Da entsteht Harmonie

Die studentischen Musikgruppen Portugals


Die weibliche Tuna der Fakultät für "Letras", den Geisteswissenschaften, eine musikalische Gruppe von aktuellen und ehemaligen Studentinnen, probt in der "bar do tio" in Porto für das Festival "Medicalis", das von der medizinischen Fakultät in Covilhã organisiert wird.

Eine Frau leitet die rund 70 jungen Frauen an. Einige spielen portugiesische Zupfinstrumente wie das Cavaquinho, das Bandolim und die Portugiesische Gitarre, andere das Akkordeon, das Tamburin oder den Kontrabass. Nach einer kurzen Stimmübung proben sie eine Eigenkomposition. Während einige singen und gleichzeitig spielen, treten andere nach vorn und machen mit Tamburinen und der blauen Flagge, das Symbol ihrer Tuna, Choreographien. Immer wieder werfen sie sich die "estandarte", die Fahne, zu und fangen sie auf. Mit einem Lächeln proben die Mädchen ihre Tricks und jubeln am Ende jeder Aufführung.


Die Tuna der Fakultät für "Letras" ist bestrebt, den Grundtraditionen zu folgen. Dazu zählen die Instrumententypen, das Repertoire und die Kleiderordnung. Die Tunas entstanden im

19. Jahrhundert mit strengeren Regeln, nur Männer durften mitmachen. Heute ist es an einer Uni genauso üblich, eine weibliche Tuna zu haben. Unter den mehr als 200 Tunas sind einige seltene gemischte. "Es geht darum, Musik zu machen und Momente der Gemeinschaft unter den Studenten zu schaffen", erklärt Maria Amaral. Sie ist Mitglied der Tuna der Fakultät für "Letras".


Als Maria vor vier Jahren beitrat, hatte sie zwar Gesangskenntnisse, musste aber das Akkordeonspiel erst erlernen. Heute, nach Abschluss ihres Studiums, nimmt sie weiter an den Proben teil und beherrscht das Instrument. Die Tuna heißt auch Menschen ohne musikalische Vorkenntnisse willkommen, betont deren Leiterin, Jéssica Roque: "Die Tuna ist für alle da, es geht vor allem um Integration." Es gibt eine gewisse interne Hierarchie, die auf Verdienst basiert. Diejenigen mit mehr Fähigkeiten sind dafür verantwortlich, die weniger Erfahrenen zu unterrichten oder zu leiten. Auf diese Weise bleibt das Motto "Von Studenten für Studenten" erhalten.


Das ist jedoch nicht in allen Tunas so. Bárbara Hörster, Studentin im ersten Jahr an der Hochschule für Gesundheit in Porto und Mitglied der dortigen Tuna, erklärt, dass sie eine Aufnahmeprüfung machen musste. Da sie bereits professionellen Gesangsunterricht hatte, war das kein Problem. Sie ist jedoch im ersten Jahr und muss Regeln befolgen. Bárbara kommt mit den Neulingen früh zu den Proben, um den Raum vorzubereiten und Instrumente

zu stimmen. Sie bleibt während der Probe stehen, ohne sich an die Wand lehnen zu dürfen, um so den höhergestellten Mitgliedern Respekt zu zeigen. Bárbara war sofort begeistert, aufgenommen zu werden, weil es ein Treffpunkt ist, ideal für alle, die gerade erst an eine Universität kommen. "Ich persönlich wollte aus mehreren Gründen in eine Tuna gehen: Weil ich Musik mag, um Spaß zu haben, aber vor allem um Freundschaften zu schließen." Die halten oft ein Leben lang. Die Neuen erhalten eine Patin, die sie führt und unterstützt. "Wir sind mehr als eine Musikgruppe, wir sind uns eine gegenseitige Stütze", betont Roque.


Die Festivals werden von einer Universitätstuna organisiert, zu der andere Tunas eingeladen werden. Jede präsentiert verschiedene Lieder, anschließend werden Preise vergeben, etwa für das beste Original, das beste Solo oder die beste Tuna. Die weibliche Tuna der Fakultät für "Letras" singt neben ihren eigenen Liedern portugiesische Lieder wie "Desfolhada", die Entblätterte, und "Senhora do mar", die Dame des Meeres, Lieder, die Portugal beim Eurovision Song Contest vertreten hat. "Die Tuna dient auch dazu, die sehr gute portugiesische Volksmusik nicht zu vernachlässigen, deshalb singen wir keine englischen Lieder", sagt Maria. Bei Aufführungen trägt die Gruppe traditionelle Kleidung als Zeichen ihrer Identität. Das Tragen dieser "Traje" ist seit den ersten Tunas, die aus Porto und Coimbra stammen, eine Tradition, die die Fakultät für "Letras" bis heute beibehalten hat. Der "Traje" ist ein schwarzer Anzug mit schwarzem Umhang, der mit Hemd und Krawatte getragen wird, sowohl für Männer als auch für Frauen.


Das wird auch bei Straßenauftritten getragen, um Geld zu sammeln für Material, Reisen und andere Ausgaben. Dort entscheiden sich einige Tunas für modernere, bekanntere Musikstile wie brasilianische Musik oder Pop, um für die Portugiesen und die vielen Touristen möglichst anziehend zu sein. "Wir erhalten keine Unterstützung. Wenn wir etwas wollen, müssen wir dafür kämpfen", sagt Roque. Die Tunas seien viel mehr als eine musikalische Gruppe. "Sie repräsentieren einen Raum, in dem Studierende Zusammenhalt und die Möglichkeit finden, gemeinsam zu wachsen. Musik ist die Brücke, die diese jungen Frauen verbindet, sie wirkt auch in ihre akademischen und persönlichen Leben."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.08.2024, S. 26 - CLARA PORTELA, Deutsche Schule zu Porto

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