Machen sich Rebhühner rar oder werden sie rar gemacht? Beim Jagdausflug im Süden Portugals.
Die neun Hobbyjäger im Alentejo im Süden Portugals sitzen beim Frühstück. Sie kommen aus dem ganzen Land, um ins Jagdgebiet im Gebirge zu fahren, das sich wenige Kilometer entfernt von ihrem Hotel in der Kleinstadt Mértola befindet. Obwohl auch Enten, Wachteln und Waldschnepfen im Alentejo gejagt werden, ist für die meisten Jäger das Rebhuhn am begehrtesten. Die Jagdtradition, insbesondere auf diesen Vogel, ist fest in der Region verwurzelt. Die Jäger nehmen ihre Wasserflaschen, einen Imbiss und ihre Schrotflinten. Alle sind in einer Linie angeordnet. Die Läufer an den Enden haben die Aufgabe, den Weg zu leiten und das richtige Tempo zu halten.
Einer der Jäger ist António Folhadela. Der 50-jährige, kräftig gebaute Anwalt, trägt braune und grüne Jagdkleidung, die mit seinem roten Bart kontrastiert. Er meint: "Es geschieht etwas sehr Irrationales: Denn der Mensch geht, ohne ein überlebenswichtiges Bedürfnis zu haben, aufs Land und versetzt sich in den Zustand eines Raubtiers. Es findet so etwas wie ein 'Fest der Instinkte' statt. Einige Menschen tragen diese Instinkte in sich und andere nicht. Der zweite Grund ist, dass es gastronomische Produkte gibt, die, wenn sie nicht gejagt würden, auf keiner Speisekarte mehr zu finden wären. Ein Beispiel ist die Waldschnepfe. Sie wird nicht in Gefangenschaft gezüchtet und gilt als Delikatesse." Der dritte Grund sei, dass es in Portugal Gegenden gibt, wie der Ort Mértola, deren Wirtschaft von der Jagd abhängt. Viele Restaurants, Hotels und Gasthäuser in diesen Kleinstädten würden nicht existieren, wenn es keine Jäger gäbe. Denn außer ihnen besuchen nur wenige diese Orte. Ironischerweise seien die Jäger selbst ein Grund dafür, dass es an vielen Orten einen hohen Bestand an Rebhühnern gibt. Viele Menschen sind vom Land in die Städte gezogen. Das hat dazu geführt, dass es immer weniger Gemüsegärten auf dem Land gab, in denen viele Rebhühner ihr Futter fanden. Außerdem wurde die Raubtierbekämpfung, die früher von den Landwirten durchgeführt wurde, nicht mehr mit der gleichen Intensität betrieben. Es ist ja im Interesse der Jäger, die Zahl der Rebhühner zu erhalten oder sogar zu erhöhen, damit es genügend zum Jagen gibt und sie sich bis zur nächsten Jagdsaison fortpflanzen können.
Der Weg der Jäger ist steinig. Zwei Stunden nach Aufbruch ist der erste Schuss zu hören. Das scheint zu motivieren. Die Gruppe spürt, dass noch mehr Rebhühner kommen werden. Folhadela erklärt: "Vom gastronomischen Standpunkt aus gesehen sind Rebhühner eine Delikatesse. Aus sportlicher Sicht sind sie eine Herausforderung. Wenn man Rebhühner jagt, muss man viele Kilometer zurücklegen, im Gebirge zu Fuß, oft unter sehr schwierigen Bedingungen. Und man muss auch sehr geschickt beim Schießen sein, denn das Rebhuhn ist ein sehr schnelles Ziel." Folhadela mag auch die Waldschnepfenjagd. Während das Rebhuhn in Linien von sechs bis zehn Personen gejagt wird, wird die Waldschnepfe entweder pärchenweise oder allein gejagt. Die Rebhühner scharen sich zusammen, während die Waldschnepfen allein fliegen. Obwohl sie normalerweise denselben Lebensraum teilen, sucht das Rebhuhn eher weniger dichtes Gebüsch auf, während die Waldschnepfe in kleinen, geschlossenen Wäldern Schutz findet. Doch bei der Jagd gilt das Prinzip: Je seltener etwas ist, desto begehrlicher ist es. Folhadela weiß natürlich, dass viele kein Verständnis für die Jagd haben. Seine Perspektive ist klar: "Erstens denke ich, dass es Themen gibt, bei denen wir nicht zu sehr rationalisieren sollten. Zweitens denke ich, dass die Menschen die Perspektive nicht verlieren sollten, dass hier Tiere in einem besonderen Kontext getötet werden. Keiner von denen, die auf diese Art von Argumenten, auf diese Überrationalisierung des Problems, zurückgreifen, mag ein Rebhuhn mehr als ich. Niemand ist glücklicher, ein Rebhuhn im Sommer zu sehen, also in der Zeit, in der man nicht jagen darf, als ich. Niemand freut sich mehr als ich, ein Rebhuhn mit seinen Jungen an einem Tag im Juni oder Juli zu sehen, also in den Monaten, wenn sie geboren werden. Ich erkenne schon, dass dies ein Paradoxon ist. Aber das ist ein Paradoxon, von dem die Menschheit voll ist. Das ist es auch, was uns zu einem großen Teil menschlich macht. Und zum Thema Moral möchte ich ein Beispiel geben. Letzte Woche war ich an einem Ort auf der Jagd, an dem es nur sehr wenige Rebhühner gab. Das einzige, das ich hätte schießen können, lag am Boden. Es war unverletzt, aber ich habe nicht geschossen, denn in diesem Fall wäre es ethisch nicht korrekt gewesen, auf einen Vogel zu schießen, der sich nicht durch Fliegen verteidigen kann. Ich ging also auf die Jagd, fuhr 400 Kilometer nach Süden, später weitere 400 Kilometer wieder zurück nach Hause, lief etwa zwölf Kilometer durch schwieriges Gelände und schoss kein Rebhuhn, weil es auf dem Boden lag. Ich spreche hier nicht von Moral im Sinne von Tun oder Unterlassen, sondern von der Art und Weise, wie man es tut."
Folhadela geht 20 Mal im Jahr auf die Jagd, davon zwölfmal auf Rebhühner, er erlegt durchschnittlich 36 Stück pro Jahr. Er geht mit Freunden und nimmt seinen Hund mit, der die erlegten Vögel holt. Einmal lief es nicht nach Plan: "Es war kalt und hatte stark geregnet. Ich erlegte ein Rebhuhn, das in einen Fluss fiel, der sich durch das Unwetter mit viel Wasser gefüllt hatte. Mein Hund war damals noch relativ jung, und es war eine der ersten Jagden, die er unternahm. Als er ins Wasser gehen sollte, tat er es nicht, weil er Angst hatte. Um mein einziges Rebhuhn nicht zu verlieren, zog ich mich bis auf die Unterwäsche aus und schwamm etwa acht Meter hin und acht Meter zurück. Ich nahm das Rebhuhn mit nach Hause, wo ich es kochte und mit meiner Familie aß."
Nach etwa fünf Stunden ist die Jagd zu Ende. Folhadela hat ein Rebhuhn. Nicht alle neun hatten dieses Glück heute. Nun gehen sie gemeinsam essen. Folhadela erklärt: "Das Jagdfieber beginnt für mich schon, wenn ich am Vortag das Haus verlasse. Es ist die Aufregung der Vorbereitungen, das Abendessen am Tag der Ankunft, das Mittagessen am Ende der Jagd und die Umarmungen, mit denen wir uns verabschieden, die es mir unmöglich machen, einen Lieblingsmoment zu nennen."
Folhadela erzählt, dass sein Bruder zur gleichen Zeit wie er mit der Jagd begonnen hat. Beide gingen anfangs mit ihrem Vater, Onkel und Großvater. Sie haben ihren Waffen- und Jagdschein gleichzeitig erhalten. Und als es notwendig wurde, die Dokumente zu erneuern, tat dies nur António. Von da an ging sein Bruder nie mehr zur Jagd.