arbeit im Steuerbüro ist zwar sehr wichtig, allerdings verbringt man seine ganze Zeit nur sitzend im Büro, und ich bin einfach ein Mensch, der raus in die Natur muss, der körperlich arbeiten muss. Deswegen war mir klar, dass die Arbeit mich nicht glücklich machen wird." Zu Hause wurde sie durch ihren Vater auf einen Artikel über eine Fortbildung zum Fachagrarwirt für handwerkliche Milchverarbeitung aufmerksam und zog dafür für zwei Jahre nach Wangen im Allgäu.
Seit drei Jahren stellt Vera nun selbst Käse, Joghurt und Frischkäse in den verschiedensten Varianten aus der Milch der 140 Kühe und 48 Ziegen, die auf dem Hof leben, in ihrer kleinen Käserei im Keller her. Je nach Saison ist der Käse mit Kräutern versehen, zum Beispiel mit Bärlauch, und im Dezember macht sie vor allem Raclette-Käse. Im Sommer wird das Eis der Dorfbäckerei zu einem Teil aus ihrer Kuhmilch hergestellt.
"Tatsächlich braucht man weder eine Ausbildung noch einen Schulabschluss, um selbständiger Käser zu werden", stellt Vera zu ihrem Erstaunen immer wieder während ihrer Arbeit fest. Sie kann das nicht verstehen, da "so viel Verantwortung dabei ist, wegen der Hygiene, der Tiere und so weiter". Ihre Produkte, von denen sie ausreichend leben kann, verkauft sie in Hofläden und auf dem Wochenmarkt in der Umgebung, aber auch in Lautern in einer der vielen Gärtnereien oder auf den zahlreichen Dorffesten. In der Zukunft will sie auch in ihrem eigenen Hofladen verkaufen, der neben den neu gebauten Ziegenstall kommen soll, genauso wie eine richtige größere Käserei.
Hilfe bekommt sie von ihren drei Angestellten, als Minijobber. Eine übernimmt zum Teil den Verkauf, richtet und putzt den Verkaufswagen, etikettiert oder kümmert sich um die Bestellungen. Auch bei der Käseproduktion und den Käseanrichtungen wird ihr ein Teil abgenommen. Zusätzlich wird sie viel von ihrem Freund Mario und ihrer Mama Uschi unterstützt, hauptsächlich bei der Stallarbeit.
Natürlich hat sie selbst das meiste zu tun. "Die Arbeit kann schon manchmal sehr anstrengend sein, vor allem dadurch, dass man auch am Wochenende nie freihat", meint Vera. Trotzdem bleibt sie in ihrer dreckigen Stallkleidung völlig entspannt. Gerade erst hat sie die zehn Wochen alten Ziegen von ihrer Mama abgesetzt, die man im Hintergrund laut meckern hört.
"Die Ziegen müssen mindestens einmal, manchmal auch zweimal am Tag gemolken werden", erzählt sie mit ihren blonden, zu einem Zopf gebundenen Haaren. Schließlich ist ihr Ziel, in einem Jahr 60.000 Liter Ziegen- und 100.000 Liter Kuhmilch zu verkaufen.
Momentan verarbeitet Vera in einer Woche 400 Liter Ziegen- und 1000 Liter Kuhmilch, die im Anschluss auch vollständig verkauft werden.
Die entzückenden und verspielten Ziegen sind ihr sehr wichtig, weshalb sie weiterhin eine stabile Herde haben will. Die Tiere sind meistens auf einer vier Hektar großen Wiese, direkt neben dem Hof, der typisch nach Bauernhof und Stall riecht.
Immer wieder ist sie fasziniert davon, was man alles aus Milch machen kann, einfach nur durch die Zugabe von Kultur und Lab, abhängig von Menge und Temperatur. Die natürlichen Hilfsmittel Lab und Käsekultur sorgen dafür, dass die Milch gerinnt und anschließend säuert, wichtige Bestandteile des Herstellungsprozesses.
Der größte Vorteil an ihrer selbständigen Arbeit ist für sie, dass man flexibel ist, sodass sie zum Beispiel nur noch einmal im Monat Büroarbeit machen muss.
"Am meisten an meiner Arbeit gefällt mir aber trotzdem, dass man einfach mit der Natur verbunden ist, sich körperlich betätigt, die Arbeit mit den Ziegen, die tollen Tiere, die leicht zu halten sind, das macht mir einfach Spaß", antwortet Vera mit einem Strahlen im Gesicht.